Reformfreudig, offen und menschlich

Spezial / 12.02.2013 • 21:37 Uhr

So wünschen sich die Priester im Land den neuen katholischen Oberhirten.

Schwarzach. An der Herkunft des neuen Papstes mögen sich die Geister scheiden. Sie tun es nicht, was die Erwartungen betrifft. Reformfreudig, offen und menschlich: So wünschen sich die Priester und kritische Laien im Land das künftige Oberhaupt der katholischen Kirche. „Die Welt hungert nach spiritueller und Lebensenergie“, so der Feldkircher Dompfarrer Rudi Bischof. Vor allem aber stehe die Kirche vor einem Berg ungelöster Probleme. Die Fähigkeit, darauf einzugehen, wäre deshalb eine weitere Eigenschaft, die der zu bestellende Papst mit in sein Amt bringen sollte.

Für Rudi Bischof hängen Wohl und Weh der Christenheit nicht davon ab, aus welchem Erdteil der Papst kommt. „Wenn einer aus der Dritten Welt neue Sichtweisen einbringen kann, soll es recht sein.“ Ein „starker Impuls“ für den künftigen Papst sollte seiner Ansicht nach aber von der Feststellung Benedikts XVI. ausgehen, wonach diese Zeit viele Fragen aufwerfe, die er nicht mehr imstande sei, so schnell zu beantworten. Aber das brauche es. Was die geplante Bestellung bis Ostern angeht, gibt sich der Dompfarrer zuversichtlich. Ein Konklave entwickle viel Energie. Die Ernennung eines neuen Bischofs für Vorarlberg hingegen sieht er „eher als Aufgabe des neuen Papstes“, selbst wenn eine Entscheidung schon gefallen sei.

Ostern ohne Papst, das könnte sich der Hörbranzer Pfarrer Roland Trentinaglia durchaus vorstellen. „Wir feiern ja die Auferstehung Christi und nicht einen neuen Papst“, lautet die saloppe Begründung. Auch Vorarlberg komme seit einem Jahr ohne Bischof aus und die Kirche blühe und funktioniere immer noch. „Wichtiger ist die Glaubenskraft der Menschen“, so Trentinaglia. Im Gegensatz zu seinem Feldkircher Amtsbruder würde er sich explizit einen Papst aus Asien oder dem südamerikanischen Raum wünschen. Denn dort lebe heute die Mehrzahl der Christen. Und der neue Papst müsse reformfreudig sein. Wobei sich Roland Trentinaglia da sinngemäß ebenfalls auf die Benedikt-Aussage stützt. „In einer globalisierten Welt sind wichtige Fragen nicht mehr mit althergebrachten Mitteln zu lösen.“

Hoffen auf Unerwartetes

Wilfried Blum, Pfarrer in Rankweil, setzt auf einen Papst, der „die verschiedenen Seiten der Kirche in einen guten Dialog bringt“. Außerdem solle der neue Oberhirte „die Sorgen und Nöte der Leute in den Gemeinden ernstnehmen“. Auch wäre es höchste Zeit für einen Papst aus der sogenannten dritten Welt. „Es soll keinen europäischen Papst geben.“ Da jedoch zu befürchten sei, dass das Kardinalskollegium aus vorwiegend konservativen Personen bestehe, „kann man nur auf etwas Unerwartetes hoffen“. So wie damals, als Johannes XXIII. zum Papst ernannt wurde. Ihm attestiert Blum jene Offenheit und Menschlichkeit, die er sich auch vom neuen Pontifex erwarten würde.

Konkrete Vorstellungen bringt auch Eva Fitz von der Plattform „Wir sind Kirche“ bei der Frage ein, welchen Papst die Welt braucht. „Wichtig wäre eine eigenständige starke Persönlichkeit, die tief in der Spiritualität verwurzelt ist, ohne Vorbehalte auf Menschen zugeht, heiße Eisen wie Zölibat und Frauenpriestertum anpackt, sich viel mehr an der Person von Jesus von Nazareth orientiert und ohne den barocken Pomp auskommt, den ohnehin niemand mehr versteht“, listet sie in einem Atemzug auf. Doch gibt es diesen perfekten Kandidaten? „Ja“, kommt es spontan, „Erwin Kräutler ist einer, der alles das repräsentiert.“

Die Welt hungert nach spiritueller und Lebensenergie.

Rudi Bischof, Dompfarrer

Wichtig wäre eine eigenständige, starke Persönlichkeit.

Eva Fitz von „Wir sind kirche“