Landesrat auf Zeit

Spezial / 15.02.2013 • 22:28 Uhr

Mit der Entscheidung, Andrea Kaufmann zu seiner Nachfolgerin zu bestimmen, hat Wolfgang Rümmele sich selbst einen starken Abgang und der Stadt Dornbirn einen guten Übergang verschafft. Rümmele installierte mit Kaufmann seine deklarierte Wunschnachfolgerin, bestimmte selbst den Zeitpunkt seines Rücktritts – und verschafft Kaufmann damit auch die notwendige Zeit, sich bis zur Gemeindewahl 2015 als Bürgermeisterin zu positionieren. Rümmele redet nicht nur vom Generationenwechsel – er macht ihn möglich.

Und sorgt, nebenbei bemerkt, auch noch dafür, dass erstmals in der Geschichte eine Frau an der Spitze einer Vorarlberger Stadt stehen wird. Die Fußstapfen, in die Kaufmann tritt, sind allerdings groß – mit Rümmele endet in Dornbirn eine politische Ära.

Des einen Freud’ ist freilich des anderen Leid. Sprich: Landeshauptmann Markus Wallner muss sich erneut auf die Suche nach einem Landesrat machen und einen Abgang aus der Regierung kompensieren. Auch wenn die drei Rücktritte aus der Landesregierung seit Juni 2012 nur bedingt miteinander zu vergleichen sind – Gögele ging aus persönlichen Gründen, Stemer skandalbedingt, Kaufmann geht nun der Karriere wegen. Wer aber soll folgen? Angesichts der näherrückenden Landtagswahl 2014 wird die Suche nicht leichter – wer auch immer Kaufmann im Kulturressort nachfolgt, riskiert unter Umständen, nur ein Landesrat auf Zeit zu sein.

Verliert die ÖVP die Absolute, haben Neuzugänge in der Landesregierung gewiss die schlechtesten Karten bei allfälligen Koalitionsverhandlungen.

andreas.duenser@vn.vol.at, 05572/501-327