Ansbach feiert 800 Jahre

Warum sich die Hauptstadt Mittelfrankens auch Kaspar-Hauser-Stadt nennt und was Besucher heute dort erwartet.
Beinahe hätten wir die beiden Bronzefiguren übersehen, weil Baumaschinen den Blick auf das Denkmal verstellen. Zwei Mal zeigt es Kaspar Hauser – als verwahrlosten Findling und als Gentleman. Bis heute gibt die Figur des Unbekannten Rätsel auf: „Hier ruht Kaspar Hauser, ein Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Geburt, geheimnisvoll die Umstände seines Todes“, steht auf seinem Grabstein. Gerade mal zwei Jahre – von 1831 bis 1833 – lebte Europas wohl berühmtestes Findelkind in Ansbach. Und doch wurde Kaspar Hauser, der an den Folgen eines ungeklärten Messerstichs starb, zum berühmtesten Bürger der Stadt, die sich gern auch Kaspar-Hauser-Stadt nennt. Und alle zwei Jahre finden hier die Kaspar-Hauser-Festspiele statt. Doch wer war dieser seltsame Mann, der 1828 16-jährig in Nürnberg auftauchte, verwahrlost, fast sprachlos? Ein illegitimer Spross aus einem europäischen Adelsgeschlecht? Ein badischer Prinz? Oder doch nur ein Betrüger? Bis heute schießen die Spekulationen ins Kraut.
Auf Spurensuche
Im Ansbacher Markgrafenmuseum können Besucher unter dem Motto „Wer bist du, Kaspar Hauser?“ auf Spurensuche gehen und unter anderem eine blonde Haarlocke des rätselhaften Mannes und zwei Zeichnungen aus seiner Hand bewundern. Das Schicksal des Namenlosen inspirierte Dichter von Georg Trakl bis Paul Auster. Der Film von Werner Herzog „Jeder für sich und Gott gegen alle“ wurde allerdings nicht in Ansbach gedreht, sondern im nahen Dinkelsbühl. Im Gegensatz zu dem schmucken Städtchen, das mit seinen Toren und Türmen zu einer Zeitreise ins Mittelalter einlädt, bietet Ansbach mit seinen rund 42.000 Einwohnern kein einheitliches Stadtbild. Umso reizvoller sind die Entdeckungen bei einem Stadtrundgang. 800 Jahre Geschichte feiert die Residenzstadt in diesem Jahr. Die Corona-Pandemie hat