Ein „liebevoller“ und vorausblickender Start

Spezial / 17.07.2013 • 20:45 Uhr
Das musikalische Programm zur Eröffnung der 68. Bregenzer Festspiele, dargeboten von den Wiener Symphonikern und zahlreichen Solisten, erwies sich als äußerst anregend.
Das musikalische Programm zur Eröffnung der 68. Bregenzer Festspiele, dargeboten von den Wiener Symphonikern und zahlreichen Solisten, erwies sich als äußerst anregend.

Eröffnung der 68. Bregenzer Festspiele stand im Zeichen der humanen „Zauberflöten“-Thematik.

Bregenz. Besonders das musikalische Programm des gestrigen offiziellen Auftakts im Festspielhaus erwies sich als äußerst anregend, bot man doch gleich mehrere Uraufführungen.

Doch zuerst zum Wort. Bundespräsident Heinz Fischer griff das Motto von Mozarts „Zauberflöte“ auf, die am Abend auf der Seebühne Premiere hatte, und verband es mit den Idealen der Aufklärung, die heuer bei den Festspielen thematisiert würden. „Aufklärung, das ist auch ein Bekenntnis zur Wahrung der Menschenwürde.“ Der Bundespräsident verwies darauf, dass sich auch demokratische Gesellschaften mit der Wahrung der Menschenrechte schwertun, wenn sie unter innerem oder äußerem Druck stehen. Heute sei es insbesondere der Terrorismus, der auch Akteure demokratischer Staaten in die Sackgasse des Prinzips „Der Zweck heiligt die Mittel“ treibe. Es sei größte Vorsicht geboten, wenn man Rechtfertigungen für eine Abkehr von Grundprinzipien des Rechtsstaats höre, um etwa gegen den Terrorismus anzukämpfen. „Der Rechtsstaat darf nicht zur Disposition gestellt werden – weder diesseits noch jenseits des Atlantiks“, unterstrich Heinz Fischer. Die Aufklärung habe mitgeholfen, das Faustrecht durch rechtsstaatliche Strukturen zu überwinden. Vor uns stehe die Aufgabe, das moderne Faustrecht, den Terrorismus, zu überwinden. Aufklärung, Demokratie und Menschenrechte seien dabei unverzichtbare Bestandteile. Und es müsse auch die Menschenwürde von Flüchtlingen oder Menschen im Gefängnis unantastbar sein.

Dank an David Pountney

Bezugnehmend auf die Aufführung der „Zauberflöte“ auf dem Völker verbindenden See hob Kulturministerin Claudia Schmied, die sich eigens bei Intendant David Pountney für seinen Einsatz um das „einzigartige Opern-Welttheater“ und für ein junges Publikum bedankte, die Liebe in der abendländischen Kunst hervor. Man müsse sich nur immer wieder daran erinnern: „Am Ende ist man Mensch durch die Liebe“, so Schmied.

Man wolle eine „Welle der Begeisterung“ für das Festival und die Region auslösen, erklärte Festspiele-Präsident Hans-Peter Metzler: „Diese Begeisterung gilt auch für die immens wichtige Interaktion auf einer Plattform vor der Bühne, die durchaus berechtigt im Rampenlicht stehen darf: Begegnung und Repräsentation, Gastfreundschaft und Kommunikation müssen gemeinsam wirken dürfen.“

Das hörte sich bestens an

Eine so zauberhafte wie wirkungsvolle Entscheidung von Pountney war es, einige jener Komponisten mit Adaptierungen von Themen aus der „Zauberflöte“ zu beauftragen, deren Werke in den letzten Jahren bei den Festspielen uraufgeführt wurden oder die hier tätig sind und waren. Was mit der rhythmisch mitreißenden Chorversion der Ouvertüre von Ben Perry begann, erreichte in aneinandergereihten Stücken von Isidora Zebeljan, Detlev Glanert, Judith Weir und Dmitri Smirnov einen Höhepunkt. In tänzerischen, filigranen und schmissigen Sequenzen wurde die Handschrift der jeweiligen Künstler ebenso hörbar wie die Melodien von Mozart bzw. Beethoven. Und dass die Wiener Symphoniker unter Paul Daniel für ein Stück aus der Oper „Der Kaufmann von Venedig“ einige der hervorragenden Musiker aus Vorarlberg mit aufs Podium holten, hörte sich bestens an.

Wenn wir wollen, dass die Menschenwürde unantastbar bleibt, muss das soziale Gefüge unserer Gesellschaft darauf ausgerichtet sein.

BP Heinz Fischer
Festspiele-Präsident Hans-Peter Metzler: „Die Qualität entscheidet, wie immer, darauf vertrauen wir. Und auf Kompetenz.“
Festspiele-Präsident Hans-Peter Metzler: „Die Qualität entscheidet, wie immer, darauf vertrauen wir. Und auf Kompetenz.“