Die tausendjährige Eibe

Spezial / 12.01.2017 • 18:31 Uhr
Der Hirschrücken mit Blumenkohl, Romanesco und Serviettenknödel.
Der Hirschrücken mit Blumenkohl, Romanesco und Serviettenknödel.

Feldkirch. Der immergrüne Nadelbaum der sich an der Mauer der ehemaligen Pfarrkirche St. Corneli in Tosters befindet und als ältester Baum Vorarlbergs gilt, war an diesem Winterabend nicht das Ziel. Uns zog es bei Kälte und Schnee in die warme und gemütliche Stube des Gasthauses zur Eibe am Fuße der Kirche. Die Eibe war, obwohl ich einen Teil meiner Jugend in Tosters verbracht habe, lange Zeit von meinem Radar verschwunden. Der eine oder andere Pächterwechsel mit längeren Pausen dazwischen waren sicher ein Grund dafür. Aufmerksam wurde ich erst wieder, als ich las, dass die Eibe neu bei Gault Millau gelistet war. Frischen Schwung in das alte Gemäuer bringen die Wirtin Manuela Brugger und ihr Sohn Patrick, der für die Küche verantwortlich ist.

Den Fokus legt Patrick Brugger dabei auf frische, saisonale Produkte und präsentiert diese auf einer nicht zu großen, aber abwechslungsreichen Speisekarte. So findet man neben Käsknöpfle und paniertem Schweinskotlett auch Wolfsbarsch, Charolais-Rind und Entenbrust darauf. Außerdem wird ein Menü angeboten, das wahlweise mit drei, vier oder fünf Gängen (39, 47, 59 Euro) geordert werden kann.

Manuela Bruggers Welt ist als diplomierte Sommelière natürlich der Wein. Die Weinkarte beinhaltet teilweise bekannte österreichische Namen neben einer überschaubaren Auswahl an internationalen Weinen. Mein Favorit war der Heckenfrizzante zum Aperitif.

Nach dem Gruß aus der Küche, einer Japanischen Miso mit Karpfen sowie frischem Brot mit Kernölbutter, entschied sich meine Begleitung für eine Ziegenkäseterrine auf fermentiertem Kürbis und Thymian-Kürbiscappuccino (10,20 Euro) und eine Entenbrust auf Rotkrautcreme, Rosenkohl, Kräuterroulade und Hibiskusjus (17,80 Euro) gefolgt von einem Riebel mit Bratapfel-Marzipan-Mus und Vanilleeis (8,80 Euro)

Für mich gab es die Drei-Gang-Variante des Menüs bestehend aus lauwarmer Fasanenbrust mit Krautsalat, Traubenchutney und Polentacroûtons sowie Hirschrücken in Biermalzkruste, Blumenkohl, Romanesco und Serviettenknödel. Zu guter Letzt dann eine Sauerrahmmousse mit Heidelbeersorbet.

Über die Qualität und die Präsentation der Gerichte, zusammen mit der Fachkompetenz und der Freundlichkeit der Chefin, gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer: Ausgezeichnet! Wenn Patrick Brugger so weitermacht, wird sich das Punktekonto bei Gault Millau nächstes Jahr um den einen oder anderen Punkt erhöhen. 

Der gebürtige Feldkircher Michael Kerschbaumer (Jg. 1968) arbeitete 15 Jahre als Koch in der internationalen Hotellerie und im Airline Catering bevor er sich zum Wirtschaftsinformatiker Fachrichtung Qualitätssicherung ausbildete.

Gasthaus zur Eibe, Tostner Burgweg 45, 6800 Feldkirch,
Tel. 05522 83475