„Romney war schwacher Kandidat“
Neue Amtszeit, alte Probleme: Politologe Peter Filzmaier analysiert die US-Wahl.
Washington. (VN-fd) Der Politologe Peter Filzmaier (45) verfolgte die Wahl vor Ort in Washington. Die VN erreichten den USA-Experten am Telefon.
Sind Sie von der klaren Wiederwahl Obamas überrascht?
Filzmaier: Nein, es war das zu erwartende Ergebnis – und die Umfragen lagen auch alle richtig.
Was gab den Ausschlag für den Amtsinhaber?
Filzmaier: Obama hat es geschafft, die entscheidenden Zielgruppen punktgenau anzusprechen. Ein Beispiel? Weiße Frauen haben insgesamt mehrheitlich Romney gewählt. Weiße Frauen im ‚Swing-State‘ Ohio wählten hingegen überdurchschnittlich oft Obama.
War Romney aus Sicht der Republikaner die richtige Wahl?
Filzmaier: Er war ein schwacher Kandidat – aber in Anbetracht der Alternativen noch der beste. Ansonsten standen ja nur obskure Kandidaten mit höchst bizarren Positionen zur Wahl.
Wird der Einfluss der Tea Party überschätzt?
Filzmaier: Innerhalb der Partei ist der Einfluss sehr groß. Jeder potenzielle Kandidat der Republikaner muss sich mit der Tea Party arrangieren. Beim Hauptwahlgang selbst polarisiert die Bewegung jedoch zu sehr und ist nicht mehrheitsfähig. Diese Quadratur des Kreises zu durchbrechen ist für jeden Republikaner ein Problem.
Was wird die zweite Amtszeit von Obama prägen?
Filzmaier: Man soll nicht zu viel erwarten. Er hat nach wie vor die Mehrheit im Repräsentantenhaus gegen sich. Obama wird wahrscheinlich relativ froh sein, wenn die Gesundheitsreform nicht zurückgenommen wird.
Es wird also schwierig, die Republikaner ins Boot zu holen – wie in seiner Dankesrede angekündigt?
Filzmaier: Diese Dankesrede war die Wiederholung von 2008. In Wahrheit sind die USA tief gespalten. Obama hatte bereits vor vier Jahren den Anspruch, diese Kluft zu überwinden – und das ist ihm nicht gelungen. Das wird auch in den kommenden vier Jahren nicht möglich sein.
Diese Dankesrede war die Wiederholung von 2008.
Peter Filzmaier, Politologe