Matthias Brändle: Persönliche Gedanken

Teil 5: Mein Giro d’Italia 2020
Viel ist passiert in den letzten 48 Stunden, viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Am Montag, endlich frei, nicht Rad fahren, ausschlafen. Das war mein Plan, doch es kam anders. Um 7:30 Uhr klopfte es an der Tür, Dopingkontrolle – vorbei mit Ausschlafen. Weiter ging es mit den obligatorischen PCR-Tests für alle Teammitglieder. So ist es eben, das Leben in der Bubble. Sieben bzw. drei Tage vor dem Giro sind alle Teammitglieder und Betreuer einem Covid-19-Test unterzogen worden. Jetzt wieder am Ruhetag. Zudem haben wir unseren eigenen Koch dabei. Das Tragen der Maske abseits der Rennkilometer ist obligatorisch, zudem versucht jeder, so viel Abstand wie möglich zu anderen Personen zu halten. Quasi kein Kontakt zur Außenwelt.
So war ich einigermaßen geschockt, als am Dienstag die Meldung von positiv getesteten Personen aus verschiedenen Teams die Runde machte, zwei Fahrer und sechs Betreuer. Das Virus hat sich also eingeschlichen. Zwei Teams haben daraufhin ihre Zelte abgebrochen, für den Rest ging es weiter. Denn die Interessen bei so einem Großevent sind vielfältig. Die Organisatoren tun alles dafür, ihren Event zu Ende zu bringen. Dann sind da einige Fahrer, die für die kommende Saison noch ohne Vertrag dastehen. Sie hoffen natürlich, in den restlichen Etappen mit guten Leistungen aufzeigen zu können. Und für die Radteams geht es darum, so viele Werbeminuten wie möglich zu generieren.
Nur ein kleines Rädchen
Und ich? Fühle mich ein wenig als Objekt. Aber absteigen? Wie würde es das Team aufnehmen? Wäre es ihnen egal? Wohl eher nicht. Solche und ähnliche Gedanken plagen mich, ehe es zum Start geht. Ehrlich, ich bin gespannt, wie es weitergeht. Aus Sorge? Nein! Aber was ist mit meinem Teamkollegen, dessen hochschwangere Frau in den nächsten Wochen das Baby erwartet. Es ist doch definitiv zu riskant, gleich nach dem Giro dann zu ihr zu gehen.
Das Coronavirus macht mit jedem was, definitiv – auch mit uns Sportlern. Ehrlich, ich hätte nichts dagegen, wenn unter diesen Bedingungen der Giro gestoppt werden würde. Aber als kleiner Teil im Radzirkus habe ich nicht viel zu sagen. Zudem bin ich in der glücklichen Situation, schon einen Vertrag für 2021 in der Tasche zu haben.