Daniel Zugg: Arbeiten am Comeback in Zeiten von Corona

Sport / 03.06.2020 • 16:30 Uhr
Daniel Zugg: Arbeiten am Comeback in Zeiten von Corona
Daniel Zugg ist endlich wieder in seinem Element. ANDREAS NEUPER

Daniel Zugg ist fit, das war er immer. Derzeit trainiert er im Montafon auf seinen Haus- und Hofstrecken. Er rennt Trailruns von 17 km unter 90 Minuten. Daran kann auch der am Ende doch glimpflich ausgegangene Unfall im Jänner nichts ändern.

Schruns Daniel Zugg ist Mitte Jänner 2020 nach einer normalen Trainingsskitour mit seinem Gleitschirm zurück ins Tal geflogen, als er in der Landephase abstürzt und sich schwer verletzt. Am Ende stehen ein zertrümmertes rechtes Handgelenk, drei gebrochene Brustwirbel und zahlreiche Schürfwunden zu Buche. Seine bis dahin sehr erfolgreiche Saison ist beendet. Man würde annehmen, dass das einem Sportler vor allem mental ziemlich zu schaffen macht, aber nicht so Daniel Zugg. „Im Nachhinein hatte ich bei diesem Unfall ein extremes Glück, drei gebrochene Brustwirbel und mein zerstörtes Handgelenk sind im Vergleich, was hätte passieren können, relativ kleine Verletzungen. Jetzt heißt es sich vor allem zusammenreißen und am Comeback arbeiten,“ gibt der Heeressportler den Weg für die nächsten Monate vor. Das bedeutet vor allem tägliche Reha-Einheiten, viel Grundlagentraining und Ruhe. Ans Aufgeben denkt der Montafoner Spitzensportler nicht, seine ruhige und besonnene Art ist eine seiner größten Stärken. Den Fokus auch in ausweglosen Situationen zu behalten, den klaren Blick auf das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, hat ihn bereits weit gebracht.

“Ich möchte so schnell wie möglich zurück in den Weltcup und an die Weltspitze.”

Daniel Zugg, Skibergsteiger

Doch auch der Coronavirus hinterlässt beim Skibergsteiger seine Spuren. Trainiert werden darf quasi nur alleine in der Natur, mittlerweile auch wieder im Schnee. So wurden trotz sommerlicher Temperaturen schon wieder die ersten Skitouren in der Silvretta in Angriff genommen. Gestartet wird mit Bergschuhen zum Ausgangspunkt der Tour, dort wird der Ski angeschnallt und der Gipfelsturm in Angriff genommen. Das ist quasi Training, wie es sich für einen Skibergsteiger gehört. Und das ist gerade zu dieser Jahreszeit natürlich perfekt, denn es erlaubt einen fliegenden Wechsel der Sportarten. Auf den Ski folgt oft direkt das Ausdauertraining auf dem Rennrad. Während des Corona-Lockdown wurde vor allem auf der Rolle im Garten trainiert, und der Skibergsteiger hat das Montafon wochenlang nicht verlassen. Die notwendige Physiotherapie wurde in Zusammenarbeit mit dem Olympiazentrum Vorarlberg – die Homebase der Spitzensportler in Vorarlberg – online erledigt und per Videokonferenz abgehalten. „Meine Übungen und Aufgaben habe ich online bekommen – die Therapie läuft dann über Video ab. Das funktionierte erstaunlicherweise sehr gut und hat auch bereits Wirkung gezeigt. Mittlerweile habe ich im Olympiazentrum wieder die Möglichkeit, mein Krafttraining therapiebegleitend zu machen, was den Heilprozess natürlich deutlich unterstützt.“

Dabei begann die letzte Saison sehr vielversprechend. Noch in der alten Saison sorgte er mit dem ersten österreichischen Weltcupsieg im Skibergsteigen für einen historischen Triumph und war damit endgültig in der Weltspitze angekommen. Der Sommer wurde für das Training und die Vorbereitung optimal genutzt. Der neue Trainer und Leistungsdiagnostiker Mathias Nothegger, selbst Spitzensportler, stellte den Trainingsplan und die Ernährung des St. Gallenkirchers um. Und das mit Erfolg, denn die Saison 2019/2020 startete mit einem Staatsmeistertitel im Sprint und einem dritten Platz bei der Vertical Staatsmeisterschaft sowie einem achten Platz im Weltcup. Bis zum jähen Ende im Jänner.

Wie es jetzt weitergeht, ist in der aktuellen Situation natürlich schwer zu sagen. Die Coronapandemie hat die Saison der Skibergesteiger vorläufig beendet, wie es im Herbst weitergeht, steht buchstäblich in den Sternen. Das Ziel des 27-Jährigen ist aber klar: „So schnell wie möglich zurück in den Weltcup und an die Weltspitze. Es gibt viel Arbeit, und ich freue mich jetzt auf die Vorbereitung und das langsam wiederbeginnende Training.“ Hoffnung kann sich der Sportler auch auf einen Olympia-Startplatz machen. Ski-Mountaineering ist mittlerweile eine anerkannte Olympia-Sportart und bei den Olympischen Jugendspielen in der Schweiz wurden letzten Jänner auch erstmals Medaillen vergeben. Das macht Hoffnung, dass die Sportart 2026 bei den Olympischen Spielen in Italien erstmals ins offizielle Programm aufgenommen wird. MS