Warum bei Austria Lustenau dicke Luft herrscht

Austria-Trainer Roman Mählich in der Kritik.
Lustenau Fünf Spiele (inklusive ÖFB-Cupfinale gegen RB Salzburg), zwei Remis und drei Niederlagen: So schaut die aktuelle Bilanz der Lustenauer Austria in der noch kurzen Ära nach der Coronapause aus. Damit ist man bei den Grün-Weißen keineswegs einverstanden, und plötzlich steht Trainer Roman Mählich in der Kritik.
„Sollte Mählich erklären, den geplanten Weg nicht mitgehen zu wollen, müssen wir uns an einen Tisch setzen und reden.“
Bernd Bösch, Vorstandssprecher Austria Lustenau
Aus dem Umfeld der Austria wurden zuletzt Stimmen laut, der 48-Jährige lege bei den Spielen nicht die notwendige Motivation an den Tag, um seine Mannschaft richtig zu unterstützen. Spricht man Mählich darauf an, sieht dieser die Causa als eigentlich keine an. „Ich kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Vor drei Wochen standen wir im Cupfinale, dass danach die Luft etwas heraußen ist, ist in meinen Augen nur menschlich. Dazu darf man nicht vergessen, dass wir unter besonderen Anforderungen in der Liga agieren. Wir spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und da stellt sich mir die Frage, warum ich permanent an der Linie stehen und reinschreien soll,“ so der Wiener.
Durchwachsene Leistungen
Auch die magere Punkteausbeute und die teils ganz schwachen Leistungen der Mannschaft will Mählich nicht überbewerten, gesteht aber ein, „dass wir uns derzeit in einer schwachen Phase befinden. Die hat aber auch ihre Gründe. Ich will jungen Spielern, die großteils nächste Saison auch beim Klub sind, Chancen geben, sich zu präsentieren. Nur so können sie sich entwickeln und Spielpraxis sammeln. Und es gibt keinen besseren Zeitpunkt dafür. Es geht für uns in der Liga tabellarisch um nichts mehr.“ Dass man aber definitiv besser spielen und gewinnen will, gibt Mählich selbstredend zu, sah dabei zuletzt auch eine Steigerung seiner Mannschaft. „Gegen den FAC waren wir wirklich schlecht. Aber gegen Klagenfurt haben wir ordentlich gespielt, da waren die Kärntner eben einfach besser.“

(Noch) keine Trainerdiskussion
Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch sieht die sportliche Sache ähnlich, verweist aber darauf, „dass die Spiele jetzt schon als Vorbereitung auf die neue Saison dienen sollen. Denn wir wollen nächstes Jahr oben angreifen“. Zu den Vorwürfen an Mählich, der noch über einen Vertrag bis 2021 verfügt, sagt Bösch: „Ich will jetzt sicher keine Trainerdiskussion starten. Roman ist guter Trainer, der mit uns super gestartet ist und es bis ins Endspiel des ÖFB-Cups geschafft hat“. Dennoch kann Bösch nicht verhehlen, dass es noch zu Spannungen zwischen Coach und Verein kommen könnte. Thema Kaderplanung: „Roman hat seine Wünsche bezüglich Verstärkungen, die wir aber aufgrund der finanziellen Umstände, weil es immer noch vage ist, wann wir wieder vor Zuschauern spielen können und wie es mit den Sponsoren aussieht, schwer erfüllen können. Denn eines ist sicher: Wir gehen kein finanzielles Risiko ein.“
Unterstützung aus Frankreich

Da kommt die im Jahr 2019 entstandene Partnerschaft mit dem Schweizer Ahmet Schaefer (Core Sports Capital) ins Spiel. Der Präsident des französischen Zweitligisten Clermont Foot hat erklärt, der Austria, wenn schon nicht wie 2019 angekündigt finanziell, so doch in naher Zukunft im Spielersektor unter die Arme zu greifen. Drei Spieler sollen im Sommer zur Austria stoßen. Diesmal Verstärkungen, nicht so wie bei den Empfehlungen im Sommer 2019. Denn die Afrikaner Kwame Ofori, Pagal Manda und Damien Mwelma entpuppten sich als Transfernieten. „Allesamt richtige Verstärkungen, die uns auch nur kleines Geld kosten würden. Aber fix ist noch nichts“, so Bösch.
Schaefer, der Sportkoordinator Alexander Schneider und auch Ingo Winter, Head of Sports Clermont Foot, strategisch bei der Austria platzierte, wird wohl nicht ohne Hintergedanken Spieler in Lustenau parken. „Diese Kicker sollen sich hier bei der Austria entwickeln und dann wieder nach Frankreich zurückkehren. Wir als Austria hätten sportlich Verstärkungen auf dem Platz und bei einem etwaigen Transfer würden wir auch eine kleine Beteiligung erhalten. So haben alle Seiten etwas davon“, erklärt Bösch das geplante Modell für die Zukunft. Da stellt sich dann wohl die Frage, ob und wie Trainer Roman Mählich mit dem französischen Zutun klarkommt. Bösch dazu : „Wir möchten als Team erfolgreich arbeiten. Aber rein hypothetisch gesagt: Sollte Roman erklären, den geplanten Weg nicht mitgehen zu wollen, müssen wir reden.“