Für Eva Pinkelnig erfüllt sich mit WM-Start ein Kindheitstraum

Sport / 26.02.2019 • 09:00 Uhr
Das Gefühl in der Luft stimmt: Eva Pinkelnig ist bereit für den ersten WM-Einsatz. gepa
Das Gefühl in der Luft stimmt: Eva Pinkelnig ist bereit für den ersten WM-Einsatz. gepa

In Seefeld erfolgt für die Dornbirnerin der erste Einsatz im Teambewerb

Seefeld „Es ist ein Wahnsinn, dass ich die Heim-WM noch genießen kann. Ich werde am Absprungbalken sitzen und die Atmosphäre inhalieren“, meint die 30-jährige Dornbirnerin. Nach ihren schweren Stürzen 2016 schien der Traum ihrer Skisprungkarriere geplatzt zu sein. Doch Eva Pinkelnig kämpfte sich zurück – und dies stärker als je zuvor.
Beim nordischen Sportspektakel in Seefeld wird die Skispringerin am Teambewerb und Einzelbewerb teilnehmen. Von gesteigerten Erwartungen hält sie nicht viel: „Ich werde meine beste Leistung zeigen und schauen, was dabei herauskommt.“ Und mit ein wenig schmunzeln fügt sie hinzu: „Es ist ganz einfach: Es gibt zwischen null und drei Medaillen. Die größte Chancen haben wir sicher im Teambewerb, weil wir alle stark sind.“

„Ich werde meine
beste Leistung zeigen und schauen, was dabei herauskommt.“
Eva Pinkelnig
ÖSV-Skispringerin


Mit den WM-Vorbereitungen ist die Spitzensportlerin sehr zufrieden. Zumal vor einem Jahr schien ihre Teilnahme noch unmöglich schien. Sie finde es unglaublich, wieder an solchen Wettbewerben teilzunehmen: „So etwas passiert normalerweise nur im Film.“

Kindheitstraum

Der Durchbruch ihrer Skisportkarriere gelang Pinkelnig spät. Skispringen war schon immer ihr Kindheitstraum. Zudem war sie begeistert von Wettbewerben. Mit der verhofften Karriere wurde es zunächst aber nichts: „Ich war den anderen Athleten körperlich unterlegen.“ Das änderte sich, als sie Sprunglauftrainer Willi Greber begegnete: „Er motivierte mich, trotz meiner Zweifel, mit dem Skispringen zu starten.“ Danach habe sie sich einen Bubenanzug geschnappt und sei direkt von der 30-Meter-Schanze hinuntergesprungen: „Das war der Startschuss für eine unglaublich tolle Zeit“.
Durch ausreichend Training gelang Pinkelnig knapp zwei Jahre später der 100-Meter-Sprung. Mit ihrem Talent erregte sie die Aufmerksamkeit des ÖSV. 2014 wurde sie offiziell in den Verband aufgenommen. Um sich komplett dem Spitzensport zu widmen, hatte die Skispringerin „alles auf eine Karte gesetzt“ und ihren Job gekündigt. Ein Schritt, der ihr durch die familiäre Unterstützung leichtfiel.

Emotionales Comeback

Aufgrund von schweren Verletzungen, die sich Pinkelnig durch zwei Trainingsstürze während der Saison 2016/17 zugezogen hatte, musste sie ihr Training vorzeitig beenden. In den darauffolgenden Wochen habe sie genügend Zeit gehabt, um über ein Comeback nachzudenken. „Die Glut war noch da, es brauchte nur einen Funken, um das Feuer zu entflammen“, sagt die Athletin. Positive Rückmeldungen über ihr Vorhaben erhielt sie nicht: „In den Köpfen der Leute war verankert, dass ich es nicht schaffen kann. Das ließ man mich spüren.“ Doch mit genügend Selbstvertrauen und ihrem starken Glauben an Gott, erlangte Pinkelnig erneut Kraft. Seitdem springt sie wieder. Die Vorarlbergerin verfolgt ihre Ziele konstant. Und ihr Können möchte sie auch noch bei der nächsten Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf und bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking unter Beweis stellen. „Ich will athletisch und persönlich wachsen. Aber am wichtigsten ist es, das Leben voll zu genießen.“

Zur Person

Eva Pinkelnig
Glaubt, dass sie ihr ganzes Potenzial noch immer nicht voll ausgeschöpft hat
Geboren 27. Mai 1988 in Dornbirn
Wohnort Dornbirn
Größe/Gewicht 159 cm/46 kg
Familienstand ledig
Verein SK Kehlegg (V)
Hobbys Klettern, Laufen, Fußball
Homepage www.eva-pinkelnig.at
Größte Erfolge
WM 8. Falun 2015
Weltcup 3. Nischnij Tagil 2015, 6 x Platz 4
Beste Saisonplatzierungen
4 x Platz vier


Dass sind mit aktuell vier vierten Saisonplätzen die Konstanz in Person ist, erfüllt sie mit Stolz. „Ich weiß zu 100 Prozent, was ich tue. Ich merke vom Balken weg, durch den Radius und über den Vorbau und in der Luft – ich bin jederzeit anwesend. Das war das, woran wir neuronal auch gearbeitet haben. Ich bin einfach wieder ich.“ Jetzt, da man sie wieder die Eva sein lasse, funktioniere alles besser, denn: „Ich habe ein sehr gutes eigenes Gefühl, dafür, wann etwas sein muss und wann nicht.“ LSA

Eva Pinkelnig sieht ihrem ersten WM-Einsatz voller Freude entgegen. gepa
Eva Pinkelnig sieht ihrem ersten WM-Einsatz voller Freude entgegen. gepa