Altachs besonderes Zimmerduo, ausgeschlafen und treffsicher

Sport / 18.06.2020 • 13:00 Uhr
Altachs besonderes Zimmerduo, ausgeschlafen und treffsicher
Jan Zwischenbrugger ist für jeden Trainer ein wichtiger Spieler, kann der nunmehr 30-Jährige doch auf mehreren Positionen eingesetzt werden. GEPA

Der eine ist jetzt 30, der andere zweifacher Papa. Wie Jan Zwischenbrugger und Emanuel Schreiner in neuen Rollen glänzen.

Altach Für eine Feier bleib wegen der englischen Runden zwar ohnehin keine Zeit, seinen 30. Geburtstag hätte Jan Zwischenbrugger am Dienstag aber doch lieber mit einem Sieg gegen die Admira begangen. Zumal auch sein Zimmerkollege Emanuel Schreiner Grund zum Feiern hatte. Zwar hatte der das Spiel nur im TV mitverfolgt, aber noch vor dem Schlusspfiff ging es für den 31-Jährigen mit seiner Frau Lisa ins Krankenhaus, wo wenig später Tochter Ella das Licht der Welt erblickte. Am Samstag im „Rückspiel“ gegen die Admira ist Schreiner wieder dabei – und dann soll es auch mit einem Sieg klappen.
Weil es für das 1:1 nur einen Punkt gab, fand sich der Dreier dieses Mal nur in Jans Altersangabe: „Gefällt mir nicht so gut.“ Da passt es, dass die nächste Gelegenheit, es gegen den Tabellenletzten besser zu machen, rasch gegeben ist: „Wenn wir sie mit unserem schnellen Kombinationsspiel laufen lassen, wird uns das gelingen.“


Abnützungserscheinungen spürt Zwischenbrugger trotz seines Alters und 155 Bundesligapartien (zwei Schlüsselbeinbrüche inklusive) noch nicht: „Ich fühle mich wie ein 22-Jähriger.“ Für ihn persönlich verläuft die sechste Bundesliga-Saison bei Altach wie eine Achterbahn der Gefühle. Von den ersten vier Runden bei drei nicht dabei. In den nächsten elf Matches neun Niederlagen, aber zwei Kantersiege gegen St. Pölten (6:0) und Tirol (4:0). Dann gingen die Altacher in den nächsten zehn Partien, in denen Zwischenbrugger am Platz stand, kein einziges Mal als Verlierer vom Platz. Denn das 0:2 am 7. März (natürlich gegen die Admira) verpasste der Routinier aus Gründen, die ihn ihm ganzen Land zum Gesprächsthema machten.

Saisonrekorde

Wegen Kontakt mit einem Freund, der mit einem Coronainfizierten Kontakt hatte, wurde er als erster Fußballer hierzulande für zwei Wochen in Quarantäne gestellt. Auch wenn die Krankheit bei ihm nicht ausbrach: „Das war eine komische Situation. In Österreich war ich der erste in Quarantäne. Ich habe das allein mit meiner Freundin erlebt, was später das ganze Land mitgemacht hat. Sehr unangenehm.“ Witziges Detail: Jan hatte zuhause gar keinen Fußball rumliegen.

Cashpoint SCR Altach

Jan Zwischenbrugger

Erzielte in 167 Spielen für Altach bislang acht Tore.

Geboren 16. Juni 1990 in Au

Laufbahn FC Bizau, AKA Vorarlberg, SCR Altach, Austria Lustenau, TSV Hartberg, SV Ried, SCR Altach (Vertrag bis 2022)

Bundesliga-Spiele/-Tore: 155/7

Liga-Spiele/-Tore: 96/14

Bundesliga-Spiele/-Tore: 19/3

Europa-League-Spiele/-Tore: 8/0

Emanuel Schreiner

Erzielte in 193 Spielen für Altach bislang zehn Tore.

Geboren 2. Februar 1989 in Steyr

Laufbahn USV St. Ulrich, AKA Linz, LASK, Austria Lustenau, SV Ried, SCR Altach (Vertrag bis 2021)

Bundesliga-Spiele/-Tore: 209/9

Liga-Spiele/-Tore: 46/1

ÖFB-Cup-Spiele/-Tore: 22/0

Europa-League-Spiele/-Tore: 4/0


Geschadet hat ihm die Zwangspause offenbar gar nicht. Sonst in der Innenverteidigung gesetzt, durfte der Mann aus Schnepfau seit Winter fast immer im zentralen Mittelfeld ran. Eine Position, die er seit seinen Saisonen bei Austria Lustenau (2010 – 2013) nur selten einnahm: „Ich fühle mich damit sehr wohl, habe mehr Freiheiten.“ Das zeigt sich auch in seiner Torbilanz. Fünf Treffer sind für den Mann, der nur einmal in seiner ganzen Karriere als Stürmer auflief (2013 unter Helgi Kolvidsson gegen Hartberg), schon jetzt absoluter Saisonrekord. „Hoffentlich kommen noch ein paar dazu.“ Zum Vergleich: In den fünf Saisonen davor waren es zusammengerechnet nur zwei. Die neu gewonnene Treffsicherheit teilt er sich mit seinem Zimmerkollegen Emanuel Schreiner, auch wenn derzeit coronabedingt alle Spieler Einzelzimmer haben. Denn Schreiner hat mit seinen bisher vier Saisontoren auch schon einen persönlichen Rekord aufgestellt. Und der kommt heuer ebenfalls in offensiverer Rolle als sonst zum Einsatz – meist am linken Flügel statt als Außenverteidiger. Und wie lautet das Geheimnis des neuen Zimmer-Erfolgsgespanns (Zwischenbrugger teilte zuvor viele Jahre mit Zech das Zimmer)? Ein 20minütiger Powernap, der die Akkus der beiden Routiniers vor jedem Match auflädt.


Apropos Treffsicherheit: Just zu Zwischenbruggers 30er hatte Schreiner ebenfalls Grund zum Feiern, wurde er doch Papa einer Tochter. Wie Sohn Luca kam auch Ella in Dornbirn zur Welt, weshalb er schmunzelnd erzählte: „Zwei Vorarlberger, dabei sind meine Frau und ich aus Steyr.“ VN-chk-cha