Copilot hat Maschine gezielt auf Todeskurs gesteuert

Flugzeugkatastrophe ist kein Unfall. Die letzten Minuten des Germanwings-Flugs 4U9525.
MARSEILLE, DÜSSELDORF. (VN) Die Germanwings-Katastrophe war offenbar kein Unglück, sondern Absicht: Der Copilot soll die Maschine gezielt in die Felsen der französischen Alpen gesteuert und 149 Menschen mit sich in den Tod gerissen haben. Zu dieser Schlussfolgerung kam die französische Staatsanwaltschaft am Donnerstag nach Auswertung von Aufnahmen aus dem Cockpit.
Die Maschine war am Dienstag auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den Bergen abgestürzt. Dabei waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Staatsanwalt Brice Robin aus Marseille schilderte den Hergang so: Der Pilot habe das Cockpit kurz verlassen, wahrscheinlich, um auf die Toilette zu gehen. Als er zurückkam, ließ Copilot Andreas L. (28) seinen Kollegen den Angaben zufolge nicht mehr in die Kanzel.
Zu dem Zeitpunkt hatte L. bereits per Hand den Sinkflug von der Reiseflughöhe von 38.000 Fuß eingeleitet. Der Funkkontakt zum Boden war bereits abgebrochen. Der Pilot habe mehrfach an die Tür geklopft, aber keine Reaktion erhalten. Die Tür habe nur manuell blockiert werden können. „Das Plausibelste, das Wahrscheinlichste ist, dass der Copilot sich aus freien Stücken weigerte, die Tür für den Kapitän zu öffnen, und dass er den Knopf zum Sinkflug drückte“, sagte Robin. Es sei die „Intention gewesen, das Flugzeug zu zerstören“.
Auf der Aufzeichnung der letzten Minuten des Flugs sei Trommeln an der Cockpittür zu hören, ebenso wie der Alarm des Flugzeugs. Während der gesamten Zeit sei der Atem des Copiloten normal gewesen. Robin zufolge „ist es offensichtlich, dass dieser Copilot die Abwesenheit des Kapitäns ausnutzte“.
Auf der Aufnahme seien auch panische Schreie der Passagiere zu hören gewesen. „Ich glaube, den Opfern wurde es erst ganz zum Schluss klar“, sagte der Ermittler. Die Familien der Unglücksopfer wurden von den Ermittlungsergebnissen unterrichtet. Diese zu glauben, falle den Angehörigen jedoch schwer, informiert Robin.
Warum?
Lufthansa-Chef Spohr zeigte sich angesichts dieser Ermittlungsergebnisse perplex. Der Konzern Lufthansa, zu dem auch Germanwings gehört, suche sein Personal sehr sorgfältig aus, sagte Spohr in Köln. Piloten durchliefen bei der medizinischen Eignungsprüfung allerdings keine psychologischen Tests, räumte er ein. Spohr sagte, er habe sich nicht vorstellen können, dass der Fall noch schlimmer werden könne.
Andreas L. hat 2008 bei Germanwings eine Ausbildung begonnen und wurde nach dem Abschluss im September 2013 bei der Airline eingestellt. Er hatte 630 Flugstunden. Warum L. den Airbus absichtlich zum Absturz gebracht hat, ist noch ein Mysterium.
Airlines ziehen Konsequenzen
Indes ziehen die größten deutschen Airlines Konsequenzen und wollen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Künftig soll sich kein Pilot mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen, so Matthias von Randow vom Bundesverband Deutsche Luftverkehrswirtschaft.
