Die große Flut forderte in 72 Stunden mehr als 1200 Einsätze in Vorarlberg

Hochwasser: Tausende Helfer und nachlassender Regen verhinderten Schlimmeres.
Schwarzach. (VN-tag, tm) Die einen hörten nach einer durchwachten Nacht Sonntag früh endlich das Prasseln des Regens leiser werden. Andere sahen sich, wie in der Bregenzer Achsiedlung, entkräftet an, was Wasser oder Schlamm in wenigen Minuten angerichtet hatten.
Ein paar Menschen werden sich den Schweiß von der Stirn gewischt haben, wie etwa jener Autofahrer, der auf einem aufgeweichten Forstweg bei Hittisau beinahe abgestürzt wäre. Andere nickten quasi im Stehen ein: Tausende Feuerwehrleute im ganzen Land, die Leute der Bauhöfe und die von der Wildbach- und Lawinenverbauung. Und wohl auch Philipp Bachmann. Einsatzleiter in der Landeswarnzentrale. 1270 Einsätze stand am Sonntag gegen 16.30 Uhr auf seinem Bildschirm zu lesen. „Viel geschlafen seit Freitagabend?“ „Geht so“, kommt es ein wenig abwesend zurück.
Anrufe ohne Ende
Die Nacht von Freitag auf Samstag bot allein in der Stunde vor Mitternacht mit 83 Anrufen einen ersten Vorgeschmack. Samstagmorgen war dann die Hölle los. Schon zwischen 9 und 10 Uhr meldeten 100 Vorarlberger großteils vollgelaufene Keller. Dabei hatten die Feuerwehrleute mit Unterstützung des Bundesheers u. a. mit 15.000 Sandsäcken tapfer dagegengehalten. Das Team rund um Philipp Bachmann koordinierte all diese Einsätze.
Diesmal waren die Vorhersagen der Meteorologen beinah punktgenau eingetroffen. „In Laterns haben wir mit 132 Millimetern Regen pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden den Spitzenwert gemessen“, so Günter Scheibenreif von der Wetterdienststelle in Bregenz. In der Landeshauptstadt fielen den ganzen Samstag über 117 mm. Die Flüsse trieb der „Segen“ von oben zu Höchstleistungen an. Die Bregenzerach etwa floss Sonntag früh um 2.35 Uhr mit 955 Kubikmetern Wasser pro Sekunde Richtung Bodensee. Auch die Dornbirnerach und die Ill stiegen bedrohlich an.
Muren verlegten Straßen
Muren gingen unter anderem in Langen bei Bregenz, in Fraxern und im Bregenzerwald nieder. Zwei jugendliche Mopedfahrer stürzten in der Nacht auf der L 26 zwischen Egg und Schwarzenberg, weil sie einen auf eine Straße abgegangenen Erdrutsch zu spät erkannten, und verletzten sich. Die Rheintalautobahn bei Dornbirn-Nord stand ebenso unter Wasser wie die L 190 zwischen Nenzing und Nüziders.
Der Bodensee legte bis Sonntag um weitere 35 Zentimeter auf 4,50 Meter zu. Damit lag sein Wasserstand etwa einen halben Meter über dem langjährigen Durchschnitt für den 2. Juni, aber noch deutlich unter dem Rekordwert von 1999.
Der See wird auch heute noch steigen, weil jetzt noch Schmelzwasser hinzukommt. Deshalb hat Bregenz vorsorglich die Pumpen entlang des Ufers installiert, die schon 1999 geholfen hatten, das Pfingsthochwasser in den Griff zu kriegen. ##Thomas Matt##

23, Altach.
Unser Terrassenraum stand gestern bis zu einem Meter unter Wasser. Wir hatten zwar schon öfters Probleme mit Hochwasser, so schlimm wie an diesem Wochenende war es noch nie.

35, Hard.
Die Keller in unserem Wohnhaus stehen immer noch alle unter Wasser. Alle Waschmaschinen sind kaputt, und es wird wahrscheinlich noch Tage dauern, bis der Schaden behoben sein wird.

27, Vorstand SCR Altach.
Wir haben in der Cashpoint-Arena stellenweise bis zu einem halben Meter Wasser gemessen. Der Fitness- und Besprechungsraum war voll mit Wasser. So extrem war es noch nie.


73, Bädercenter Altach.
Bei uns stand gestern eine Rampe halb unter Wasser. Wir müssen im Land immer wieder mit Hochwasser rechnen, deswegen bin ich froh, dass wir die freiwillige Feuerwehr haben.

57, Bregenz.
Die Tiefgarage in der Achsiedlung hat es böse erwischt. Sie war gestern voll mit Wasser. Mein Auto steht da auch noch drin. Wie hoch der Schaden sein wird, kann ich aber noch nicht sagen.
