Aschaffenburg: Pompeji am Main

Der Bayernkönig und sein Vermächtnis in Bayerns nördlichster Stadt: ein Jubiläum im Pompejanum.
Aschaffenburg Wer den Namen der Stadt hört, denkt heute als erstes an den mörderischen Messerangriff im Park Schöntal. Bis heute hat sich Aschaffenburg davon nicht erholt. Die Menschen sind aufgewühlt, ein Meer von Blumen markiert die Stelle, an der ein kleiner Junge und ein hilfsbereiter Mann erstochen wurden. Oberbürgermeister Jürgen Herzing zeigte sich tief betroffen. Natürlich würde sich Herzing andere Schlagzeilen für seine Stadt und den Park wünschen. Aber er weiß, dass die Menschen nach der unfassbaren Tat noch Zeit brauchen zu trauern. Und doch hoffen Hoteliers und Gastronomen, dass Reisende auch in diesem Jahr nach Aschaffenburg kommen. „Mein bayerisches Nizza“ hat der Bayernkönig Ludwig I. die Stadt ihres milden Klimas wegen genannt. Aber Aschaffenburg ist nicht nur von der Sonne verwöhnt. Die Stadt hat malerische Ecken in der Altstadt, ein imposantes Schloss, reiche Kunstschätze und ein aktives Kulturleben.
Man kann das Geburtshaus des Brücke-Malers Ernst-Ludwig Kirchner besuchen und im verwunschenen Gentilhaus die Wunderkammern des Sammlers entdecken. Man kann im Stiftsmuseum dem Geheimnis des Cranachschen Magdalenenaltars auf die Spur kommen und im Schloss die detailreichen Korkmodelle weltberühmter Bauten unter die Lupe nehmen. Und man kann sich im Pompejanum in die Antike versetzt fühlen. Schon dieser Zeitreise wegen lohnt sich ein Besuch der Stadt.

Fast schon mediterran
Es steht da, als wäre es direkt von Pompeji auf diese Mainterrasse gebeamt worden. Am schönsten strahlt das sonnengelbe Gebäude unter einem blauen Himmel. In dieser fast mediterranen Umgebung ließ der antikenbegeisterte König den Nachbau eines pompejanischen Hauses errichten, um seinen Untertanen die antike Wohnkultur näher zu bringen.
1839 war der König mit dem Architekten Friedrich von Gärtner in Pompeji. Ein Jahr später begann der Bau mit dem Fundament, und schon 1848 hat Gärtner die Außenkonstruktion mit dem auffälligen Säulenvorbau vollendet. 1850 war auch das Innere so gestaltet, wie es in einem pompejanischen Haus ausgesehen haben mochte – mit Atrium samt Springbrunnen, römischen Skulpturen und Mosaikböden. Um alles so authentisch wie möglich zu gestalten, hatte der royale Auftraggeber Künstler nach Italien geschickt, damit sie vor Ort lernen sollten. Für die Küche wurden originale antike Weinamphoren beschafft und exakte Nachbildungen antiker Küchenutensilien angefertigt. Und im Triclinium konnte man sich wie die alten Römer das Mahl auf Speisesofas munden lassen. Alles perfekt und scheinbar für die Ewigkeit gebaut.
Nach Zerstörung restauriert
Doch drei Wochen vor Kriegsende wurde das Pompejanum Opfer eines Bombenangriffs. Nur die Grundmauern blieben stehen. Bis in die 1960er Jahre waren die Fresken und die Böden ungeschützt dem Verfall ausgesetzt. Dann nahm sich die Bayerische Schlösserverwaltung der Restaurierung an. 1996 konnte das Pompejanum als Museum wieder öffnen. Der letzte Raum freilich wurde erst 2009 fertig gestellt. Für die Repliken der Fresken konnte man die noch vorhandenen Pläne nutzen; die Skulpturen wurden dem Zeitgeist angepasst. Einige Räume ließ man bewusst in dem Zustand, in dem sie nach dem Krieg vorgefunden worden waren.
Und dann gab es auch noch Überraschendes: Der schöne Marmorkopf vor dem kleinen Triclinium könnte eine abenteuerliche Geschichte erzählen. Eine Frau aus Texas hatte 2018 den Kopf in einem Trödelladen für 36 Dollar erworben und wollte ihn bei Sotheby‘s versteigern lassen. Das ging schief, denn über die Datenbank „Lost Art“ wurde festgestellt, dass es sich bei dem Porträt um den Marmorkopf handelte, den König Ludwig für das Pompejanum aus Italien importiert hatte. 2023 kam das gute Stück zurück.
Zur Jubiläumsausstellung im März „Inspiration Pompejanum – 175 Jahre Innenausstattung“ können die Gäste nicht nur den Marmorkopf bewundern, dann soll auch der Brunnen im Atrium wieder sprudeln.
Von Simone F. Lucas (srt)
Aschaffenburg
Lage Nordwestbayern, am Main, etwa 40 km südöstlich von Frankfurt am Main. Aschaffenburg ist die nördlichste Stadt Bayerns.
Einwohner ca. 71.000
Klima Wegen seines milden Klimas und der südländischen Vegetation wird Aschaffenburg auch „Bayerisches Nizza“ genannt.
Schloss Johannisburg: Das Wahrzeichen Aschaffenburgs

Schloss Majestätisch erhebt sich Schloss Johannisburg über den Main und prägt seit Jahrhunderten das Stadtbild Aschaffenburgs. Das beeindruckende Bauwerk aus rotem Sandstein wurde zwischen 1605 und 1614 als Residenz der Mainzer Erzbischöfe errichtet und zählt heute zu den bedeutendsten Renaissance-Schlössern Deutschlands.
Im Inneren beherbergt das Schloss unter anderem die Staatsgalerie mit Werken von Lucas Cranach, die weltweit größte Sammlung von Architekturmodellen aus Kork sowie eine historische Schlossbibliothek. Ein Spaziergang durch den weitläufigen Schlossgarten führt zum Pompeiianum, einer Nachbildung einer römischen Villa. Von hier aus genießt man einen wunderbaren Blick auf den Main und die umliegenden Weinberge.
Auf den Spuren von Ernst Ludwig Kirchner

Maler In Aschaffenburg wurde 1880 einer der bedeutendsten Expressionisten geboren: Ernst Ludwig Kirchner. Sein Geburtshaus erinnert an den Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“. Obwohl Kirchner später in Dresden, Berlin und Davos wirkte, finden sich in seinen frühen Skizzen Eindrücke aus seiner Heimatstadt.
Naturidyll mit Geschichte

Park Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt befindet sich der Park Schönbusch. Die weitläufige Anlage zählt zu den ältesten Landschaftsgärten Deutschlands und bietet dyllische Seen, geschwungene Wege und romantische Pavillons. Einst als höfischer Rückzugsort geplant, ist der Park heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Stiftsbasilika Aschaffenburg – Ein Wahrzeichen mit Geschichte

Die imposante Stiftsbasilika St. Peter und Alexander ist das älteste Bauwerk der Stadt und beeindruckt mit ihrer romanisch-gotischen Architektur sowie wertvollen Kunstschätzen, darunter das berühmte Lamentationsbild von Matthias Grünewald