Ikea verwirft die Pläne für Lustenau

Schwedischer Konzern ändert Strategie und legt Lustenau auf Eis.
Lustenau, Vösendorf Das Grundstück am Ortsrand von Lustenau war im Jahr 2000 schon vergeben. XXXLutz plante ein Möbelhaus, sagte den Bau aber 2002 wieder ab. Wer das Grundstück statt Lutz nutzen sollte, da hatte der damalige Bürgermeister Dieter Grabher einen klaren Favoriten: Ikea. „Ich bin allerdings nicht so vermessen, zu glauben, dass sie wirklich kommen.“ Nun ist klar: Ikea kommt nicht, auch wenn sich Rodolphe De Campos, Property Manager von Ikea Österreich, nicht ganz festlegen will und davon spricht, das Projekt sei derzeit „auf Eis gelegt“. Dass Grabhers Wunsch nicht in Erfüllung geht, ist auch seiner Gattin Melly Grabher zu verdanken. Sie ist eine der Proponentinnen der Bürgerinitiative „Lebenswertes Lustenau“, die eine Volksabstimmung nicht gegen Ikea, sondern gegen den zu erwartenden Mehrverkehr initiert hat. Nach einer ersten Einschätzung des Verfassungsexperten Peter Bußjäger findet die Volksabstimmung am 27. Mai auch statt. Es sei gesetzlich nicht vorgesehen, eine Abstimmung wieder abzusetzen.
„Auch wir wollen nicht, dass unsere Kunden im Stau stehen“, stellt Ikea-Sprecherin Barbara Riedl klar. Die Verkehrssituation wurde von Ikea als ein triftiger Grund für den Stopp des Projekts ins Treffen geführt, das seit Jahren für Diskussionen und mehrere VN-Stammtische sorgte. „Speziell das scheinbar schwer lösbare Thema des Verkehrs hatte zuletzt zunehmend
Kopfzerbrechen bereitet“, so De Campos in der Absage des Möbelkonzerns, die bislang allerdings erst medial erfolgt sei, wie ein mit der Sache vertrauter Jurist moniert. Ein offizielles Schreiben ist noch nicht im Gemeindeamt eingetroffen. Im entscheidenden Gremium des Möbelriesen riss allerdings auch der Geduldsfaden. „Insgesamt hat die Entwicklung zu lange gedauert, ohne dass richtige Fortschritte spürbar waren. Daher die Entscheidung der Aufsichtsgremien“, sagt der Möbelhausmanager. Geplant war die Eröffnung des Möbelhauses für 2018, spätestens 2019.
In der Zwischenzeit hat Ikea außerdem die Strategie geändert. Das zeigte sich bereits in Memmingen, wo der fertig projektierte Ikea-Markt ebenfalls auf Eis gelegt wurde. Man wolle in Zukunft mit Citymöbelhäusern die Kunden ansprechen, sagt Riedl im VN-Gespräch (siehe rechts), man müsse auf das geänderte Einkaufsverhalten reagieren. „Die Welt dreht sich weiter“, macht Riedl auf den Faktor Zeit aufmerksam. Landesrat Karlheinz Rüdisser baut ebenfalls auf Zeit. Er habe die Auskunft, dass das Projekt evaluiert werde und eventuell in abgewandelter Form doch komme. VN-sca
Chronologie
2002 XXXLutz sagt Bau eines Möbelmarktes in Lustenau ab, 2005 kauft Gemeinde Grundstück zurück, Ikea sucht Grundstück im Land – möchte 2004 Möbelhaus eröffnen
2003 Ikea baut in St. Gallen, prüft Standort in Wolfurt
2004 Autobahnzollübergang Hörbranz als Ikea-Standort im Gespräch
2015 Ikea nimmt ehemaliges Lutz-Grundstück in Lustenau ins Visier
2016 Lustenauer Gemeindevertreter stimmen für Kaufvertrag mit aufschiebenden Bedingungen
2017 Landesraumplan für Ansiedlung von Ikea, Möbelhaus beginnt mit Planung, Bürgerinitiative sammelt Unterschriften für Volksabstimmung
2018 Volksabstimmung anberaumt, Möbelkonzern Ikea sagt Bau ab