Matthias Brändle: Kampf an vielen Fronten

Teil 6: Mein Giro d’Italia 2020
Momentan ist es nicht leicht, denn in den Tagen des Giro wird in Italien wirklich an vielen Fronten gekämpft. Das große Ziel des Veranstalter RCS ist es, die Rundfahrt möglichst bis in den Zielort Mailand zu bringen.
Zum einen ist da natürlich der Schnee, der schon auf den hohen Bergen liegt, und zum anderen beschäftigen uns Covid-19 und die vielen täglichen Neuinfektionen in Italien. Sportlich heißt es für uns Fahrer, täglich im Kampf gegen Kälte, Wind und die vielen Berge zu bestehen. Und dann wartet da noch jeden zweiten Tag das Wattestäbchen, das für den PCR-Test tief in die Nase aller Beteiligten gesteckt werden will. Apropos Testung: Die letzte Testreihe soll laut dem Veranstalter für alle negativ verlaufen sein.
Wenn die Beine mitspielen
Lasst mich kurz zurückblicken auf Donnerstag. Die Etappe war echt grenzwertig. Nur sieben Grad, dazu ein rauer Wind und jede Menge Regen haben uns das Leben ziemlich schwer gemacht. Da habe ich mir dann schon das eine oder andere Mal gedacht: „Warum bitte hast dir keinen vernünftigen Beruf ausgesucht?“
Der Kopf aber vergisst zum Glück ziemlich schnell, nur die tauben Finger in der letzten Abfahrt und die Überlegungen, wie ich denn jetzt ohne Gefühl in den Fingern bremsen soll, sind mir in Erinnerung geblieben. Und natürlich der Sturz, als mich unser Sportlicher Leiter versehentlich mit der Stoßstange touchiert hat und ich im Straßengraben gelandet bin.
Heute heißt es zur Abwechslung wieder „Kette rechts“. 34 km gegen die Uhr warten, ein ziemlich schwerer Parcours mit einer einen Kilometer langen 15-Prozent-Rampe zu Beginn des Rennens. Eventuell spielen die Beine mit, versuchen werde ich es allemal. Ich habe mir vorgenommen, mich von Zwischenzeit zu Zwischenzeit schön langsam Richtung Ziel nach vorne zu arbeiten. Eines noch: Riesenrespekt vor Patrick Konrad, der immer weiter nach vorne fährt. Er bestreitet einen echt bärenstarken Giro. Wäre schön, wenn er nach dem Wochenende auf Podiumskurs wäre.
Zur Person: Matthias Brändle (30) ist Radprofi, ehemaliger Stundenweltrekordler, er fährt für das israelische Radteam Israel Cycling Academy.