Gerhard Grafoner beendet Präsidentschaft bei Karate Austria

Fehlende Bereitschaft zur Entwicklung als Ursache für Rückzug.
HArd Am 13. September 2019 wurde Gerhard Grafoner, ehemaliger Nationalteamkämpfer und hauptberuflicher Geschäftsführer und Sportdirektor von Karate Vorarlberg, einstimmig zum Präsidenten von Karate Austria gewählt. Nachdem der Salzburger Christian Reiter aus beruflichen und persönlichen Gründen das Amt niedergelegt hatte, rückte der Harder als Vizepräsident an die oberste Position im ÖKB und wollte den Bundesfachverband weiterentwickeln.
„Ich wollte etwas bewegen, bin aber mit meinen Visionen auf Widerstand gestoßen.“
Gerhard Grafoner, Karate-Austria-Präsident
Während auf sportlicher Ebene alles nach Plan läuft und man der Premiere auf olympischer Ebene in Tokio 2021 entgegenfiebert, kam es in den letzten Monaten zu schwerwiegenden Zerwürfnissen innerhalb des Bundesvorstandes. Der Rücktritt von fünf der acht Vorstandsmitglieder sorgte dafür, dass am 27. November in Graz eine außerordentliche Generalversammlung notwendig ist, da der Vorstand laut Statuten handlungsunfähig ist. Nach dieser Bekanntgabe haben die drei übrig gebliebenen Vorstandsmitglieder erklärt, zukünftig nicht mehr für eine Funktion im Präsidium zur Verfügung zu stehen.
Keine Rückendeckung mehr bei Vertrauensfrage
Bei der seit 2016 dritten außerordentlichen ÖKB-Vollversammlung wird auch Grafoner nicht mehr kandidieren, wie der 52-Jährige auf Anfrage bestätigt: „Eine offene Kommunikation und ein respektvoller Umgang miteinander, bei dem stets das Gemeinsame im Vordergrund stehen muss, hatten von Beginn an oberste Priorität. Allerdings musste ich in den letzten Wochen feststellen, dass die Bereitschaft zur Weiterentwicklung schlichtweg nicht mehr gegeben ist.“

Hauptverantwortlich für den Kurswechsel von Grafoner war die fehlende Rückendeckung im Bestreben, die Person von Ewald Roth als Generalsekretär in Frage zu stellen. „Ewald macht ohne Zweifel einen Topjob im Spitzensport. Parallel dazu wurden bei Gesprächen mit handelnden Personen in den Landesverbänden aber Unstimmigkeiten in der administrativen und organisatorischen Zusammenarbeit mit Roth genannt. Ich habe dann die Sache thematisiert und die Vertrauensfrage gestellt. Doch bei einer internen Abstimmung war dann alles anders und das hat die aktuellen Turbulenzen ausgelöst.“
Thematik nicht objektiv beurteilt
Im Hintergrund bildete sich eine Gegenpartie, der neben Roth auch Georg Rußbacher, Bundespräsident bis 2016, angehört. „Wenn die großen Landesverbände wie Salzburg, Ober- und Niederösterreich sowie Steiermark ihre Stimmen bei der Generalversammlung zusammenschließen, sind die anderen Verbände machtlos. Unter diesen Voraussetzungen ist aus meiner Sicht kein freies Spiel der Kräfte mehr möglich. Da kommen dann leider oft persönliche Befindlichkeiten zum Tragen und die Thematik wird nicht aus objektiven Gesichtspunkten behandelt und beurteilt“, erklärt Grafoner.
Landesmeisterschaft und Championscup abgesagt
Zukünftig will sich Grafoner wieder mit aller Kraft den Aufgaben bei Karate Vorarlberg widmen. „Trotz der Covid-19-Auswirkungen habe ich das Gefühl, dass wir im Landesverband sowohl im strategischen als auch im operativen Bereich noch enger zusammengerückt sind als zuvor. Wir mussten zwar die am 14. November geplante Landesmeisterschaft sowie den Championscup im Jänner absagen. Doch wir werden nicht ruhen, um vorbereitet zu sein, wenn wieder Wettkämpfe möglich sind. Im Moment sind Improvisation und Flexibilität gefordert. Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg – auch wenn dafür ein Umweg notwendig ist.“