Nina Ortlieb: „Ich will Olympiasiegerin werden“

Premierensieg von Nina Ortlieb war zugleich ein Jubiläumserfolg, der 90. für Vorarlberg im Ski-Weltcup.
La Thuile Sie bezeichnet sich selbst als zielstrebig, einfühlsam, sehr ehrgeizig und mit hoch gesteckten sportlichen Zielen ausgestattet. Auch deshalb genießt Nina Ortlieb ihren bislang größten Erfolg, den ersten Weltcupsieg ihrer Karriere, nicht überschwenglich, sondern auf ihre Art – nämlich realistisch. Platz eins beim Super G von La Thuille war sechs Jahre nach ihrem Weltcupdebüt (12. Jänner 2014 in der Super-Kombination in Altenmarkt-Zauchensee) und drei Jahre nach dem letzten VSV-Sieg im Ski-Weltcup (Christine Scheyer, 15. Jänner 2017 in Altenmarkt-Zauchensee) zugleich der 90. Erfolg für Vorarlberg in der Weltcup-Geschichte. Angesichts der Krankenakte von Ortlieb darf der Sieg nicht hoch genug eingestuft werden. Vier Knieoperationen, ein Bruch im Becken, ein Oberarm-Trümmerbruch, Sprunggelenksverletzungen – all das ist ein Auszug aus der Leidenszeit, die die 23-Jährige als Skirennläuferin und als Mensch reifen ließ.
Gratulation zum ersten Weltcupsieg. Und wieder am 29. Februar.
Vor vier Jahren bin ich in Sotschi Junioren-Weltmeisterin geworden. Beide Erfolge sind sehr schön.
Sind Sie am Sonntag dank des Sieges mit einem Lächeln aufgewacht?
Nein, vielmehr war ich schon wieder fokussiert auf das Rennen, das leider abgesagt werden musste. So ist der Heimataufenthalt ein bisschen länger, denn heute bin ich schon wieder bei Sport und Talk im Hangar 7 eingeladen.
Siege sind oftmals ein Produkt von Selbstvertrauen und Können, oder wie würden Sie es beschreiben?
Schon die Vorbereitung auf die Saison ist sehr gut verlaufen. Ich bin fit in die Saison gegangen. Gleich im ersten Rennen bin ich auf Platz vier gefahren. In den Jänner-Rennen habe ich einige Fehler gemacht, die schließlich eine Topplatzierung verhindert haben. Nichts Besonderes, aber mal habe ich die Linie verfehlt, mal haben die Ski verschnitten. Es waren immer andere Faktoren. Aber ich habe gewusst, dass ich schnell sein kann. Um ganz vorne mitzufahren, muss man einen Lauf konstant von oben bis ins Ziel bringen. Ich bin dran geblieben, habe gut trainiert. Dass es so schnell geht, ist umso schöner.
Ihr Debüt im Weltcup liegt schon sechs Jahre zurück. Wie blicken Sie auf diesen langen Zeitraum?
Viele schwere Verletzungen haben für Rückschläge gesorgt. Ich musste mich immer wieder zurückkämpfen. Aber selbst in schweren Zeiten habe ich nie aufgegeben. Die Frage, ob es besser wäre aufzuhören, habe ich mir nie gestellt. Der Weg zurück war schwer, deshalb war der zweite Junioren-WM-Titel sehr wertvoll. Wenngleich ich spürte, dass ich bei unterschiedlichne Rennbedingungen vor allem körperlich noch Luft nach oben hatte. Wichtig waren in der Zeit für mich neben meiner Familie die Trainer im ÖSV, vor allem Gruppen-Cheftrainer Christoph Alster und der Rückhalt durch den Skiclub Arlberg.
Zur Person
Nina Ortlieb
Genießt in ihrer Freizeit ausgedehnte Spaziergänge in Oberlech, zudem spielt sie gerne Tennis
Geboren 2. April 1996
Ausbildung Matura, Skigymnasium Stams, BWL-Studentin in Innsbruck
Laufbahn 7 Weltcup-Top-Ten-Platzierungen, 2 Podestplätze (Sieg im Super G von La Thuile und Platz drei in der Abfahrt von Crans Montana), Junioren-Weltmeisterin 2015 (RTL), Junioren-Weltmeisterin 2016 (Super G), Europacup-Gesamtsiegerin 2017/18, 3 EC-Rennsiege
Familie Vater Patrick, Mutter Kathrin, Schwester Lara
Zurück zu Ihrem Sieglauf. Sie hatten die Nummer sechs und mussten lange ausharren. Wie nervös waren Sie?
Ich befand mich ja das erste Mal in der Siegerposition. Ich habe schon gezittert, denn nach mir gab es noch viele Athletinnen, die mir den Sieg wegschnappen hätten können.
Haben Sie vor der Saison im Training Veränderungen vorgenommen?
An der Technik wenig. Wichtig war es, körperlich stabil zu werden. Im Bewusstsein, dass Maximalkraft nicht das Allheilmittel ist. Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer sind ebenso wichtig.
Dem Ski-Weltcup droht durch das Coronavirus ein vorzeitiges Ende.
Es wäre schade, wenn schon Ende Februar Schluss wäre, auch wenn ich mir den Auswirkungen der Krankheit bewusst bin. Deshalb versuche ich mich an die Schutzmaßnahmen zu halten.
Ihr großes sportliches Ziel?
Ich habe ein großes: Ich möchte Olympiasiegerin werden. Dafür ist wichtig, den Fokus auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Erfolg ist das Ergebnis von Leistung. Vieles hat man selbst in der Hand und das möchte ich bestmöglich optimieren. Nicht beeinflussen lässt sich die Tatsache, dass der Skisport ein Freiluftsport ist. Ein bisschen Glück braucht es auch. Und ein ganz wesentlicher Faktor ist natürlich die Gesundheit.






