“Eine Wahl der Vernunft”

Landeshauptmann Wallner erklärt das Wahlergebnis mit der Sorge um den Ruf des Landes.
Bregenz. Die Wahl ist vorbei, Vorarlberg hat im Österreichvergleich ein Rufezeichen gesetzt. Über 60 Prozent der Wähler stimmten für Alexander Van der Bellen. Für Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) liegt das vor allem an der geografischen Lage des Landes: „Durch die Nähe zu Deutschland und zur Schweiz achten die Vorarlberger besonders auf die Reputation des Landes im Ausland.“ Wallner spricht von einer „Wahl der Vernunft. Und die Vorarlberger sind offenbar noch ein bisschen vernünftiger.“
„Maske abgelegt“
Der Landeshauptmann ist sich sicher, dass vor allem die letzten Wahlkampfwochen für das klare Resultat gesorgt haben: „Wir haben zuletzt einen sehr aggressiven Stil von Norbert Hofer und der FPÖ erlebt. Die Vorgangsweise war nicht gut. Zudem sind Zurufe aus dem rechten Lager in Europa gekommen, zum Beispiel von Marine Le Pen aus Frankreich und Geert Wilders aus den Niederlanden. Das hat den Menschen nicht gefallen.“ Hofer habe spätestens beim Fernsehduell am Donnerstag seine Maske abgelegt: „Kurz vor Wahlkampfschluss hat Norbert Hofer sein Gesicht offenbart. Er hat sich anti-europäisch und national gezeigt.“
Auf der anderen Seite verweist Wallner auf herbeigeschriebene Gräben zwischen Stadt und Land. Ein Blick auf das Wahlergebnis zeige nämlich, dass es diese nicht gibt: „Vorarlberg zeigt, dass sich von der kleinen Gemeinde bis zur großen Stadt derselbe Trend durchzieht. Van der Bellen hat überall ungefähr gleich viel dazubekommen.“
Die Wahl sei eine Persönlichkeitswahl gewesen. Und auf die Persönlichkeit Alexander Van der Bellen komme nun eine wichtige Aufgabe zu: „Der neue Präsident muss jetzt Gräben überwinden und Brücken bauen. Es war ein Lagerwahlkampf, und ich traue Van der Bellen zu, dass er die Polarisierung überwindet.“
Der Präsident muss Gräben überwinden und Brücken bauen.
LH Markus Wallner

Das Ergebnis ist auf der Bundes- und auf der Landesebene zu betrachten. Auch im Land überrascht es mich nicht, weil wir die Landes-ÖVP gegen uns hatten. Und zwar in einem Ausmaß wie sonst in keinem Bundesland. Es haben sich alle gegen Hofer gestellt, auch Altlandeshauptleute, dennoch hat er 40 Prozent erreicht. Auf diesem Wert bauen wir auf.
Reinhard Bösch, FPÖ

Das Ergebnis war nicht prognostizierbar im Vorfeld, wir haben das nicht vorhergesehen.Es ist gut für die Demokratie. Die hohe Wahlbeteiligung zeigt nämlich, dass den Menschen die Politik nicht egal ist, wenn es um etwas geht. Es ist ein Votum der Vernunft. Ich bin mir sicher, dass der neue Präsident in der Lage ist, jene mitzunehmen, die ihn nicht gewählt haben.
Johannes Rauch, Grüne

Ich habe mich vor der Wahl mit einem Brief an 1200 Mitglieder der SPÖ Vorarlberg gewandt, in dem ich Stellung bezogen habe. Alexander Van der Bellen ist nicht mein Wunschkandidat und nicht jener vieler Sozialdemokraten. Aber er steht für Solidarität in der Gesellschaft. Und die ist für Sozialdemokraten sehr wichtig.
Gabi Sprickler-Falschlunger, SPÖ

Die Entscheidung ist vielen nicht leichtgefallen, es kam zu vielen Untergriffen im Wahlkampf. Mich freut es, dass so viele zur Wahl gegangen sind und die Österreicher für einen weltoffenen Präsidenten gestimmt haben. Jetzt ist es wichtig, dass sich der Präsident gegen die Politikerverdrossenheit stellt und den Dialog sucht. So wie ich ihn einschätze, kann er das.
Sabine Scheffknecht, Neos