Deshalb stört die herbe Kritik die pure Vorfreude auf den Weltcup Zürs

Sport / 14.10.2020 • 23:00 Uhr
Deshalb stört die herbe Kritik die pure Vorfreude auf den Weltcup Zürs
Vorarbeiten und offenbar allzu früh in Stellung gebrachte Schneekanonen für den Skiweltcup in Zürs am Arlberg sorgten für eine öffentliche Schelte der Organisatoren durch die Naturschutzanwaltschaft. PAULITSCH

Naturschutz erhebt schwere Vorwürfe gegen Weltcup-Organisatoren. Arbeiten für Strecke in Zürs in der Endphase.

Zürs, Dornbirn Die einen feiern das Weltcupevent am Arlberg als willkommenes Ereignis, die anderen üben sich in herber Kritik. „Dieses Rennen wurde nur mit massiven Eingriffen in die Landschaft möglich: Für die Pisten wurden fast 17.000 Kubikmeter Gelände umgegraben, an der Strecke wurden 20 Flutlichtmasten aufgestellt, davon zwölf als fixe Masten mit einer Höhe von 22 Metern“, kritisiert Katharina Lins als Naturschutzanwältin. Darüber hinaus, so Lins, sei für ein Ganzjahres-Schneedepot ein riesiger Haufen Kunstschnee in der Größenordnung von 35.000 Kubikmetern angelegt worden. „Damit wurden insgesamt 4500 Kubikmeter Vegetation zerstört.“

„Dieses Weltcuprennen wird nur mit massiven Eingriffen in die Landschaft möglich.“

Katharina Lins, Naturschutzanwältin


Mit Bescheid vom 28. August dieses Jahres wurde das Projekt bewilligt, weil in der Abwägung andere Interessen höher bewertet wurden als der Natur- und Landschaftsschutz.

Bauarbeiten ohne Bewilligung

Auch diesbezüglich liege manches im Argen, sagt Lins. „Das Snowfarming-Depot wurde schon im Winter 2020 ohne Bewilligung angelegt. Und bereits Ende August haben die Bauarbeiten für die Geländeveränderungen ohne Bewilligung begonnen. Eine Zufahrt zur Liftstation wurde ohne Bewilligung gebaut und nachträglich offenbar als ‚Viehtriebweg‘ beantragt“, lässt die Naturschutzanwältin an den Vorgängen in Zürs kein gutes Haar. Sie erinnert in ihrer Kritik auch an Richtlinien: „Nach dem Bescheid sind Beschneiungen ab dem 1. November jeden Jahres erlaubt – in Zürs läuft die Beschneiung offenbar schon.“ Der Dimension der Veranstaltung ist sich Lins bewusst: „So ein einzelnes Skirennen ist sicher ein wichtiges Ereignis für Sportinteressierte und hat auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Das verstehen wir durchaus. Uns fehlt aber jedes Verständnis dafür, dass die Organisatoren offenbar meinen, über dem Gesetz zu stehen. Da wird sich zu Recht mancher normale Bürger empören, von dem die genaue Umsetzung aller Vorschreibungen erwartet wird.“ Seitens des OK-Teams ist man bemüht, den Ball flach zu halten. Zumal Geländekorrekturen für zwei beinahe identische Läufe, Beschneiungs- und Flutlichtanlage nicht allein eine Investition in den Weltcup sind, sondern vor allem dem Skinachwuchs zugute kommen werden. Nach der Piste am Hochjoch verfügt der Skiverband VSV damit über eine zweite permanente Trainingsstrecke. Und der Hang ist nach dem Weltcupwochenende 13./14. November laut OK-Präsident Patrick Ortlieb bereits für vier Wochen von Verbänden gebucht. Selbst durch das Fehlen von Zuschauern lässt sich der 53-Jährige seinen Grundoptimismus nicht nehmen. „Als neuer Veranstalter im Weltcupzirkus haben wir die Möglichkeit, uns in dieser schwierigen Zeit voll und ganz auf das Sportliche zu konzentrieren.“

Vorbildwirkung sieht anders aus

Auch die Montafoner Abgeordnete Nadine Kasper (Grüne) spart nicht mit Kritik an den Vorgängen in Zürs. Das freudige Ereignis, nach 26 Jahren wieder ein alpines Skiweltcuprennen in Vorarlberg zu veranstalten, werde von negativen Schlagzeilen überschattet: „Zu den schweren Eingriffen in die Landschaft und den Ausgaben von 1,3 Mio Euro an Steuergeldern zu Coronazeiten gesellt sich nun auch der Vorwurf fehlender Bewilligungen.“

Vorbereitungen planmäßig

Laut Philipp Zangerl, dem Vorstandsvorsitzenden der Ski-Zürs AG, werden dieser Tage die kalten Temperaturen dazu benutzt, die neue Beschneiungsanlage einer Testphase zu unterziehen. Die Daten der Wasser- und Stromversorgung müssen ausgewertet und auf Bestwert eingestellt werden. 22 Schneekanonen sollen dann ab Anfang November dafür sorgen, dass die FIS-Schneekontrolle am 4. November und die Rennen selbst problemfrei laufen. Die Montage der zwölf permanenten Flutlichtmasten soll laut Zangerl bis Ende nächster Woche abgeschlossen sein.


All dies habe man im Griff, der weit größere Aufwand sei das Covid-19-Sicherheitskonzept, wobei auf jenes des ÖSV zurückgegriffen wird, und das wird von Zangerl und Ortlieb unisono gelobt. Letzterer wird beim Weltcup-Auftakt in Sölden persönlich vor Ort sein, um das Leben in einem Bubble hautnah mitzuerleben. Für Zürs gilt: Die Hotels sperren extra für die Athletinnen und Athleten sowie deren Teams auf. Auch die rund 150 Helfer beim Weltcup Zürs leben in der Blase, werden in zwei Teams aufgeteilt, um kein Risiko einzugehen. VN-TW-cha