Während Coronakrise auf Reisen: Letzte Zuflucht Hongkong

Sport / 18.03.2020 • 21:59 Uhr
Während Coronakrise auf Reisen: Letzte Zuflucht Hongkong
Der Glücksmoment, als Wolfgang Luisser den Flug von den Philippinen nach Hongkong antreten konnte. PRIVAT

Wolfgang Luisser, ehemaliger Cotrainer des SCR Altach, sitzt in asiatischer Millionen-Metropole fest.

Hongkong „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.” Ein Sprichwort, gemacht für Wolfgang Luisser. Der ehemalige Cotrainer des SCR Altach (2018/19) kann sehr viel erzählen. Luisser sitzt nämlich aktuell aufgrund der Coronavirus-Pandemie in Hongkong fest. Bedeutet: abwarten, Tee trinken und viel Dim Sum essen. Für den 40-Jährigen, der sich seit Sommer 2019 im Rahmen einer Bildungskarenz auf Weltreise befindet, eine Katastrophe. Dabei hatte der gebürtige Burgenländer Glück im Unglück. Er erwischte Montagfrüh den letzten Flug aus dem philippinischen El Nido nach Cebu, von dort eine der letzten Maschinen nach Hongkong. „Als sich die Causa Coronavirus weltweit so richtig zuspitzte, war ich gerade auf El Nido. Eigentlich ein Paradies. Aber ich wusste, wenn sich dort das Virus ausbreitet, wird es ganz eng für mich. Denn mit Hygiene verhält es sich auf den Philippinen etwas schwierig. Daher wollte ich unbedingt so schnell als möglich weg,“ so Luisser.

„In Hongkong hat sich die Lage etwas entspannt, hier hat man die große Viruswelle schon hinter sich, es beginnt sich langsam – sehr langsam – zu beruhigen. Die Menschen hier dürfen schon wieder auf die Straße und einem geregelten Leben nachgehen.”

Wolfgang Luisser, Ex-Altach-Cotrainer

Entspannte Lage in Hongkong

Auf den Plätzen von Hongkong nimmt das Leben wieder einen "nromalen" Lauf. <span class="copyright">PRIVAT</span>
Auf den Plätzen von Hongkong nimmt das Leben wieder einen "nromalen" Lauf. PRIVAT

Dass er sich in Hongkong den Umständen entsprechend sicher fühlt, rührt daher, dass sich die Lage in der Millionenmetropole wieder beruhigt. „In Hongkong hat sich die Lage etwas entspannt, hier hat man die große Viruswelle schon hinter sich, es beginnt sich langsam – sehr langsam – zu beruhigen. Die Menschen hier dürfen schon wieder auf die Straße und einem geregelten Leben nachgehen. Zudem ist die Stadt mein Tor nach Österreich,“ erklärt Luisser, warum die Destination Hongkong so wichtig für ihn ist. Darüber, was sich gerade in der Heimat abspielt, ist er gut informiert: „Ich bin permanent mit meiner Familie und Freunden in Kontakt,“ berichtet der Weitgereiste und schüttelt gleichzeitig den Kopf. Denn: „Wer hätte sich gedacht, dass gerade während meiner Weltreise eine weltweite Krise entsteht.”

Kurz bevor die Philippinen den Nostand ausgerufen haben, konnte Luisser das Land verlassen. <span class="copyright">PRIVAT</span>
Kurz bevor die Philippinen den Nostand ausgerufen haben, konnte Luisser das Land verlassen. PRIVAT

Von einer Krise in die andere

Aber Luisser kennt sich mit Krisen aus. Denn als es in Bolivien zu einer politischen Krise kam, war er vor Ort – die Vorarlberger Nachrichten berichteten. Auch dort musste er kurzfristig in einer Nacht- und Nebel-Aktion das Land verlassen. War es ihm schon damals extrem mulmig, umso besorgter ist er aber heute bezüglich der aktuellen Situation. „Klar, die Sache in Bolivien war im Nachhinein auch keine Lappalie. Nicht auszudenken, wenn ich dort festgesessen wäre. Immerhin lief dort schon das Militär auf. Aber die Situation jetzt ist schon noch mal eine andere. Ich befinde mich aktuell in einer Millionenstadt, die, wie die ganze Welt, von einem Virus bedroht wird. Manchmal glaube ich, ich bin in einem schlechten Film.“

Auf dem Flughafen in Cebu (Philippinen) standen lange Wartezeiten auf dem Programm. <span class="copyright">PRIVAT</span>
Auf dem Flughafen in Cebu (Philippinen) standen lange Wartezeiten auf dem Programm. PRIVAT

Keine Panik

Wann Luisser wieder heimischen Boden unter den Füßen hat, bleibt abzuwarten. Dass es auf seiner Reise zu solch dramatischen Ereignissen kommen würde, damit hätte wohl keiner gerechnet. „Es ist sehr schade, dass solche Dinge passieren, aber die vielen Eindrücke und Erlebnisse lasse ich mir sicher nicht von einem Virus nehmen,“ beschreibt der 40-Jährige seine Gefühlswelt. Auffallend für ihn war, wie unterschiedlich sich die vielen Reisenden verhalten haben. „Da war die ganze Bandbreite. Von den Leuten, die es ganz locker genommen haben und einfach die Sache auf einer Insel aussitzen wollten, bis hin zu denen, die sofort ihre Sachen gepackt und alles für die sofortige Heimreise unternommen haben. Ich selbst wollte nicht in Panik geraten, aber als man auf den Philippinen den Notstand ausgerufen hat, war alles klar. Dennoch: Angst hatte ich in keiner Minute.” Jetzt will sich Luisser einmal in Hongkong von den Strapazen der letzten Tage erholen, „und mit dem Außenministerium in Verbindung treten. Die nächsten Schritte klären.“

Hinweis bei der Einreise am Flughafen in Hongkong. <span class="copyright">PRIVAT</span>
Hinweis bei der Einreise am Flughafen in Hongkong. PRIVAT