Zwei neue Städte
Wie auch US-Präsident Barack Obama jüngst beim Jubiläumsbesuch in New Orleans beklagte, entstanden aus dem Schlamm und dem Schutt von Tausenden von zerstörten Häusern, Geschäften und Betrieben in der vergangenen Dekade zwei neue Städte: Das „weiße“ New Orleans der Begüterten und Reichen, moderner und schöner als zuvor. Ein Anziehungspunkt für Touristen und „hippe“ Aufsteiger.
Die andere Stadt ist das „schwarze“ New Orleans der von der Obrigkeit schon immer vernachlässigten Armen. Schäbiger und trostloser als selbst vor der Katastrophe. Hierher kommen keine Touristen. Denn hier leben und oder vegetieren in halbverfallenen Ruinen und in nur wenigen wiederaufgebauten Häusern die Hoffnungslosen, die Verzweifelten und von Versicherungsgesellschaften und Banken ausgeplünderten und von einer ignoranten oder unfähigen Politik im Stich Gelassenen. Das „weiße“ New Orleans hat inzwischen so viele Bewohner wie vor der großen Flut. In das „schwarze“ New Orleans ist nur jeder zweite der ursprünglichen Bewohner zurückgekehrt.
Staatliche Stellen pumpten fast 100 Milliarden an Aufbauhilfen in die Stadt, das meiste kam aber nur im „weißen“ New Orleans an. Im „schwarzen“ New Orleans fristet fast jeder zweite Bewohner weiterhin ein freudloses Leben unterhalb der Armutsgrenze. Im „weißen“ Stadtteil wird die Wiedergeburt der „Hauptstadt des Jazz“ gefeiert und im „schwarzen Stadtteil“ die „unendliche Geschichte des Rassismus“ beklagt. Eine Erfolgsbilanz sieht anders aus.
Peter W. Schroeder, Washington