Reise / 16.09.2022 • 10:40 Uhr
Die Bastille und das Stadtschloss gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Weimars. Clemens BauerfeinD/Weimar GmbH
Die Bastille und das Stadtschloss gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Weimars. Clemens BauerfeinD/Weimar GmbH

er zu seinem Gartenhaus im Ilmpark wollte“, so Renate Ragwitz. Die durch die Stadt führende Historikerin brilliert mit Goethe-Texten und offenbart auch ein paar Gerüchte aus den einstigen Salons. Und dennoch sorgt sie dafür, dass ihre Gäste die Stadt nicht nur als Goethe-Wallfahrtsort sehen. „Weimar – das war auch Bach und Cranach und Bauhaus. Es ist ein Brennglas deutscher Geschichte.“

Die klugen Frauen der Stadt

Wenn Renate Ragwitz vom goldenen Zeitalter Weimars erzählt, geht das nicht, ohne über die klugen Frauen der Stadt zu berichten. Da war vor allem die junge Anna Amalia, 16-jährig mit Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach verheiratet, um schnellstens den Erbprinzen zu gebären. Bis zu dessen Volljährigkeit gewährte man ihr den Thron und sie formte das 6000-Seelen-Städtchen zum Magneten für Dichter und Denker. 1775 holte ihr inzwischen mündiger Sohn Carl August den schon renommierten Goethe an seine Seite, schenkte ihm das Gartenhaus im Ilmpark und später das respektablere Anwesen am Frauenplan.

Vom Frauenplan also über das Pflaster der Seifengasse in Richtung Gartenhaus. Eine Ecke weiter die Reiterstatue Carl Augusts vor dem ehemaligen Fürstenhaus. In dessen Garten wächst seit über zwei Jahrhunderten ein inzwischen weit ausladender Ginkgo, Goethes Lieblingsbaum. Auf der anderen Straßenseite wartet die Anna-Amalia-Bibliothek auf Besucher. Ihren Ruhm verdankt die Sammlung von Büchern, Noten und Kunstwerken neben dem Fürstenhaus auch Bibliothekaren wie Goethe. Ihr Herzstück ist der prachtvolle Rokokosaal. Im neu renovierten Renaissancesaal im Erdgeschoss hat gerade die Ausstellung „Cranachs Bilderfluten“ eröffnet. Solange das Stadtschloss wegen Sanierung geschlossen ist, werden dort die weltberühmten Bilder aus der Werkstatt der Cranachs gezeigt. Hinter der Bibliothek senkt sich ein sanftes Tal, das der Park an der Ilm ausfüllt. Diese Anlage mit ihren gewundenen Wegen, weiten Wiesen, den weißen Bänken – ist der schönste Platz um endlich die Füße auszustrecken und Verse zu lesen.