Schiedsrichter-Obmann: Es fehlen Hausverstand und Unparteiische

Vorarlbergs VSK-Chef Nikolaus Baumann wendet sich mit einem dringenden Appell an die Vereine, Spieler und Fans. Und zudem beklagt er zu wenig Unparteiische. Der Schiedsrichter-Schwund hat drastische Ausmaße angenommen.
Schwarzach Nikolaus Baumann (60) sieht dem Start der Fußball-Amateurligen in Vorarlberg mit gemischten Gefühlen entgegen. Für den Obmann des Vorarlberger Schiedsrichterkollegiums (VSK) ist klar, dass alle Beteiligten, darunter die Vereine, Funktionäre, Spieler und Fans, die Gesundheitsempfehlungen einhalten sollten, um Neuinfektionen zu verhindern.
„Für alle ist der Neustart eine besondere Situation, auch für uns Schiedsrichter. Was den Start in diesem Jahr etwas erschwert, ist die niedrige Anzahl an Spielleitern. Pro Jahr verlassen uns einige aus beruflichen oder familiären Gründen. Dafür kommen zwischen zehn und 20 Spielleiter über den Neulings-Kurs hinzu“, erklärt Baumann und fügt hinzu: „Bis dato konnten wir keinen Kurs durchführen. Aus diesem Grund ist die Anzahl so niedrig wie zuletzt vor elf Jahren.“ Der nächste Neulings-Kurs wird laut Information erst wieder im Februar oder im März des kommenden Jahres stattfinden.
„Niemand wünscht sich, dass die Meisterschaft wie letztes Jahr abgebrochen wird.“
Nikolaus Baumann, Schiedsrichter-Obmann Vorarlberg

Nikolaus Baumann
Vorsichtsmaßnahmen befolgen
Nach den ersten Testspielen wurde Baumann von mehreren Schiedsrichtern auf die teils fehlerhafte Umsetzung der Vorsichtsmaßnahmen aufmerksam gemacht. „Einerseits werden die Maßnahmen eingehalten, andererseits weniger. Es gibt seitens der Regierung empfohlene Vorsichtsmaßnahmen, die keine Regeln sind. Mir ist aber trotzdem wichtig, dass alle Beteiligten ihren Hausverstand einsetzen und die einfachsten Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um das Risiko für Neuinfektionen so gering wie möglich zu halten. Wenn es einen neuen Corona-Fall geben sollte, ist nicht klar, was passiert. Niemand wünscht sich, dass die Meisterschaft wie letztes Jahr abgebrochen wird.“
Fußball
Vorarlberger Schiedsrichterkollegium
Schiedsrichterliste VSK, Einteilung (Stand 6.7.2020 laut VSK-Homepage)
VN.at-Eliteliga
Daniel Bodé, Cindy Müller, Herwig Seidler, Wolfgang Brunner, Michael Baumann, Johannes König, Elvedin Crnkic, Berndt Böckle, Felix Ouschan, Markus Gutschi, Zeljko Kojadinovic, Biljana Iskin, Stefan Baumann, Pascal Schedler, Alexander Muxel, Zlatko Jurcevic, Özgür Akbulut, Christian Schadl, German Böckle, Anel Beganovic, Martin Dichtl, Drago Jankovic, Santino Schreiner, Jakob Rigger
Vorarlbergliga
Andreas Brunner, Matthias Winsauer, Benjamin Karagic, Amina Raschid, Tobias Bilgeri, Tugrul Saskin, Anto Krizic
1. Landesliga
Murat Kurtoglu, Peter Gruber, Nusret Mutlu, Hasan Music, Stefan Macanovic
Landesklasse
Peter Heiss, Daniel Salzger, Matthias Gächter, Bojan Curic, Goran Gojic, Manuel Jauk
2. Landesklasse
Husein Coralic, Voislav Zubcic, Goran Lepir, Bogoljub Macanovic, Milorad Cindric, Reinhard Holzknecht, Baris Kaya, Christoph Schneider, Jan Medwed, Christopher Stuefer
3. Landesklasse
Zdravko Lucic, Manfred Tschann, Halil Smlatic, Ismail Ilhan, Yurdal Demirel, Dragan Jovanovic, Sigbert Halder, Ivan Borodenko, Ognjen Petrovic, Dejan Stojnic, Philipp Gangl, Christian Schmid, Kai-Marvin Steiner, Fabian Haslwanter
4./5. Landesklasse
Haris Alibabic, Hamit Tezcan, Giovanni Romano, Miroslav Balac, Fabienne Hofer, Kevin Krizic, Daniel Bartolini, Josef Stuckenberg, Nikola Gasevic, Muhammed Mavili, Amel Demiri
Auf Gewohnheiten verzichten
Aus den gleichen Trinkflaschen trinken, beim Torjubel Mitspielern um den Hals fallen, Händeschütteln, gemeinsames Einlaufen. Das sind Situationen, auf die laut dem SR-Obmann verzichtet werden können. Das kleinste Problem sei es, für jeden Spieler eine eignene Trinkflasche zu organisieren.
Die Schiedsrichter werden den Spielern mitteilen, einen ausgelassenen Jubel mit den Mitspielern zu unterlassen. Sollte es im Spiel zu übertriebenen Jubelszenen kommen, kann der Schiedsrichter laut ÖFB-Reglement nach einem Hinweis nur bei einer Unsportlichkeit eine Verwarnung aussprechen. Das Krankheitsrisiko besteht immer – das zeige sich am Beispiel der Bundesliga. Trotz mehrmaliger Tests und Untersuchungen zum Gesundheitszustand gab es Neuerkrankungen bei Profimannschaften. „Der Unterschied zum Amateurbereich ist der, dass es finanziell nicht möglich ist, alle Vereine und Schiedsrichter dauerhaft zu testen“, sagt Baumann. Deshalb sei die Gefahr für Ansteckungen im Amateursport laut ihm größer. ALF