Das Duell um den Präsidentensessel im österreichischen Eishockeyverband

Verbandschef Gernot Mittendorfer bekommt mit Klaus Hartmann einen ernsthaften Gegenkandidaten.
Wien 253 Stimmen sind zu vergeben, wenn es bei der Wahl des Österreichischen Eishockeyverbandes in zwei Wochen in Kärnten um die Neuwahl des Präsidenten geht. Gernot Mittendorfer (56), der amtierende Chef des heimischen Puck-Bündnis, bekommt mit Klaus Hartmann (59) einen Gegenkandidaten – der Kandidat mit der Stimmenmehrheit darf den neuen Vorstand stellen.
Der Vorwurf, reformunwillig zu sein
Die Unzufriedenheit mit den Verband und der handelnden Personen hatte bereits vor einem Jahr mehrere Landesverbände und Personen bewogen, eine Gegenkandidatur in Erwägung zu ziehen. Der Wiener Verbandsobmann Andreas Ösze wurde gewogen, aber als zu leicht empfunden, dann bekam die Bewerbung von Capitals-Juniors-Vizeobmann Markus Praschl einen Korb, ein honoriger Wirtschaftsmagnat sagte zuletzt aus beruflichen Gründen ab. Die Verbände aus Niederösterreich, Wien, Kärnten und Salzburg und Vorarlberg beschlossen nun, den Kärntner Hartmann für das Präsidentenamt zu nominieren.
Die Gründe für die Gegenkandidatur? Die ÖEHV-Geschäftsstelle in Wien wäre zu teuer und zu reformieren, das Präsidium zu erweitern, die Doppelagenda von Roger Bader als Sportdirektor und Nationalteamchef abzuschaffen. Strategische Entscheidungen sollen (zu) langen Amtswegen unterworfen sein. Mit dem Recruiting, also dem Personalwesen, ist man ebenso unzufrieden wie mit dem Marketing. Ein kürzlich stattgefundener Gipfel zwischen den Parteien Mittendorfer und Hartmann hat in diesen Punkten nur marginale Annäherungen gebracht, die Vorschläge wurden samt und sonders abgeschmettert. Mittendorfer soll außerdem einen vor vier Jahren initierten Reformvorschlag, rund 200 Seiten stark und von sämtlichen Eishockeyproponeten des Landes unterstützt, nicht in Prozess gebracht haben.

Mittendorfer sieht in der Gegenkandidatur „kein Problem. Wir sind im Eishockey eine große Familie, wenn es eine Alternative gibt, warum nicht. Wir leben m Wettbewerb der Ideen.“ Der Verband würde mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gut wirtschaften. Darum würde Bader auch in Doppelfunktion agieren. „Wir hatten noch vor fünf Jahren einen Klubtrainer als Teamchef, das hat sich als nicht ideal herausgestellt. Im Vergleich mit anderen Nationen haben wir im Büro ein schlankes Niveau. 80 Prozent des Budgets bringen wir in der Sport.“
In einer Stellungnahme spricht die Hartmann-Initiative über Eckpunkte die in den Mittelpunkt rücken sollten: „Unser Team steht für alle Bereiche der Eishockeyfamilie in Österreich. Einbinden statt ausgrenzen – wir nehmen jede Stimme ernst und das über ganze vier Jahre, deshalb ist auch eine Reform im Bereich Lizenzgebühren Teil unseres Programms. In einem sich derzeit rasant verändernden Umfeld sind wir davon überzeugt, dass wir mit Herz und Leidenschaft sowie harter Arbeit und der Einbindung vieler Experten nicht nur kurz- und mittelfristig, sondern vor allem auch langfristig unser Eishockey in eine erfolgreiche Zukunft führen werden.“
Österreichischer Eishockeyverband
Präsidum aktuell
Mag. Gernot Mittendorfer, Präsident
Dr. Alexander Gruber, Vizepräsident Recht
Dr. Philipp Hofer, Vizepräsident Nachwuchs
Peter Schramm, Vizepräsident Sport/neu: MMag Rainer Partl
Christian Hartl, Geschäftsführer
Kandidaten Gegenvorschlag
Dr. Klaus Hartmann, Präsident, Finanzen
Dr. Nicolas Stockhammer, Vizepräsident Recht
Günther Ropatsch, Sportliche Leitung
Mag. Yasmin Sarina Stepina, Vizepräsidentin, Nachwuchs
Neben dem Hartmann sollen als Vizepräsidenten der Wiener Ex-Eishockeyspieler Nici Stockhammer (45), Rechtsanwalt, für rechtliche Angelegenheiten zuständig sein. Der Kärntner Günther Ropatsch (51) könnte das sportliche Geschehen übernehmen. Für den Nachwuchssport ist Yasmin Sarina Stepina (33), eine ehemalige Nationalteamspielerin, aufgeboten. Abgesagt hat Matthias Trattnig (41), den früheren Nationalteamspieler verbinden private Banden zum steirischen ÖEHV-Vizepräsident Philipp Hofer (41).

Mittendorfer schätzt die Chance auf eine Neuwahl als sehr gut ein. „Aufgrund der Rückmeldungen der letzten Tage bin ich schon optimistisch, dass die Mehrheit der Vereine den eingeschlagenen Weg weiter unterstützen will.“
Wie wird der neue ÖEHV-Vorstand ermittelt? Stimmberechtigt sind die Ehrenpräsidenten Hans Dobida (91) und Dieter Kalt (78), der ersten Liga stehen ebenso wie den Damen-Topklubs fünf Stimmen zu, die AHL-Vereine geben drei ab.
Knappes Rennen
Wer hat die besseren Karten auf das Präsidentenamt? Es dürfte knapp werden, das Buhlen um die Mehrheit ist voll im Gang. Nach Verbandsstimmen (pro Bundesland sind es deren fünf) könnte die Hartmann-Gruppe eine Mehrheit bekommen, die Bundesliga tendiert zu Mittendorfer. Selbst das kleine Vorarlberg könnte Zünglein an der Waage werden. Während der VEHV klar zur Veränderung tendiert sollen die stimmberechtigten Klubs Dornbirn, Feldkirch, Lustenau, Bregenzerwald und Hohenems noch unentschlossen sein.