IS droht mit weiteren Anschlägen in Europa

Spezial / 23.03.2016 • 23:01 Uhr

Hunderte mögliche IS-Terroristen in Europa. Terrorgefahr ist daher sehr groß.

den haag, brüssel. Nach den Terroranschlägen in Brüssel hat der sogenannte Islamische Staat (IS) mit weiteren Angriffen in Europa gedroht. Ziele sollen am Anti-IS-Kampf beteiligte Staaten sein. Die Terrormiliz schrieb in einer aktualisierten Verlautbarung, den gegen sie kämpfenden Nationen drohten „dunkle Tage“. „Was kommt, ist schlimmer und bitterer“, hieß es.

Das Kommuniqué wurde in arabischer und französischer Sprache veröffentlicht. Die auf die Beobachtung von Extremistenwebseiten spezialisierte Site Intelligence Group stellte eine englischsprachige Übersetzung bereit. Die Gefahr neuer Anschläge in Europa, vor allem in Frankreich, sei tatsächlich sehr groß, informiert die europäische Polizeibehörde Europol in den Haag.

Nach Informationen von Europol gibt es IS-Terrorzellen in der EU. Mutmaßliche Terroristen würden nicht nur in Syrien, sondern auch in Trainingslagern in EU-Staaten und Balkan-Ländern ausgebildet. Die Gefahr, dass sich unter syrischen Flüchtlingen Terroristen befinden, wird als gering eingeschätzt. Die Nachrichtenagentur AP berichtete unter Berufung auf europäische und irakische Geheimdienstmitarbeiter und einen französischen Abgeordneten, dass mindestens 400 ausgebildete Kämpfer für mögliche Anschläge nach Europa geschickt worden seien. Die Zellen seien agil, halbautonom und stünden miteinander in Verbindung, hieß es.

Anschläge werden Europol zufolge von einer außerhalb Syriens operierenden Kommandoeinheit koordiniert. Die Terrorzellen nutzen das Internet für ihre Kommunikation und für den Kauf von falschen Papieren und Waffen. Von den europäischen IS-Kämpfern hatten der Analyse zufolge bis zu 80 Prozent eine kriminelle Vergangenheit. Mindestens 20 Prozent waren wegen psychischer Probleme behandelt worden.

Vor Ort geschwächt

Im Zuge von Luftangriffen einer Koalition unter Führung der USA sowie Russlands und dem Einsatz von Bodentruppen in Syrien und im Irak hat der IS schätzungsweise 40 Prozent des von ihm kontrollierten Gebiets im Irak und mehr als 20 Prozent in Syrien verloren. Nach diesen Rückschlägen scheint die Strahlkraft der Terrormiliz unter ihren Anhängern nachgelassen zu haben. Dennoch ist der IS nicht weniger gefährlich geworden. Zunehmend setzt die radikalislamistische Organisation auf Terroranschläge.

Nach den Attentaten von Paris im November mit 130 Toten und dem Anschlag auf ein in Ägypten gestartetes russisches Passagierflugzeug, bei dem 224 Menschen starben, mehrten sich die Rufe nach einem härteren Vorgehen gegen den IS. Die Terrororganisation hatte sich zu den beiden Anschlägen bekannt.