Eine braune Spur der Verwüstung folgt dem tagelangen Dauerregen

Ostösterreich, Teilen Deutschlands und Tschechiens stehen weitere Fluten bevor.
Schwarzach. Sie wussten, dass das Wasser steigen würde. Doch mit diesen Massen hatte niemand gerechnet. Nicht nur die Bewohner und Ladenbesitzer der Passauer Altstadt bangten am Wochenende um ihr Zuhause und ihren Besitz. In Passau fließen Donau, Inn und Ilz zusammen. Das ergab in der Nacht zum Sonntag einen Wasserstand von über 9,50 Meter. Die Altstadt wurde hilflos überflutet.
Die braunen Wogen wälzten sich in Teilen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs übers Land. Schon führten manche das Wort von der „Jahrhundertflut“ im Mund. Ein kleiner Überblick:
Menschenleben zu beklagen
» Salzburg: In St. Johann im Pongau wurden drei Arbeiter von einem Murenabgang überrascht. Ein 62-jähriger Landwirt konnte nur noch tot geborgen werden. Die Männer waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt gewesen.
In Taxenbach im Pinzgau stürzte ein Bauer mit seinem Traktor in einen Bach. Er wollte eine Verklausung lösen. Eine Mure riss ihn mit sich. Er galt bis zum Abend als vermisst. Zwei Schwestern im Pinzgau stürzten in ihrem Pkw in einen Bach. Beide jungen Frauen konnten sich aus dem Auto befreien, eine wurde aber von den Wassermassen mitgerissen.
Teile des Pinzgaus wurden zum Katastrophengebiet erklärt. Auch in der Stadt Salzburg spitzt sich die Lage zu, die Salzach trat über die Ufer. Für die Stadt Hallein im Salzburger Tennengau wurde Zivilschutzalarm ausgelöst.
Donau stieg ohne Unterlass
» Niederösterreich: Die Landeswarnzentrale rief für alle Bezirke an der Donau Hochwasseralarm aus. Die Altstadt von Melk stand Sonntagnachmittag schon kurz vor der Überflutung. Evakuierungen waren auch in zahlreichen Orten des Bezirks Krems notwendig.
» Oberösterreich: Der Bezirk Gmunden ist am stärksten betroffen, die Gemeinde Obertraun wurde komplett von der Außenwelt abgeschnitten. In Steyr waren einige Brücken unpassierbar. In Linz trat die Donau beim Urfahraner Jahrmarktgelände über die Ufer. Hunderte Bewohner von Ettenau bei Ostermiething im Bezirk Braunau verließen ihre Häuser, weil die Salzach über die Ufer getreten ist.
» Steiermark: Enns und Traun sind über die Ufer getreten. Auch im Bezirk Murau macht das Hochwasser Probleme.
» Tirol: Besonders betroffen sind die Bezirke Kitzbühel und Kufstein. Mehrere Hundert Personen mussten in Sicherheit gebracht werden.
Noch eine schlimme Nacht
Während in Vorarlberg am Sonntagabend sogar teilweise die Sonne durch die Wolken blinzelte, war das Hochwasser in andern Teilen Österreichs, in Deutschland und in Tschechien noch lange nicht am Abklingen.
Die Pegel mehrerer Flüsse stiegen auch am Sonntag weiter an. Besonders betroffen sind laut Polizei die Städte Chemnitz, Passau und Tübingen. Starker Dauerregen lässt auch in Tschechien die Flüsse weiter anschwellen. In Prag starb eine Frau in den Trümmern ihrer Datscha.
Das Schweizerische Umweltbundesamt hingegen meldete Sonntagabend, man habe „das Hochwasser gut bewältigen können“. Überschwemmungen hatten u. a. in Widnau dafür gesorgt, dass das Gefängnis evakuiert werden musste. Über die Schweizer Grenze kamen auch die guten Nachrichten: Überwiegend trockenes Wetter und bis zu 24 Grad erwartete Daniel Murer von MeteoSchweiz.

