Sieg der Demokratie
Phrasen kommen nicht von ungefähr. Sie entspringen oft dem Brunnen der Wahrheit. Dieser Phrasenbrunnen hat uns an diesem Wahlsonntag zahlreiche Klassiker entgegengedroschen. Vom „Kopf-an-Kopf-Rennen“ war die Rede, vom „Urnengang“ natürlich, von der Lagerwahl, und selbstredend: „Jede Stimme zählt“. Oft gehört, gern belächelt, wieder bewahrheitet.
Kennen Sie Hallein? Eine Stadt in Salzburg, 20.769 Einwohner, rund 13.000 Wahlberechtigte. 4132 davon wählten Norbert Hofer. 4131 votierten für Alexander Van der Bellen. Vorarlbergs Hallein ist Dünserberg: 27 Stimmen für Hofer, 27 für Van der Bellen. Knapp ist es auch in Hohenems. Hofer: 2603, Van der Bellen: 2569. Österreichweit machen ein paar Tausend Stimmen den Unterschied. Über 700.000 Wahlkarten sind allerdings noch gar nicht ausgezählt.
Allein in Vorarlberg müssen die Bezirkshauptmannschaften 31.186 auswerten. Damit steigt die Wahlbeteiligung auf 65 Prozent. Fast zwei Drittel der Vorarlberger waren sich also bewusst, dass eben jede Stimme zählen wird. Und es zeigt, dass auch Auslandsösterreicher unbedingt mitreden wollen. Österreichweit wird die Beteiligung auf über 70 Prozent steigen.
Eine hohe Wahlbeteiligung bringt eine hohe Legitimität. Für das Amt, für die Person und schließlich für die Demokratie selbst. Ungeachtet des endgültigen Wahlausgangs, der Polarisierung im Wahlkampf und der teils emotionalen und untergriffigen Diskussion: Das ist doch eine gute Nachricht.
michael.prock@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-633
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