Ausnahmekönner Weber führt Harder-Quartett bei Endrunde an

Österreichs Männerteam hat bei WM in Ägypten die Hauptrunde als Ziel.
Stadt des 6. Oktober Nach den Teilnahmen bei der Premiere 1938 (Vizeweltmeister hinter Gastgeber Deutschland), 1958 und 1993 (14. in Schweden) sowie in den Jahren 2011, 2015 und 2019 ist Österreichs Handball-Männerteam zum siebten Mal bei einer WM-Endrunde vertreten. Im rot-weiß-roten Aufgebot beim 27. Championat der Internationalen Handball-Föderation (IHF) ab heute stehen mit Robert Weber, Dominik Schmid, Lukas Herburger und Boris Zivkovic vier Harder. Erklärtes Ziel ist Rang drei in der Vorrunde, gleichbedeutend mit dem Einzug in die Hauptrunde der Top-24 Teams.
Schweiz als Auftaktgegner statt der USA
Gegner in der Gruppenphase sind am Donnerstag (18 Uhr MEZ) die Schweiz. Die Eidgenossen sind nachgerückt und ersetzen die USA, die ihre Teilnahme wegen 18 Coronafällen im Umfeld des WM-Ausgebotes am späten Dienstagabend nach Rücksprache mit dem Weltverband zurückgezogen haben. Im Zwei-Tage-Rhythmus geht es dann am Samstag (18 Uhr) gegen Rekordweltmeister Frankreich (sechs Titel, elf Medaillen) und am Montag (20.30 Uhr) gegen Norwegen, die bei den letzten IHF-Titelkämpfen 2017 und 2019 jeweils Silber holten.
Weber mit Bestmarken am Fließband
Ein Akteur im ÖHB-Aufgebot, der es meisterlich versteht, mit seinem scheinbar unbegrenzten Potenzial an Varianten und Trickwürfen die gegnerischen Torhüter zur Verzweiflung zu bringen, ist Robert Weber. Zusammen mit Langzeitlegende Viktor Szilagyi und dem aktuell verletzten Nikola Bilyk ist der mittlerweile 35-jährige Harder sicher jener Spieler, der in den letzten zwölf Jahren Österreichs Aufschwung auf der internationalen Bühne geprägt hat. Seit seinem Debüt mit 18 Jahren und elf Monaten im Männerteam am 19. November 2004 hat der wieselflinke Flügelspieler 185 Länderspiele bestritten und dabei 804 Tore (im Schnitt 4,35 pro Spiel) erzielt. Der Mann mit dem magischen linken Handgelenk war bei allen acht Finalturnieren seit der EURO 2010 im eigenen Land dabei und schaffte das Kunststück, in allen 42 WM- und EM-Endrundenspielen zumindest ein Tor zu erzielen. Mit insgesamt 207 Volltreffern bei Großevents ist Weber die überlegene Nummer eins in der internen ÖHB-Rangliste.
27. Handball-WM der Männer 2021 in Ägypten
Veranstaltungszeitraum: 13. bis 31. Jänner
Vorrunde Gruppe E (Spielort: Stadt des 6. Oktober)
Donnerstag, 14. Jänner
Österreich – Schweiz (18.00 Uhr MEZ)
Norwegen – Frankreich (20.30 Uhr MEZ)
Samstag, 16. Jänner
Österreich – Frankreich (18.00 Uhr MEZ)
Schweiz – Norwegen (20.30 Uhr MEZ)
Montag, 18. Jänner
Frankreich – Schweiz (18.00 Uhr MEZ)
Norwegen – Österreich (20.30 Uhr MEZ)
Hauptrunde III Spielort: Stadt des 6. Oktober
Top-3-Teams der Vorrunden-Gruppen E und F (Algerien, Island, Marokko und Portugal)
Spieltermine: 20., 22. und 24. Jänner
Dass Weber zu den Besten der Besten seines Faches zählt, stellt der beim Alpla HC Hard groß gewordene und seit Sommer 2008 in der Deutschen Bundesliga tätige Linkshänder seit nunmehr 13 Saisonen in der stärken Liga der Welt unter Beweis. In seinen zehn Spielperioden beim SC Magdeburg warf sich Weber mit 2108 Treffen an die Spitze der ewigen Torschützenliste des SCM. Zusammen mit den 111 Toren für Balingen (Saison 2008/09) und den Toren für seinen aktuellen Verein, die HSG Nordhorn, nimmt Weber mit 2322 Treffern Position sechs in der ewigen DKH-Torschützenliste ein. In zwölf Saisonen gehörte Weber acht Mal zu den Top-3-Werfern der Liga und krönte sich 2015 zum Torschützenkönig.

Herburger als Fels in der Brandung
Tatkräftige Unterstützung erhofft sich Vorarlbergs erfolgreichster Handballer der Gegenwart besonders von seinen drei ehemaligen Vereinskollegen beim Alpla HC Hard. Bereits zum vierten Mal in Folge bei einer Endrunde eines Großevents dabei ist Lukas Herburger. Der 26-jährige Modellathlet, 1,97 m groß und 100 kg schwer, ist seit Sommer 2018 beim Schweizer Vorzeigeverein Schaffhausen unter Vertrag, und nimmt besonders in der Defensive eine zentrale Rolle ein. Herburger ist mit seiner unerschütterlichen Art als Abwehrchef längst zum Fels in der Brandung geworden und ist ein absolutes Vorbild im puncto Einsatz und Kämpferherz. Wenn der symphatische Hüne auf dem Parkett steht, stellt er sich ohne Wenn und Aber in den Dienst der Mannschaft und schont weder sich noch Gegenspieler.

Zivkovic in Poleposition gerückt
Eine zentrale Rolle im Angriff wartet auch auf Boris Zivkovic. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Janko Bozovic ist der 28 Jahre alte Linkshänder in die vorderste Position im rechten Rückraum gerückt und soll mit seiner Wurfkraft für Tore sorgen. Dass er dazu imstande ist, hat er in den letzten Jahren im Verein unter Beweis gestellt. Nach der WM 2019 und der EURO 2020 als Backup muss Österreichs etatmäßige Nummer auf der rechten Angriffsposition bei seiner dritten Endrunde in Folge die Reifeprüfung auf höchster Ebene abliefern und seinen Beitrag dazu leisten, damit das gesteckte Ziel erreicht werden kann.

Führungsqualitäten von Schmid gefragt
Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Dominik Schmid. Der 31-jährige Routinier, bei der EM 2014 und WM 2019 dabei, zog sich Anfang Jänner einen Bänderriss am linken Sprungelenk zu. Laut eigenen Aussagen ist der Heilungsverlauf aber so weit fortgeschritten, dass der universell auf allen Rückraumpositionen einsetzbare Schmid vielleicht noch nicht in den ersten WM-Partien, aber spätestens ab der zweiten Turnierphase punktuell zu Teileinsätzen kommen soll. Dass der Hard-Kapitän die Fähigkeiten hat, eine Mannschaft als Denker und Lenker auf der Mitteposition zu führen und gleichzeitig als Vollstrecker zu agieren, hat er im Nationalteam und im Europacup schon mehrfach bewiesen. Nach dem bitteren verletzungsbedingten Aus bei der WM 2019 will „Schewa“ nun diesen negativen Bann ablegen und bei einer Endrunde mit sportlichen Argumenten für Schlagzeilen sorgen.