Austria-Trainer Alexander Kiene: “Wenn ich was mache, brenne ich dafür”

Vor dem Saisonstart gewährt der neue Austria-Trainer Einblicke in seine Gedankenwelt.
Lustenau Das Pflichtspieldebüt von Alexander Kiene als neuer Trainer von Austria Lustenau ging mit 1:2 im ÖFB-Cup gegen SV Stripfing in die Hose. Dennoch strahlt der ausgebildete Sport- und Englischlehrer einer Gesamtschule in Hannover enorme Zuversicht aus, was die Zukunft der Austria betrifft.
Herr Kiene, Sie sind seit 38 Tagen in Österreich. Schon eingelebt?
Im Großen und Ganzen ja. Wenn man damit Zwölf-Stunden-Arbeitstage für Austria Lustenau gelten lassen darf. Die letzten Wochen habe ich mich nur damit befasst, beim Klub und bei der Mannschaft anzukommen. Und ich fühle mich wohl dabei.
Hatten Sie in Ihrem Leben Bezugspunkte zu Österreich bzw. Vorarlberg?
Nein, überhaupt keine. Aber genau das hat für mich den Reiz ausgemacht, hier bei der Austria zu unterschreiben. Es ist alles neu für mich. Die Umgebung, der Klub, die Leute, ein anderes Land. Und dennoch sehe ich den Schritt hierher als den richtigen. Der Verein hat sich sehr bemüht um mich. Ich habe schnell gespürt, dass man auf mich und meine Arbeit setzt. Und die ersten Wochen mit den Vereinsverantwortlichen und der Mannschaft haben mich auch bestätigt. Es ist ein gutes Arbeiten hier in Lustenau.
Die Mannschaft befindet sich im Umbruch. Wie weit haben sich Trainer und Spieler schon aufeinander einstellen können?
Die ersten Schritte, uns näherzukommen, haben wir gesetzt. Man darf nicht vergessen, dass nicht nur ich neu hier bin, sondern auch einige Spieler. Aber ich sah zuletzt gute Ansätze in unserem Spiel. Dass es, was die Spielweise betrifft, Rückschläge geben wird, ist klar, aber wir werden daran arbeiten.
Zur Person
Alexander Kiene
Der Fußballlehrer aus Deutschland hat bei der Lustenauer Austria einen Vertrag bis 2022 unterschrieben.
Geboren 30. Dezember 1977
Geburtsort Stadtoldendorf (Ger/Niedersachsen
Ausbildung Studium Sport und Englisch auf Lehramt (Gesamtschule)
Laufbahn DFB-Stützpunkt (2004-2007), Preussen Hameln (2007-2009), OSV Hannover (2010/11), BSV Rehden (2014/15), TSV Havelse (2015-2017), VfB Oldenburg (2019/20)
Familie verheiratet, zwei Kinder
Wie schwer ist es damit umzugehen, dass Sie nicht in die Kaderplanung involviert waren?
Das war mir von Anfang an bewusst und damit hat es sich auch. Nicht falsch verstehen: klar hätte ich gerne mehr Einfluss gehabt, aber die Umstände haben es eben nicht zugelassen. Aber ich kann mich dafür in naher Zukunft an anderen Projekten innerhalb der Mannschaft und des Klubs einbringen. Ich will auch mit an den Strukturen arbeiten und meine Ideen einbringen. So geschehen bereits beim Ausbau unserer medizinischen Abteilung.
Wie ticken Sie als Trainer und als Privatperson?
Ich bin auf beiden Ebenen sicher sehr ehrgeizig, zielstrebig und habe klare Vorstellung, sei es, als ich mein Studium abschloss oder als Trainer meine Laufbahn gestartet habe. Ich bin, was die Kabine und den Platz betrifft, emotional, will meine Energie auf die Truppe fließen lassen. Privat hingegen kann ich auch ruhig sein. Aber Fakt: Wenn ich was mache, brenne ich dafür.
Wofür soll eine Kiene-Mannschaft am Platz stehen?
Ich will Mut sehen. Ich will, dass sich mein Team, unabhängig vom Gegner, am Platz nicht versteckt, seine Stärken zeigen will und mutig nach vorne verteidigt. Und bei Ballgewinn soll so schnell wie möglich in die Tiefe gespielt werden und der direkte Weg aufs Tor gesucht werden. Aber alles mit dem Hintergedanken, nicht vergessen, selbst auch Fußball zu spielen. Lange Bälle sehe ich nicht gerne. Nur wenn es unbedingt nötig ist, dann stehe ich auch dahinter.
Geht das mit Ihrer Mannschaft?
