Ein Albtraum, den sich kein Fußballfan wünscht

Die Prognose von Fußball ohne Zuschauer bis zum Jahresende macht viele nachdenklich.
Schwarzach Mit seiner Aussage hat er den deutschen Profifußball geschockt. Die Worte von Christian Drosten, einem renommierten Virologen, dessen Forschungsschwerpunkte neuauftretende Viren sind, prophezeit ein Albtraumszenario mit Geisterspielen über viele Monate. „Ich glaube überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. Das ist überflüssig. Das wird es bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht geben“, sagte Drosten.
Drosten erwartet in Sachen Freizeitaktivitäten wie dem Fußball auf absehbar e Zeit keine Rückkehr zur Normalität in öffentlichen Einrichtungen. „Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten“, meinte der Leiter der Virologie der Charite in Berlin. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Armin Fidler. Im VN-Podcast von Mike Prock hatte der Public-Health-Experte bezüglich Fußball und Zuschauer gemeint: „Speziell im Fußball ist es so, dass er alle Generations ins Stadion lockt. Solche Versammlungen mit ganz vielen Menschen aller Altersgruppe wir man wohl noch länghere Zeit nicht machen. Fußball wird wohl noch länger vor leeren Tribünen gespielt.“ Eine genaue Prognose wollte der Vorarlberger diesbezüglich nicht abgeben. Die VN haben die drei heimischen Profiklubs mit einem solchen Szenario konfrontiert. Christoph Längle (Altach) sowie seine Kollegen aus Lustenau, Bernd Bösch, und aus Dornbirn (Peter Handle) sprechen diesbezüglich von einer extrem existenzgefährenden Situation. Im Vordergrund, so betont das Trio unisono, stehe jetzt aber die Gesundheit aller. Allerdings sieht Längle schon die Möglichkeit gegeben, dass Fußball auf längere Sicht ein „Wohnzimmer-Produkt“, heißt, ein Spiel ohne Fans in den Stadien werden könnte. Zumindest die TV-Gelder wären dann für die Profiklubs gesichert.
Weiter ist man in den Klubs hinsichtlich des Kurzarbeitmodells. Laut Längle sei man damit bei den Angestellten in der Administration sowie im Betreuerstab auf eine „hundertprozentige Zustimmung“ gestoßen. Auch viele der Spieler hätten schon vorab zugestimmt. Noch diese Woche erwartet er alle Rückmeldungen. Dann werde man rückwirkend mit dem Datum der Maßnahme Sportverband die Kurzarbeit beantragen.
Seitens der Liga wird bei den Klubs derzeit ein „Stresstest“ ermittelt. In diesem wird die Liquidität der Vereine erhoben.
Ausfall von bis zu 150.000 Euro
Wichtig ist für die Austria die Kurzarbeit. „Das hilft uns“, sagt Bernd Bösch. Dies betreffe die Geschäftsstelle ebenso wie den Profikader und idas nzwischen geschlossene Austria-Cafe. So werde man die Saison unbeschadet überstehen. Was die kommende betrifft, so könnte es laut Bösch Probleme für die Vereine geben, auch für die Austria.
In Dornbirn ist die Kurzarbeit kein Thema, weil nur drei Spieler mit einem Halbprofivertrag ausgestattet sind. Ein weit größeres Problem sieht er durch den Ausfall von Zuschauereinnahmen. Bei noch sechs ausstehenden Heimspielen würde das beim FCD ein Minus von bis zu 150.00 Euro bedeuten.

Ich bleibe positiv und hoffe, dass bald Fußball gespielt werden kann. Ohne Zuschauer ist für mich nur die zweitbeste Entscheidung. Damit will ich mich noch nicht befassen. Christoph Längle, 49, Geschäftsführer Cashpoint SCR Altach

Ich mag es mir nicht vorstellen. Gerade auch hinsichtlich des ausstehenden Cupfinals. Im Augenblick aber sind alle Maßnahmen alternativlos. Bernd Bösch, 59, Vorstandsprecher SC Austria Lustenau

Ich mag es mir im Moment nicht vorstellen. Dann werden wohl einige Vereine zusperren müssen, weil dann auch die Sponsoren abspringen werden. Peter Handle, 58, Geschäftsführer FC Mohren Dornbirn