Von Vorarlberg über die Türkei in den tödlichen Dschihad

Spezial / 01.12.2015 • 21:59 Uhr
Deni Vasiljev (links) bei seinem Auftritt als Grenzwächter bei einer Veranstaltung 2010 im Bregenzer Festspielhaus. Großes Bild: Das Foto des Blogs
Deni Vasiljev (links) bei seinem Auftritt als Grenzwächter bei einer Veranstaltung 2010 im Bregenzer Festspielhaus. Großes Bild: Das Foto des Blogs “ANF-News” mit den Ausweisen des mutmaßlichen Dschihadisten.

Islamist soll lange Zeit in Vorarlberg gelebt haben und im Kampf für den IS gestorben sein.

Schwarzach. (VN) Von Verfolgung und Unterdrückung geflohen, als Unterdrücker und Terrorist gestorben. Fast zehn Jahre hat dieser Mann in Vorarlberg gelebt, besaß eine E-Card, besuchte den Zahnarzt, nahm an Veranstaltungen teil. Nun soll Deni Vasiljev tot sein. Gestorben im Krieg in Syrien und im Irak, als Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Zumindest veröffentlichte eine kurdische Internetseite Fotos mit Ausweisen von Vasilijev und ein Bild seiner vermeintlichen Leiche.

Eine E-Card, die Visitenkarte eines Bregenzer Zahnarztes, einen Kranfahrerausweis, einen Staplerfahrerausweis, eine Rot-Weiß-Rot-Karte, ausgestellt am 2. Dezember 2012 in Bregenz, gültig bis 1. Dezember 2015. Dazu eine Sim-Karte, einen Western-Union-Ausweis und die Karte eines Istanbuler Hotels. Diese Gegenständte sind auf einem Foto zu sehen, das die kurdische Internetseite „ANF-News“ veröffentlichte. Zusammen mit einem Bild eines toten Mannes mit verpixeltem Gesicht. Der Name auf dem Ausweis: Dzianis Vasilyeu und Deni Vasiljev. Geboren am 9. August 1982 in Grodno in Weißrussland.

Womöglich über Deutschland

Laut des kurdischen Internetblogs soll Vasiljev über Deutschland in die Türkei gereist sein. Laut Hotelkarte auf dem Foto kam er in einem Istanbuler Hotel unter. Wie er schließlich in den Irak kam, ist unbekannt.

2010 schaffte er es bereits in die Medien. Er war Teilnehmer eines Flüchtlingstages in Bregenz, bei dem er als Grenzwächter verkleidet den Menschen zeigte, was Flucht bedeutet. In einem sogenannten „Fluchtparcours“ wurde simuliert, was Flüchtlinge durchmachen müssen. Sechs Jahre davor, also 2004, flüchtete er nach Vorarlberg. 2010 gab er an, mit Schleppern über die Grenze nach Österreich gekommen zu sein. Den Aufenthaltstitel muss er nach 2010 erhalten haben, in den Berichten aus diesem Jahr ist von Vasiljev als Asylwerber die Rede.

Wann er in die Fänge radikaler Islamisten geraten ist, steht nicht fest. Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler (62, ÖVP) hatte am Dienstagabend keine Informationen. Er wird sich heute, Mittwoch, beim Verfassungsschutz informieren, bis dahin sollte die Behörde alles zusammengetragen haben (siehe Interview rechts). Landespolizeidirekt Hans-Peter Ludescher (54) wollte auf VN-Nachfrage keine Auskunft geben: „Zu Einzelfällen gibt die Polizei keine Stellungnahme ab.“

Kran- und Staplerfahrer

Was fix ist: Vasiljev hatte im Jahr 2010 Kurse für den Kran- und Staplerführerschein absolviert, wie den VN von Ausbildner Bernd Doppler persönlich bestätigt wurde. Die Ausbildung zum Staplerfahrer fand vom 10. bis 15. September 2010 statt. Zu dieser Zeit war der Weißrusse bei keiner Vorarlberger Firma beschäftigt, die Caritas übernahm die Kosten für Vasiljevs Ausbildung. Das ist eine Initiative, die Asylwerbern helfen soll, in Vorarlberg einen Job zu finden, damit sie sich zu Hause fühlen. In fast allen Fällen klappt das. Nicht bei Deni Vasiljev. Geboren am 9. August 1982 in Weißrussland, geflüchtet im Jahr 2004 nach Vorarlberg. Gestorben 2015, für eine Terrormiliz.

Zu Einzel­fällen geben wir keine Stellung­nahme ab.

Hans-Peter Ludescher
VN-Bericht vom 21. Juni 2010.
VN-Bericht vom 21. Juni 2010.