“Vier apokalyptische Reiter im Trump Tower”

Spezial / 09.11.2016 • 21:59 Uhr
Nachdem der Sieg Trumps feststand, herrschte am New York Stock Exchange Verwirrung und Panik.
Nachdem der Sieg Trumps feststand, herrschte am New York Stock Exchange Verwirrung und Panik.

Verunsicherung bei der Wirtschaft und an den Börsen. Gold und Franken steigen.

Washington. Als klar war, dass Donald Trump ins Oval Office einziehen wird, warfen am Mittwoch Anleger Aktien und andere risikoreiche Anlagen im hohen Bogen aus ihren Depots. Einige Börsen brachen so stark ein wie zuletzt nach dem Brexit-Referendum. Gleichzeitig steuerte die „Antikrisen-Währung“ Gold auf den größten Tagesgewinn seit acht Jahren zu.

In Asien fiel der japanische Nikkei-Index um 5,4 Prozent. Die Börsen in Hongkong, Shanghai und Seoul verloren bis zu 2,8 Prozent. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik ohne Japan rutschte um knapp drei Prozent ab. Beim DAX erwarteten Börsianer ein Eröffnungsminus von gut vier Prozent. Die Terminkontrakte auf die US-Aktienindizes gaben zwischen 3,5 und fünf Prozent nach.

„Brexit hoch fünf“

„Die Märkte reagieren, als ob die vier Reiter der Apokalypse gerade aus dem Trump Tower geritten kommen“, sagte Anlagestratege Sean Callow von der Westpac Bank. Nach Einschätzung von David Hall, Leiter Devisen und Edelmetalle beim Vermögensverwalter Indosuez, sind die aktuellen Turbulenzen nur der Anfang: „In Sachen Kursausschlägen wird es mindestens zehn Tage lang Brexit hoch fünf.“ Das überraschende Votum zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU löste Ende Juni ein Börsenbeben aus. Einer Umfrage des Vermögensverwalters NN Investment Partners zufolge erwarten 84 Prozent der befragten Profi-Anleger vom Wahlsieg Trumps einen negativen Effekt auf die weltgrößte Volkswirtschaft. 45 Prozent sagten sogar einen „ungeheuer negativen“ Effekt voraus. 

Doch nicht überall reagierte man mit Schock und Panik auf den kommenden Präsidenten. Rüstungswerte haben auf beiden Seiten des Atlantiks mit rasanten Kurssprüngen auf das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl reagiert. Papiere von Rheinmetall wurden zuletzt mehr als 4 Prozent höher gehandelt. General Dynamics, Raytheon, Lockheed Martin und Northrop Grumman rückten in New York um 4 bis 7 Prozent vor. Trump habe bereits weitere 90.000 Soldaten, 42 zusätzliche Schiffe und 100 weitere moderne Kampfflugzeuge sowie ein besseres Abwehrsystem angekündigt, sagte ein Händler. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, geht von einer Erhöhung der Rüstungsausgaben aus. Der erste Schock ist in Europa rasch verflogen. Die Finanzmärkte haben sich am alten Kontinent wieder stabilisiert. Der DAX verbuchte nach Verlusten von rund 3 Prozent zu Mittag nur noch einen Abschlag von 0,90 Prozent bei 10.387,72 Punkten. Auch der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 erholte sich deutlich und notierte zuletzt ein Minus von nur noch 1,09 Prozent. Denn „trotz aller Aufregung gilt: An den Börsen wird das Leben weitergehen“, kommentierte Anlagestratege Heinz-Werner Rapp vom Vermögensverwalter Feri Investment.

Die deutsche Automobilindustrie befürchtet Protektionsmus, die Russen wiederum wittern Morgenluft. Im Gegensatz zum weltweiten Trend haben die Aktienkurse in Russland nach dem Wahlsieg von Donald Trump deutlich ins Plus gedreht. Auch der russische Rubel stabilisierte sich gegenüber dem Dollar. Zufrieden dürften auch die europäischen TTIP-Gegner sein. Trump lehnt das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt den US-amerikanischen Firmen.