Tornado lässt Tote und ein Trümmerfeld zurück

Spezial / 21.05.2013 • 21:45 Uhr
Viele Bewohner der Kleinstadt Moore haben alles verloren: Außer einem Schaukelstuhl ist Gene Tripp (Bild) nichts geblieben. Foto: AP
Viele Bewohner der Kleinstadt Moore haben alles verloren: Außer einem Schaukelstuhl ist Gene Tripp (Bild) nichts geblieben. Foto: AP

Sturm mit Windstärken von bis zu 320 Kilo­metern pro Stunde kam wie aus dem Nichts.

oklahoma. Es sind Bilder wie aus einem Endzeitfilm: In den Wohngebieten der US-Kleinstadt Moore hat ein verheerender Tornado nichts als Zerstörung übrig gelassen. Mit Windstärken von bis zu 320 Kilometern pro Stunde zog er am Montag in dem Ort nahe der Großstadt Oklahoma City eine Schneise der Verwüstung. Die Einwohner standen gestern in einem Trümmerfeld, das früher ihr Zuhause war: zwischen zersplitterten Häuserlatten, Dachtrümmern und Wasserfontänen aus zerstörten Leitungen.

Rund 40 Minuten hat der Sturm im US-Bundesstaat Oklahoma gewütet. Mindestens 24 Menschen seien gestorben. Das teilte das Büro des zuständigen Gerichtsmediziners laut US-Medienberichten mit. Vor dieser Korrektur hatten die Behörden offiziell von 51 und manche Medien von mehr als 90 Toten gesprochen.

Chaos nach dem Wirbelsturm

Die chaotischen Zustände nach dem Wirbelsturm könnten laut Medienberichten dazu geführt haben, dass manche Opfer anfangs doppelt gezählt wurden. Es sei aber möglich, dass die endgültige Totenzahl deutlich höher sei. Das betonte auch US-Präsident Barack Obama. Das Ausmaß der Katastrophe sei noch unklar, sagte er gestern im Weißen Haus in Washington. Obama versprach den Opfern schnelle Hilfe: „Der gesamte Fokus unserer Nation richtet sich auf die dringende Rettungsarbeit.“ Die Stadt Moore werde von der Bundesregierung alles erhalten, was sie benötige. Der Leiter der Katastrophenschutzbehörde Fema sei bereits vor Ort. Helfer aus dem ganzen Land hätten ihre Arbeit aufgenommen.

Mehr als 230 Menschen seien verletzt worden, berichtete der Lokalsender KFOR-TV unter Berufung auf Behörden. Knapp 150 mussten in einer Klinik behandelt werden. Hunderte verloren ihr Zuhause.

Zwischen der Warnung des Wetterdienstes über die Sirenen in den Ortschaften bis zu dem Moment, als der Rüssel des Sturms auf den Boden stieß, seien am Montag nur 16 Minuten geblieben, hieß es in einem Bericht der „New York Times“. Dann raste der Trichter auf die Ortschaften nahe Oklahoma City zu.

Suche nach Verschütteten

Die Menschen, die in den wenigen Minuten Schutz in Kellern finden konnten, sammelten gestern ihre Habseligkeiten aus den Trümmern ihres Besitzes oder suchten Verwandte, Freunde und Nachbarn, die immer noch vermisst wurden. Manche haben alles verloren. „Zahlreiche Wohngebiete wurden komplett dem Erdboden gleichgemacht“, sagte ein Polizist aus Oklahoma City. „Es ist so verheerend“, betonte eine Mutter von drei Kindern, die sich mit ihrer Familie in einen Schutzkeller retten konnte, im Sender „Foxnews“. Als sie die Warnung erhielten, seien sie gerannt und hätten im Schutzraum gewartet. Nun seien sie zu einer der zerstörten Schulen zurückgekommen, um Verschüttete zu suchen. Viele Schüler sollen noch unter dem Schutt des Gebäudes liegen. Mindestens sieben Kinder sind laut Behörden von dem Tornado in den Tod gerissen worden.

„Wie im Katastrophenfilm“

„Die ganze Stadt sieht aus wie ein Trümmerfeld“, sagte Moores Bürgermeister Glenn Lewis. „Genau wie in dem Katastrophenfilm ,Twister‘“, beschrieb ein Augenzeuge dem Sender CNN das Wirbelsturm-Chaos. Eine Frau erzählte, dass von ihrem Haus nur eine Wand stehen geblieben sei.

Nach vorläufigen Berechnungen der Wetterbehörde hatte der Tornado die Stärke F4 – die zweithöchste Stufe auf der Schadensskala der Wirbelstürme. Dabei schlug er fast denselben zerstörerischen Pfad ein wie der bisher schwerste Wirbelsturm Oklahomas im Jahr 1999, bei dem 36 Menschen ums Leben kamen und mehr als 8000 Gebäude zerstört wurden.

Zahlreiche Wohngebiete wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Polizist aus Oklahoma City
Tornado lässt Tote und ein Trümmerfeld zurück
Der Tornado zog mit bis zu 320 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch die Kleinstadt Moore. Foto: AP
Der Tornado zog mit bis zu 320 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch die Kleinstadt Moore. Foto: AP
Kinder mussten aus verschütteten Schulen gerettet werden. Foto: AP
Kinder mussten aus verschütteten Schulen gerettet werden. Foto: AP