Altach-Neuzugang Wiss im VN-Interview

Warum Altach-Neuzugang Alain Wiss in der Winterpause St. Gallen verließ und wie der 29-jährige Schweizer den österreichischen Fußball sieht.
Altach In der Schweiz hat Alain Wiss mit seinen 281 Ligaspielen für den FC Luzern und St. Gallen sowie zwei absolvierten Partien für das Nationalteam beim Olympiaturnier in London bereits einen gewaltigen Fußbabdruck hinterlassen. „Er war eines der hoffnungsvollsten Talente in Luzern“, erzählt ein Schweizer Kollege. Dass man dort 2015 seinen Vertrag nicht verlängerte, verstehen viele Fans bis heute nicht. Nach einigen Höhen und Tiefen bei St. Gallen im Jänner 2019 der Schock: Riss des vorderen Kreuzbands im linken Knie. Der Verein nahm ihn als Vertrauensbeweis aber nochmal unter Vertrag und verlängerte diesen im Sommer um ein weiteres halbes Jahr. Doch unter Peter Zeidler kam der 29-Jährige beim Schweizer Nati-A-Leader nur zu acht Kurzeinsätzen. Glück für Altach, das mit Wiss einen defensiven Stabilisator an Land zog, der (so war schon in den ersten zwei Partien zu sehen) mit seinen einfachen Pässen viel Ruhe ins Spiel bringt.
Alain, wie ist deine erste Bilanz bei Altach?
Unter der Woche spielen wir im Training schon sehr guten Fußball. Im Match sind wir in manchen Situation noch zu nervös. Spielerisch war Mattersburg eine Steigerung zum Austria-Spiel. Ich hatte viele Ballkontakte. Das wird sicher noch besser. Es waren ja meine ersten zwei Pflichtspiele über 90 Minuten seit meinem Kreuzbandriss.
Macht das linke Knie denn noch Probleme?
Nein. Seit meinem Comeback bei St. Gallen war alles top. Es ist auch nie angeschwollen. Aber klar, wenn einem über ein Jahr der Spielrythmus fehlt, geht das nicht ganz spurlos an einem vorüber.
Wie siehst du die Schweizer und österreichische Liga im Vergleich?
Nach zwei Spielen noch etwas schwer zu beurteilen. Was ich schon sagen kann: Physisch geht es noch einmal mehr zur Sache hier. Sowohl bei den Zweikämpfen als auch läuferisch.
Was sind deine Qualitäten, die du in Altach einbringen willst?
Ich versuche das Spiel zu führen und zu organisieren. Auch wenn wir ins Offensivspiel gehen, schaue ich, dass wir defensiv gut stehen und keine großen Lücken entstehen. Ich versuche einfachen Fußball zu spielen, um dem Team zu helfen, die Ruhe am Ball zu gewinnen.
Bei St. Gallen hast du das hauptsächlich als Innenverteidiger gemacht. Bei Altach agierst du primär im defensiven Mittelfeld. Warum dies?
Auch ein Grund, warum ich zu Altach gewechselt bin. Hier kann ich endlich wieder meine angestammte Position als Sechser spielen.
Was war außerdem noch ein Grund für deinen Wechsel?
Ich hätte in St. Gallen bleiben können, aber dort haben mir die Verantwortlichen gesagt, dass sie andere Spieler vor mir sehen. Ich bin in einem Alter, in dem ich natürlich Fußball spielen möchte. Daher kam auch mein Entschluss zum Wechsel.
Wie kam der Transfer zustande?
Sportdirektor Christian Möckel hat mich Ende November angerufen und eingeladen, mir das Stadion und den Campus in Altach anzuschauen. Ich war beeindruckt und habe gleich das Vertrauen gespürt. Ich habe auch das Gespräch mit Trainer Alex Pastoor gesucht. Er hat mir die Philosophie erklärt und dass ich ein wichtiger Spieler werden könnte. Deshalb habe ich sofort zugesagt.
Wie gefällt dir Altach?
Sehr gut. Ich brauche von mir daheim in Goldach nur 25 Minuten. Es ist alles sehr familiär. Jetzt hoffe ich, dass wir rasch auf die Siegerstraße kommen und auch mit mir den ersten Dreier einfahren. Jetzt heißt es noch zwei Runden im Grunddurchgang Punkte sammeln. In den Playoffs ist dann alles möglich.