“Die Ärzte operieren Tag und Nacht”

Spezial / 27.04.2015 • 22:18 Uhr
Die Spitäler, wenn sie noch existieren, sind mit Verletzten überfüllt. Jede helfende Hand ist in Nepal derzeit gefordert. Foto: Reuters

Die Spitäler, wenn sie noch existieren, sind mit Verletzten überfüllt. Jede helfende Hand ist in Nepal derzeit gefordert. Foto: Reuters

Ein von Vorarlbergern errichtetes Spital leistet Soforthilfe für die Erdbebenopfer.

feldkirch. „Was ist mit eurem Spital passiert?“ Diese Frage bekommt Diether Fink seit dem verheerenden Erdbeben in Nepal immer wieder gestellt. Aber zumindest eine gute Nachricht hat er: „Das Krankenhaus in Dhulikhel ist glücklicherweise unversehrt. Es sind auch keine Menschen zu Schaden gekommen.“ Das Engagement der Ärzte und des Pflegepersonals gilt jetzt den zahlreichen Opfern der Katastrophe. „Es wird buchstäblich Tag und Nacht operiert“, weiß Fink aus einem kurzen Gespräch, das ein Mitarbeiter des deutschen Vereinsablegers von „NepaliMed“ via Satellitentelefon am Sonntag führen konnte.

Unterdessen ist die Zahl der Todesopfer auf über 4000 gestiegen, wie das nepalesische Innenministerium am Montag mitteilte. Die Regierung befürchtet allerdings, dass bis zu 5000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Sie hat den Notstand ausgerufen. Internationale Hilfe ist angelaufen.

Kontakt besteht weiter

Das Dhulikhel Hospital wurde 1996 eröffnet. Das Projekt hatten vor allem Diether Fink, Kristl Moosbrugger und Elmar Hagen betrieben. Die benötigten Spendengelder kamen über Veranstaltungen und durch Sponsoren herein. Obwohl „NepaliMed“ als Verein in Vorarlberg nicht mehr existiert, blieb der Kontakt zum Krankenhaus und dessen Leiter, Ram Shresta, der sieben Jahre im Landeskrankenhaus Feldkirch arbeitete, erhalten. „Wir sind alle zwei Jahre vor Ort“, erzählt Kristl Moosbrugger, Seniorchefin des Hotels Post in Lech. Über die in Villach lebende Schwiegermutter von Shresta erhielten sie erste Informationen zur Situation in Dhulikhel. Wie die meisten anderen Bewohner der Region schlafe auch die Familie ihrer Tochter aus Angst vor weiteren Nachbeben im Freien, berichtete die Mutter von Andrea Shresta.

Dhulikhel liegt 30 Kilometer östlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu und etwa 110 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt. Es gilt als das schwerste seit 80 Jahren. Sowohl Kristl Moosbrugger als auch Diether Fink wissen: „Sie haben viel Glück gehabt.“ Außer ein paar Rissen in Häusern richtete das Beben in der Region rund um Dhulikhel keine Schäden an. Geldspenden für „NepaliMed“ werden laut Diether Fink direkt an Ram Shresta weitergeleitet, der sie dann an Betroffene des Erdbebens verteilt.

Der Katastrophe entkommen

Der Katastrophe knapp entkommen ist Thomas Haunschmid, Projektverantwortlicher bei Care Österreich. Der gebürtige Vorarlberger reiste 25 Stunden vor dem großen Crash aus Nepal ab. Aber schon die erste E-Mail, die er nach seiner Rückkehr erhielt, holte ihn in die dramatische Wirklichkeit zurück. Care-Mitarbeiter vor Ort berichteten Haunschmid von infernalischen Zuständen, schwer traumatisierten Erwachsenen und Kindern, die schreiend herumlaufen. Nun ist die Hilfsorganisation damit beschäftigt, Zelte, Decken, Lebensmittel und Hygieneprodukte für rund 75.000 Menschen zu organisieren.

Nach wie vor werden im Erdbebengebiet auch an die 100 Österreicher vermutet. Zu 80 Personen, die in der Gegend unterwegs waren, gibt es laut Außenministerium inzwischen Kontakt. Zu rund 20 konnte noch keine Verbindung aufgenommen werden. Berichte über verletzte oder tote Österreicher gibt es bislang nicht.

Das Spital in Dhulikhel ist glücklicherweise unversehrt.

Diether Fink
Die Bevölkerung kann nur warten und hoffen. Währenddessen sind zahlreiche internationale Organisationen bemüht, die dringend benötigte Hilfe schnellstmöglich ins Land zu bringen. Fotos: AP

Die Bevölkerung kann nur warten und hoffen. Währenddessen sind zahlreiche internationale Organisationen bemüht, die dringend benötigte Hilfe schnellstmöglich ins Land zu bringen. Fotos: AP