Deshalb bleibt der Ostermontag ein Lostag

Das Verbot von Sportveranstaltungen bis Ende Juni setzt der Saison im Amateurfußball wohl ein vorzeitiges Ende. Die Profis hoffen noch auf ein Osterwunder.
Schwarzach Dem Amateurfußball droht das Saisonende, der Profifußball wartet auf die Sitzung des ÖFB-Präsidiums nach Ostern. Dann nämlich wird wohl auch darüber entschieden, wie mit der Bundesliga bzw. 2. Liga verfahren wird. Leo Windtner bezeichnet nicht umsonst den Ostermontag als Lostag. Das komplette Interview des ÖFB-Präsidenten mit TT-Sportchef Florian Madl gibt es auf VN.at.
Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf in Zeiten der Coronakrise?
Man kommt zu Arbeiten, die man seit Jahren aufgeschoben hat. Meine Tage sind speziell vor Videokonferenzen mit Vorbereitungen ausgelastet, ansonsten kann ich mich immer noch um meinen Obstgarten mit den 120 Bäumen kümmern.
Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler kündigte am Samstag ein Finanzpaket für heimische Sportvereine in Höhe von “mehreren Hundert Millionen Euro” an. Sehen Sie sich in Ihrer Erwartungshaltung verstanden?
Ich habe mit dem Vizekanzler bereits im Vorfeld mehrere Gespräche geführt und gemeinsam mit Sport-Austria-Präsident Hans Niessl an ihn den Appell um dringende Hilfe gerichtet. Wir haben alles getan, um die Politik davon zu überzeugen, dass auch der Sport Hilfe benötigt – er stand dem aufgeschlossen gegenüber.
Die Notwendigkeit scheint ebenso groß zu sein wie bei anderen Unternehmen.
Eines ist klar: Vereine der 1./2. Bundesliga sind Wirtschaftsbetriebe – sie brauchen Hilfe ebenso wie Amateur-Vereine. Sonst werden wir die heimische Fußball-Landschaft im kommenden Jahr nicht wiedererkennen, mehr als die Hälfte der Vereine wäre bedroht, auszufallen. Wir kennen solche Horrormeldungen bereits aus Deutschland – ja, auch im Amateursport wäre das Massensterben von kleinen Vereinen zu befürchten, wenn keine Hilfe kommt wie für Wirtschaft und Kultur.
Sie fungierten lange Jahre als Vorstand eines großen Energieunternehmens. Wie empfinden Sie die staatliche Finanzhilfe im Allgemeinen?
Fürs Erste sind die Pakete angemessen. Man kann jetzt nicht alles bis ins letzte Detail festlegen, denn es gilt: nur rasche Hilfe ist wirksame Hilfe.
Nationalbankpräsident Robert Holzmann sprach von einer “Bereinigung” des Marktes.
Natürlich haben Krisen wie diese einen Bereinigungseffekt. Aber letztlich trifft es nicht nur marode, auch gesunde Unternehmen werden erfasst.
Haben Sie einen persönlichen Wunsch-Zeitpunkt zum Hochfahren des Systems?
Mir erscheint wichtig, dass man hier mit Bedacht hochfährt, um kein Schicksal zu erleiden wie Singapur. Ein zweites Mal wird es schwierig, alle nochmals ins Boot zu bekommen.
Sie unterstützen mit Ihrer Frau ein Hilfsprojekt in Kenias Hauptstadt Nairobi, das auch eine Fußballschule mit einschließt.
Auch die Acakoro Football Academy steht, weil die Zahl der Infizierten in Afrika nach oben geht.
Aleksander Ceferin, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), kritisierte unlängst den Weltverband FIFA: Die hätte zwar Finanzhilfen angekündigt, aber niemand könne kontrollieren, an wen die Summen fließen würden.
Die großen Verbände werden, sofern potent, auch für die Rettung des Fußballs einen Beitrag zu leisten haben. Schon vor einigen Tagen kam ein Ansuchen aus Australien um Kreditfinanzierung zur FIFA. Und natürlich ist die UEFA das Schwergewicht im Weltfußball, sportlich wie wirtschaftlich. Der Wunsch nach Transparenz ist verständlich.
Ceferin sprach sich auf für Klarheit auf dem Transfermarkt aus. Wie könnte diese Klarheit nach der Coronakrise aussehen?
Man muss die Krise als Chance sehen, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Dazu gehören die Wahnsinns-Transfersummen ebenso wie Inhalte, die nicht zum Fußball gehören.
Wie sieht das im Amateurfußball aus, wo viele Vereine große Ziele haben?
Es muss ein Überdenken der Entwicklungen an der Basis geben, inwiefern man Grauzonen bei manchen Vereinen beseitigen kann. Unlängst gab es eine Anfrage, wie man auf die derzeitige Situation reagieren könne, wenn Spieler nicht offiziell Geld bekommen. Fußball muss leistbar sein – oben wie auch in unteren Klassen.
UEFA-Präsident Ceferin kritisierte zuletzt, dass Belgien die Saison eigenmächtig abbrach. Das sei „nicht der richtige Weg“.
Belgien konnte das leichter machen, da die TV-Geld-Abrechnung mit dem Abbruch zusammenfiel. Ceferin ist nicht ohne Grund ungehalten, denn wenn sich jeder dem Beispiel anschließt, wird es schwierig, die Europacup-Bewerbe in gewohnter Regelung aufrechtzuerhalten. Davon profitiert ja jede Nation, da geht es auch um Solidarität.
Sie scheinen mit Ceferin in vielerlei Hinsicht übereinzustimmen.
Wir können uns glücklich schätzen, ihn zu haben. Er hat stets die kleineren und mittleren Nationen im Auge.
Deutsche Klubs hoffen auf einen Neustart ohne Zuschauer – wie sieht das in Österreich aus?
Wir orientieren uns ausschließlich an der Vorgabe von Regierung und Experten. Der Ostermontag wird der Lostag, da wird die Regierung ihr Zwischenresümee präsentieren. Davon ausgehend loten wir Perspektiven und Horizonte aus, um im Fußball eine Wiederaufnahme andenken zu können. Den Betrieb wollen wir schrittweise so rasch wie möglich wieder aufnehmen.
Wie sehr schmerzt es Sie als Oberösterreicher, dass der LASK heuer nach vielen Jahren wieder die Chance auf einen Titel hätte und diese möglicherweise begraben muss?
Es wäre schade für den LASK. Und es wäre im Sinne aller, auf sportlichem Weg die Meisterschaft zu beenden. Fußball sollte immer am Spielfeld und nicht am grünen Tisch entschieden werden.
Sie glauben, dass ein juristisches Nachspiel drohen könnte?
Da sind viele Vereine in einer Zwangslage, die müssten den Rechtsweg beschreiten. Es handelt sich schließlich um Kapitalgesellschaften mit Haftungen für die Geschäftsführer. Florian Madl (TT-Sportchef)