Stadt noch immer im Schockzustand

Spezial / 23.03.2016 • 23:01 Uhr
Die Premierminister Manuel Valls und Charles Michel sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gedenken der Terroropfer.
Die Premierminister Manuel Valls und Charles Michel sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gedenken der Terroropfer.

Brüsseler Bevölkerung erholt sich nur langsam vom Schrecken der Anschläge.

brüssel. Obwohl der Mittwoch in Brüssel unter Militär- und Polizeischutz begonnen hatte, ist das öffentliche Leben in die belgische Hauptstadt zurückgekehrt, wenn auch verhalten. Die meisten öffentlichen Verkehrsmittel haben den Betrieb wieder aufgenommen. Auch die  U-Bahn-Linie, auf die ein Anschlag verübt wurde, rollt auf Teilabschnitten wieder. An den Eingängen kontrollierten Polizisten und Soldaten die Taschen aller Personen. Die Metro-Station Maelbeek wird indes noch mehrere Wochen geschlossen bleiben.

Der Flughafen, wo zwei Bomben explodierten, blieb am Mittwoch geschlossen. Etwa 1500 Flugpassagiere hatten die Nacht in Behelfsunterkünften verbracht. Sie wurden in einer Sporthalle in dem Ort Haasrode sowie einer Turnhalle in Zaventem nahe des Flughafens untergebracht. Die gesamte Zahl aller gestrandeten Passagiere dürfte allerdings höher liegen. Hotels in Brüssel boten Betroffenen der Terroranschläge kostenlose Zimmer an. Wann der Flughafenbetrieb wieder aufgenommen wird, wurde zunächst noch nicht bekannt gegeben. 

Brüssels Einwohner versuchen unterdessen, in den Alltag zurückzufinden. Doch viele von ihnen schwanken noch zwischen Trauer und der Entschlossenheit, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Bis Karfreitag ist noch offiziell Staatstrauer. Die Place de la Bourse (Börsenplatz) im Zentrum von Brüssel ist zum zentralen Gedenkort geworden. Tausende Menschen kamen zu einer Schweigeminute zusammen. Etwas weiter östlich, vor dem Gebäude der EU-Kommission und damit unweit der attackierten Metro-Station Maelbeek, schließen sich die Premierminister Franreichs und Belgiens, Minister Manuel Valls und Charles Michel, sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dem Gedenken an. Michel spricht an diesem Tag von einem „tiefen Schmerz im Bauch“.

Trotz der höchsten Terrorwarnstufe sollten die Schulen laut belgischem Krisenzentrum grundsätzlich geöffnet sein. Dasselbe galt für Behörden und Einkaufszentren.

Auch die EU-Institutionen ringen um den Weg zurück zur Normalität. Den Mitarbeitern der EU-Kommission sei es freigestellt, von zu Hause zu arbeiten, heißt es aus der Brüsseler Behörde. Am Mittwoch war auch klar, dass drei Mitarbeiter der EU-Kommission verletzt wurden.

Pessimismus in Molenbeek

Für die Bewohner des Problemviertels Molenbeek sind die Auswirkungen der Terrorattacke katastrophal. Sie müssen mit einer weiteren Verschärfung der Lage rechnen, nachdem dort vermutlich viele mutmaßliche Terroristen untergetaucht sind. Der 33-jährige Murat H. ist sicher, dass die Attentate enorme Folgen für Molenbeek haben werden. Der Muslim weist auf die hohe Arbeitslosenrate und die sozialen Probleme in dieser Brüsseler Gemeinde hin. „Ich bin sehr pessimistisch für die Zukunft“, sagt er belgischen Medien gegenüber. „Ich sehe nicht, warum es hier bald besser werden sollte.“