Trümmer, Tod und große Sorgen

40.000 Menschen sterben auf Sri Lanka. Hilfseinsatz mit Father Tissa Balasuriya.
colombo. Mauerreste, Teile von Möbeln, zerbrochenes Glas, Kinderspielzeug, Bootswracks, modriger Geruch: Das Fischerdorf Seenigama an der Südküste der Insel Sri Lanka ist ein einziges Trümmerfeld, das sich vom Meeresufer fast zwei Kilometer landeinwärts zieht.
Vor zehn Jahren, am 26. Dezember 2004, hat der Tsunami weite Küstenteile Südostasiens verwüstet. Auf Sri Lanka starben 40.000 Menschen. Die Naturkatastrophe dauerte 15 Minuten. Dann war alles vorbei.
Flucht vor der Flutwelle
Hier in Seenigama sind Hunderte ums Leben gekommen. Die genaue Anzahl ist noch nicht bekannt. Etwa 400 Überlebende sind in einen buddhistischen Tempel auf einer Anhöhe am Rande des Dorfes geflüchtet, wo sie von den Mönchen versorgt werden. „Ich rannte und rannte, aber das Wasser verfolgte mich und holte mich dann ein.“ Wie sie es geschafft hat, der Flutwelle zu entkommen, daran erinnert sich die 42-jährige Singhalesin nicht. Sie steht noch immer unter Schock. Ihr Mann und zwei ihrer Kinder sind unter den Toten von Seenigama.
Andere Überlebende kommen hinzu, und jeder hat eine traurige Geschichte zu erzählen: von Angehörigen, Nachbarn, Freunden, die von der Flutwelle erfasst wurden und ertranken oder von Trümmern erschlagen wurden. Von zerstörten Häusern und Hütten. Von Massengräbern, in denen die Opfer begraben wurden. „22 Tote haben wir in ein einziges Loch gestopft“, berichtet ein älterer Mann. Er ist Fischer und war draußen auf dem Meer, als sich die Flutwelle Richtung Küste wälzte. Als er heimkam, existierte sein Dorf nicht mehr.
Paiyagala, ein Fischerort im Südwesten Sri Lankas. „In unserem Dorf sind nur fünf Menschen gestorben“, gibt der Mann im karierten Sarong Auskunft. Sein Haus, das etwa 150 Meter vom Ufer entfernt stand, ist verwüstet worden – wie alle Häuser und Hütten in Paiyagala. Seinen Kummer vertraut er nun dem 82-jährigen katholischen Priester Tissa Balasuriya an. Der Singhalese mit dem schlohweißen, schulterlangen Haar geht durchs Dorf, bleibt stehen, hört den Menschen zu, lässt Kinder an seinem weißen Ordenskleid herumzupfen. Father Tissa leitet das CSR – Center for Society and Religion in der Hauptstadt Colombo. Hauptziel dieser Institution ist es, die verschiedenen Volksgruppen und Religionen dieses Landes miteinander in Kontakt zu bringen und so Konflikte zu lösen. Eine schwierige Aufgabe in einem Land, in dem zu dieser Zeit ein Guerillakrieg herrscht. Auch der Tsunami hat die feindlichen Parteien einander nicht nähergebracht. Im Gegenteil: Die (singhalesische) Regierung beschuldigt die Tamil Tigers – die Rebellen – Kinder zu entführen, die durch die Katastrophe Waisen geworden sind, und sie als Soldaten zu verwenden. Die Tamil Tigers hingegen beschuldigen die Regierung, Spendengelder für Waffenkäufe zu missbrauchen. Keine der beiden Konfliktparteien kann ihre Vorwürfe belegen.
Projekte mit langem Atem
Einmal mehr fährt Father Tissa die Küste entlang, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen. Unmittelbar nach dem Tsunami hat er ein Team zusammengestellt und begonnen, die Menschen in betroffenen Gebieten mit dringend benötigten Hilfsgütern wie Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten und Trinkwasser zu versorgen. „Und nun werden wir Häuser reparieren und neue bauen. Und die Fischer sollen neue Boote bekommen, damit sie wieder arbeiten können“, sagt der Ordensmann. Zudem werde das CSR Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen, denn die Schulen müssen wieder öffnen. „Jetzt brauchen wir Projekte mit langem Atem.“