Ich denke schon. Wir haben durch den Zugang von Matthias Maak schon viel Ruhe im Spielaufbau von hinten bekommen. Das macht sich auch bei den Abläufen im Training bemerkbar. Auch bei den anderen Themen sind die Spieler dran, es zu verinnerlichen. Natürlich fehlt es da noch an Konstanz, aber ich bin davon überzeugt, dass wir es können. In unseren Testspielen gab es immer Phasen, in denen es richtig gut geklappt hat. Und dann hatte auch ein Gegner wie Werder Bremen Probleme mit unserem Auftreten.
Kader SC Austria Lustenau 2020/21
Spieler Nummer/Vertrag bis
Tor
Domenik Schierl (Aut) 27/2021
Florian Eres (Aut) 98/2022
Abwehr
Dominik Stumberger (Aut) 5/2021
Sebastian Feyrer (Aut) 24/2021
Till Cissokho (Fra/Ger) 3/2021 (Leihe)
Matthias Maak (Aut) 31/2021
Tobias Berger (Ger) 4/2021
Fabian Gmeiner (Aut) 7/2022
Michael Lageder (Aut) 29/2021
Mitelfeld
Mirco Basi (Ger) 21
Hüdaverdi Mutlu (Aut) 25
Brandon Baiye (Bel) 6/2021 (Leihe)
Pius Grabher (Aut) 23
Daniel Tiefenbach (Hun) 33/2022
Christoph Freitag (Aut) 16/2021
Alexander Ranacher (Aut) 14/2021
Nicolai Bösch (Aut) 22/2021
Angriff
Wallace (Bra) 20/2021
Blankson Anoff (Gha) 11/2021 (Leihe)
Daniel Steinwender (Aut) 10/2021
Trainer: Aleander Kiene (Neu)
Co-Trainer: Tamas Tiefenbach
Tormann-Trainer: Mathias Nesler
Zugänge: Brandon Baiye (Bel/Clermont/Leihe), Till Cissokho (Fra/Ger/Clermont/Leihe), Blankson Anof (Gha/Clermont/Leihe), Matthias Maak SCR Altach), Fabian Gmeiner (SF Lotte)
Abgänge: Ronivaldo (Wacker Innsbruck), Darijo Grujcic (Wacker Innsbruck), Patrik Eler (SV Horn), Lukas Katnik (FC Dornbirn), Marcel Stumberger (?), Christian Schilling (SV Zirl), Thomas Mayer (?), Dragan Marceta (?)
Was sind die Ziele? Kann man nach 38 Tagen überhaupt schon Ziele ausrufen?
Eigentlich ist es zu früh. Aber mein und unser Anspruch muss es sein, in der Tabelle und auch in den Ergebnissen in dieser Saison besser dazustehen als letzte Saison. Wenn wir das wollen, müssen wir unsere Heimbilanz deutlich verbessern. Und die Gegentorquote muss ganz anders aussehen. 58 Gegentreffer sind klar zu viel. Und somit haben wir schon ein paar Ziele.
Wo sehen Sie Stärken und Schwächen bei der Austria?
Die gesunde Mischung zwischen Routiniers und jungen Talenten kann ein großer Pluspunkt für uns werden. Das sehe ich als Stärke von uns. Zu Schwächen: Ich wünsche mir, dass einige Spieler, die in der Hierarchie im Team weiter oben stehen, auch mehr Verantwortung am Feld übernehmen. Da kommt mir noch zu wenig.
Blickt man auf den Kader, fehlen eindeutig offensive, durchschlagskräftige Angreifer. Gibt es ein Rezept, damit zu Saisonstart umzugehen?
Schnell erklärt: Wir müssen zwei Stürmer holen. Daran führt kein Weg vorbei. Ich bin aber guter Dinge, dass dies bald geschehen wird. Rezept? Jeder am Feld muss versuchen, einfach torhungriger zu werden, unbedingt den Treffer machen zu wollen. Da sehe ich derzeit noch Aufholbedarf.
Macht Ihnen das Cup-Aus und der Mangel an Offensivspielern keine Angst bezüglich Saisonstart?
Gar nicht. Ich bin davon überzeugt, wie wir arbeiten. Es wird vielleicht etwas dauern, aber im Prozess an sich machen alle die richtigen Schritte nach vorne.
Welche persönlichen Ziele haben Sie?
Ich will in die Bundesliga.
Österreichische oder deutsche?
Egal. Ich bin ein Typ, der versucht, an das Maximum zu kommen. Dafür unternehme ich alles. Ob es dann klappt oder nicht, hängt oftmals von vielen kleinen Dingen ab. Nur soviel: Als ich bei Werder Bremen unter Florian Kohfeldt hospitiert habe und ganz nah an Kickern wie Max Kruse, der Bundesliga-Legende Claudio Pizarro oder Nuri Sahin dran war, wurde mir bewusst, dass ich Ähnliches auch will.