„Die Blöße, dass wir keinen Schnee haben, geben wir uns nicht“

Für Patrick Ortlieb ist der Ski-Weltcup in Zürs auf Schiene.
Zürs, Lech In drei Monaten ist Zürs der Nabel der Skisportwelt. Da gastiert der alpine Weltcup erstmals seit 25 Jahren – dem Herren-Slalomdoppel in Lech – mit je einem Parallel-Riesentorlauf für Damen und Herren auf der Vorarlberger Seite der Arlbergregion.
Für die beiden Bewerbe sind in der Flexenarena und auf der Rennstrecke Adaptierungen notwendig, die naturschutz-, wasser- und forstrechtlicher Bewilligungen bedürfen. Am Dienstag gibt es dazu eine mündliche Bauverhandlung der Bezirkshauptmannschaft Bludenz mit der Ski-Zürs AG und dem Veranstalter. „Das ist ein behördliches Verfahren, die Pläne sind längst eingereicht, es ist alles auf Schiene“, erklärt Patrick Ortlieb, Präsident des Weltcup-Organisationskomittees.
Zuschauerfrage bleibt
Größte Herausforderung bleiben jene Maßnahmen, die mit Bestimmungen zu Covid19 entstanden sind. „Wir wissen nicht, ob mit oder ohne Zuschauer gefahren werden kann. Diese Verordnungen ändern sich derzeit ja stündlich. Jeder meint es natürlich gut, aber uns fehlt die Handlungssicherheit.“ Vor allem bei den Finanzplanungen tue sich das OK schwer, sagt Ortlieb: „Budgetär ist es etwas anderes, ob du mit oder ohne Zuschauer fährst. Ohne Publikum fehlen Einnahmen, allerdings fallen auch die Kosten für Tribünen oder das Catering weg. Und der Skisport ist ja ein ausgeprägtes Fernsehformat. Jammern war nie meines, wir werden das bis zum ersten Rennen hinbekommen.“
Die Koordination im Bereich der Logistik hat Thomas Kofler, Manager der Radequipe Vorarlberg Santic, übernommen. Der ehemalige Skirennläufer organisiert das Umfeld, auch mit Funktionären, Helfern, Streckenarbeitern. „Es gibt in den Vorarlberger Skivereinen einen Pool an geschultem Personal, auf das wir zurückgreifen können und das bei den Bewerben mithilft.“
Nach dem Vorbild der Formel 1 wird in Zürs in sogenannten Blasen gearbeitet, in denen Athleten, Serviceleute, Funktionäre, Streckenhelfer, aber auch die Hotelangestellten getrennt voneinander leben. „Alle werden im Vorfeld auf das Coronavirus getestet“, so Ortlieb. „Am Tag nach dem Weltcupauftakt in Sölden wissen wir über die Quarantäneregeln, aber auch über viele andere Dinge besser Bescheid.”
Ein natürlicher Kühlschrank
Die Schneesicherheit ist in Zürs auf jeden Fall gesichert. „Die Blöße, dass wir keinen Schnee haben, geben wir uns nicht“, verweist Ortlieb auf den großen Bestand bei der ehemaligen Mittelstation im Bereich des Hexenbodens. „Es sind keine zehn Prozent, die uns bisher weggeschmolzen sind. Wir haben das Depot mit Hackschnitzel abgedeckt, einen natürlichen Kühlschrank geschaffen.“ Durch das frühe Saisonende konnte viel vom Weiß konserviert werden. „Wir benötigen eine kalte Nacht für die Beschneiung, dann haben wir für die Streckenpräparierung 180 Prozent an Schnee im Depot.“