Ein Bischof für alle „im Vertrauen, dass Gott alles fügt“

Spezial / 30.06.2013 • 21:08 Uhr
Benno Elbs zum ersten Mal als Bischof mit Stab und Mitra unterwegs: Die Kinder haben mit so einem jungen Bischof ihre Freude. Fotos: VN/Stiplovsek, Steurer
Benno Elbs zum ersten Mal als Bischof mit Stab und Mitra unterwegs: Die Kinder haben mit so einem jungen Bischof ihre Freude. Fotos: VN/Stiplovsek, Steurer

Amtskirche und Vorarlberger Katholiken feierten ihren neuen Bischof Benno.

Feldkirch. Vergessen die 18 Monate, in denen sich kirchliche Mitarbeiter in aller Ungewissheit um ihre Arbeitsplätze sorgten; die schwarzen Luftballons, die 1989 vom Domplatz aus den Volksprotest gen Himmel trugen – geschenkt. Heute steigen bunte auf. Freude liegt in der Luft. Erleichterung. Applaus pflastert den Weg von Benno Elbs zum Dom. Am Ende eines berührenden Gottesdienstes dankt Vorarlbergs frisch geweihter Bischof seiner Mama und dem verstorbenen Vater: „Ihr habt mir die ersten Gebete gezeigt. Ihr habt mir das Vertrauen geschenkt, dass Gott alle Wege mit uns geht.“

„Gott vertraut Dir“

Wie ein Grundrauschen legt sich dieser Satz über die feierlichen Stunden: „Gott vertraut dir.“ Und auch, wenn der Motor einmal stottert, „Er wird es fügen“. Kardinal Christoph Schönborn stellt dieses Urvertrauen in seiner Predigt in Gegensatz zu Vorarlberger Tugenden, zum unentwegten „Schaffa und Tua“. Er malt das Bild der Lilien auf dem Felde und der Vögel im Himmel: „Sie säen nicht und ernten nicht, und der himmlische Vater ernährt sie doch.“ Sollten wir öfter innehalten in unserer Betriebsamkeit?

Gewiss, so viel ist zu tun. Da müssen Pastoralpläne geschmiedet werden. Pfarreien gehen Verbände ein. Aber ist all das auch „sein Masterplan“ oder nur äußerliche Reorganisation? Wo wird Gottes Atem spürbar? Worum geht es wirklich? Was ist der Kern?

Die vornehmste Aufgabe

Österreichs jüngstem Bischof ruft der Kardinal zu: „Darum geht es in deinem Dienst: Dass Jesus durch dich, Benno, zu den Menschen kommt. Das ist die erste Aufgabe des Bischofs.“ Ein Hirte soll er sein. Und sich nicht über die anderen erheben. Der Hirte „muss wissen, dass er selber ein sündiger, fehlbarer Mensch ist“. Auch er bedarf der Umkehr, die er anderen predigt. Als Hirte benötige er nicht viele Worte, solange „du ein Auge und ein Herz hast für die Armen“.

Bischof Benno Elbs erzählt später eine kleine Geschichte über den heiligen Gebhard. Ein Bettler habe Vorarlbergs Diözesanpatron vor über 1000 Jahren einmal gefragt, wozu sein Bischofsstab wohl tauge. „Damit du dich an ihm aufrichten kannst“, habe Gebhard geantwortet.

Er war Bischof von Konstanz, dieser Gebhard. Ein bedeutender, gewiefter Taktiker. Aber eben auch ein Hirte.

Einprägsam schlicht nehmen sich die Texte aus inmitten des höfischen Zeremoniells, das durch seinen Glanz in fast orthodoxer Manier göttliche Wirklichkeit zu vergegenwärtigen sucht. Im entscheidenden Augenblick, in dem die Bischöfe durch Handauflegung den Beistand des Heiligen Geistes für ihren jüngsten Amtsträger erbitten, stimmt das Ensemble Lindenthal leise ein Lied an. Die Worte hat der selige Carl Lampert in den 1940er-Jahren in einem Brief aus der Todeszelle des NS-Gefängnisses an seinen Bruder Julius gerichtet: „Ein kleiner Sonnenstrahl stiehlt sich durchs kleine Kellerfenster in meine Zellengruft. Allweiser Du, mein Gott, anbetend stehe ich vor Dir. Wie Schalen sind offen mir die Hände mein. Was meiner Seele frommt, leg Du hinein. Und dankend preis ich Dich für Glück und Leid und Tod.“

Dass die Nazis ihn töten würden, war Lampert zu diesem Zeitpunkt voll bewusst. Und doch pries er Gott.

