Wundertüte in Südtirol

Reise / 09.07.2021 • 10:07 Uhr
Wundertüte in Südtirol

Zwischen Meran und dem Alpenhauptkamm versteckt sich mit dem Passeiertal eine wahre Schatztruhe.

Der Weg ins Paradies kann weit sein. Zumindest für die, die ihr Glück auf den Gipfeln suchen – oder auf der Zwickauer Hütte, die auf einem Felsabsatz direkt neben einem kleinen Gletscher auf knapp 3000 Meter Höhe wie ein Adlerhorst thront. Ein Traumplatz ganz hinten im Passeiertal, auch wegen des einmaligen Sonnenaufgangs. Der beste Platz dafür ist die große Terrasse vor der Hütte, hier sitzt man wie im Kino: Vor einem eine Riesenleinwand, auf der links die Sonne über einem Wolkenmeer aufgeht und rechts die Hohe Wilde im zarten Rot erstrahlt, während unter einem der kleine Ort Pfelders noch im tiefsten Schatten liegt.

Das Kino ist kostenlos, doch den Ausblick muss man sich hart verdienen. Knapp vier Stunden benötigt man für den schweißtreibenden Anstieg aus dem Tal. Die Anstrengung ist allerdings nach der Ankunft auf dem stattlichen, mit Holzschindeln verkleideten Stützpunkt am Fuß des Hinteren Seelenkogels schnell vergessen – wegen des Ausblicks und wegen Heinz Leitner, der die Hütte liebevoll bewirtschaftet. Ein Südtiroler Original, der mit seinem wallenden Haar und dem Vollbart auch auf den zweiten Blick noch Ähnlichkeit mit Reinhold Messner hat – oder wie Heinz sagt: „Er hat‘s Glück, dass er mir etwas gleicht.“ Die Zwickauer Hütte ist der höchste Stützpunkt in dem weitläufigen Gebiet des Passeiertals – und für Wanderer einer der vielen Höhepunkte, die es hier zu entdecken gibt. Ein Gebiet, das mit über 300 Sonnentagen vom Wetter regelrecht verwöhnt wird und quasi von der Kurstadt Meran mit ihrem fast schon mediterranen Klima und Flair bis in die Gletscherregion reicht.

„Von oben sieht man mehr“, heißt ein schönes Sprichwort, das einem nach dem Abstecher auf die Zwickauer Hütte beim Anstieg ins Falschnaltal durch den Kopf geht – dabei kann man sich auch über die Kulisse von Pfelders kaum beklagen. Über dem Ort ragen imposante Hänge auf, die schier endlos hinaufziehen zu den Ötztaler Dreitausendern, den Talschluss dominiert die Hohe Wilde, im Falschnaltal tritt man ein ins Reich des Naturparks Texelgruppe und wandert