VN-Fußball-Experte Dieter Alge über die Austria Lustenau: Spieler haben Kopf nicht frei
Als Trainerkollege hätte ich Roman Mählich zu seinem Abschied ein besseres Spiel bzw. ein positives Ergebnis gegönnt. Doch die Austria agierte beim 1:2 gegen Horn erneut mit zu wenig Überzeugung. Das Bemühen allein reicht nicht, um Spiele zu gewinnen. Vor allem im letzten Angriffsdrittel fehlte der Austria die Kreativität, um Tore zu erzielen. Optisch sieht das Spiel der Austria gefällig aus, doch von Effektivität sind die Spieler derzeit weit entfernt. Der Kopf ist nicht frei, einzig Goalgetter Ronivaldo zeigt Runde für Runde seine Qualitäten.
Leicht auszurechnen
Mählich schickte seine Elf gegen Horn in einer 4-4-2-Grundordnung aufs Feld. Auch die Niederösterreicher agierten in einem 4-4-2, allerdings mit einer Raute. Interessant zu beobachten, wie sich die beiden Teams im Zentrum neutralisierten und den Spielaufbau oft über die Außenverteidiger suchten. Die Austria spielte mit „Flacher Vier“. Also mit vier Verteidigern, vier Mittelfeldspielern und zwei Angreifern. Pius Grabher und Christoph Freitag besetzten die Doppelsechs. In diesem System liegen in der Offensive die Stärken eindeutig auf den Flügelpositionen. Sowohl die Außenverteidiger, als auch die zwei äußeren Mittelfeldspieler sollten für mächtig Druck auf den Außenbahnen sorgen. So kann ein Außenverteidiger über den Flügel angreifen und der entsprechende Mittelfeldspieler auf seiner Seite sofort defensiv absichern. Von den beiden zentralen Mittelfeldspielern übernimmt einer den offensiven und der andere Spieler den defensiven Part. Dadurch wird die Lücke zu den beiden Stürmern weiter geschlossen. Weiters wird ein defensiver Mittelfeldspieler zur dritten Spitze.
Druck über Außen fehlte
Dieses Wechselspiel auf den Außenbahnen habe ich gegen Horn vermisst. Zu wenig kam von Austrias-Außenverteidigern Michael Lageder und Bojan Avramovic bzw. den Flügelspielern Thomas Mayer und Alexander Ranacher. Lukas Katnik, als zweiter Stürmer nominiert, ging in diesem System völlig unter. Im Spielaufbau fehlte Grabher und Freitag zudem oft der Mut, um den Ball offensiv anzunehmen und das vertikale Zuspiel zu den Stürmern zu suchen. Wesentlich besser machte es der Gegner, der zur Pause nicht unverdient mit 2:0 führte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich am System und am Spiel der Austria nichts Gravierendes. Hier hätte ich mir vom Trainerteam eine Reaktion bzw. mehr Unterstützung für die Spieler erwartet. Die Austria konnte durch ihren besten Mann Ronivaldo zwar noch den Anschlusstreffer erzielen, mehr wurde es nicht mehr.
Mein Fazit: Die Spieler der Austria wirken verunsichert und brauchen schnell eine starke Hand, um die letzten fünf Matches schadlos zu bestehen. Schon in den nächsten Spielen gegen Liefering (A) und Steyr (H) sind die Kicker gefragt. Für den Verein wird es zudem wichtig sein, schnell den richtigen Schritt für die Zukunft zu setzen.
Dieter Alge (54) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.