Gepriesen wird an diesem schon ungewohnt sommerlichen 30. Juni 2013 Gott dafür, dass er Vorarlberg einen Bischof nach Maß beschert hat. Die Menschen schätzen Elbs zu Recht, bekräftigt Nuntius Stephan Zurbriggen. Das ganze Land habe seine Ernennung erhofft, unterstreicht LH Markus Wallner. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Land um Elbs’ als Bischof gebeten hat.

Ganz vorne, Benno Elbs‘ Familie gegenüber, verfolgen zwei Frauen aufmerksam den Gottesdienst: Maria Danner und Rosmarie Kaindl. Die Tochter und die Enkelin von Franz Jägerstätter, der als Kriegsdienstverweigerer von den Nazis hingerichtet wurde, sind mit Bischof Benno befreundet.

In der Harfengruppe der Caritas aber spielt „Frau Ida“. Weil andere so mutig waren, sie seinerzeit vor den Nazis zu verstecken, kam sie nicht ins KZ und hat überlebt.

Wir alle sind beauftragt, die Frohbotschaft denen zu bringen, die am Rande des Lebens stehen.

Bischof Benno Elbs
Der Bischofsring. „Trage diesen Ring als Zeichen deiner Treue“, sagte Erzbischof Alois Kothgasser, als er Bischof Benno jenen Ring an den Finger steckte, den Elbs seinerzeit zur Matura von seinen Eltern erhalten hatte. Eine junge Frau in Montafoner Tracht trug das Kleinod zum Altar.
Der Bischofsring. „Trage diesen Ring als Zeichen deiner Treue“, sagte Erzbischof Alois Kothgasser, als er Bischof Benno jenen Ring an den Finger steckte, den Elbs seinerzeit zur Matura von seinen Eltern erhalten hatte. Eine junge Frau in Montafoner Tracht trug das Kleinod zum Altar.
Die Weihe. Nach Erzbischof Alois Kothgasser, Kardinal Christoph Schönborn (Bild) und dem emeritierten Diözesanbischof Elmar Fischer legten alle anwesenden Bischöfe ihrem neuen Mitbruder schweigend die Hände auf und baten um den Heiligen Geist für ihn. Zum Weihegebet hielten zwei Diakone ein Evangeliar über das Haupt des neuen Bischofs. Diese frohe Botschaft soll er verkünden.
Die Weihe. Nach Erzbischof Alois Kothgasser, Kardinal Christoph Schönborn (Bild) und dem emeritierten Diözesanbischof Elmar Fischer legten alle anwesenden Bischöfe ihrem neuen Mitbruder schweigend die Hände auf und baten um den Heiligen Geist für ihn. Zum Weihegebet hielten zwei Diakone ein Evangeliar über das Haupt des neuen Bischofs. Diese frohe Botschaft soll er verkünden.
Allerheiligenlitanei. Bevor er zum Bischof geweiht wurde, erbat die ganze Kirchengemeinde die Fürsprache der Seligen und Heiligen, u. a. der Seligen Carl Lampert und Franz Jägerstätter.
Allerheiligenlitanei. Bevor er zum Bischof geweiht wurde, erbat die ganze Kirchengemeinde die Fürsprache der Seligen und Heiligen, u. a. der Seligen Carl Lampert und Franz Jägerstätter.
Nuntius Zurbriggen gratulierte beschwingt und heiter.
Nuntius Zurbriggen gratulierte beschwingt und heiter.
Ministranten. 126 Ministranten symbolisierten beim Einzug der Bischöfe in den Dom alle Pfarreien des Landes. Nach dem Gottesdienst empfingen sie ihren Bischof Benno mit bunten Luftballons.
Ministranten. 126 Ministranten symbolisierten beim Einzug der Bischöfe in den Dom alle Pfarreien des Landes. Nach dem Gottesdienst empfingen sie ihren Bischof Benno mit bunten Luftballons.
Der Hirtenstab. Erzbischof Alois Kothgasser übergibt dem neuen Bischof Benno Elbs den Hirtenstab: „Trage Sorge für die ganze Herde Christi.“
Der Hirtenstab. Erzbischof Alois Kothgasser übergibt dem neuen Bischof Benno Elbs den Hirtenstab: „Trage Sorge für die ganze Herde Christi.“

Zur Person

Benno Elbs

Der neue Bischof der katholischen Kirche in Vorarlberg im Steckbrief

Geboren: 16. Oktober 1960

Laufbahn: Priesterweihe am 16. Mai 1986 durch Bischof Bruno Wechner; 1986–1989 Kaplan in Bregenz-Mariahilf; 1989 Spiritual, 1990 Rektor des Studieninternats Marianum in Bregenz; 1994–2005 Leiter des Pastoralamts der Diözese Feldkirch; 2005–2011 Generalvikar der Diözese Feldkirch; 2011 vom Konsultorenkollegium zum Diözesanadministrator gewählt. Bischofsweihe am 30. Juni 2013.

Texte zur Bischofsweihe. Die
Predigt und die Reden.