Stille Wanderwege auf der Blumeninsel

Ruhe und Natur beim Wanderurlaub entlang der malerischen Bewässerungskanäle in Madeiras Zauberwald.
Madeira Tausend kleine Wasserperlen glitzern auf grünem Blattwerk. Bereits hinter der ersten Kurve öffnet sich ein grüner Tunnel aus Lorbeer, Wachsmyrte und Moosen. Neben dem Saumpfad murmelt in einer uralten Felsrinne sanft ein künstlicher Bach. Eine Mauereidechse hat es sich auf warmen Basaltbrocken bequem gemacht und lässt sich auch durch Wanderer nicht stören. Diese Stille! Eine Levada-Wanderung auf der Insel Madeira lässt den Alltagsstress sanft abfließen wie Regenwasser.
Levadas: So heißen auf der Blumeninsel im Atlantik die uralten Bewässerungskanäle. Maurische Sklaven haben sie wohl einst gegraben. Die Wasserläufe leiten das kostbare Nass über viele Kilometer von den regenreichen Nordhängen zu den Bananenplantagen im sonnigen Inselsüden. Neben diesen künstlichen Wasseradern verläuft immer ein schmaler Pfad, früher zur Wartung, inzwischen vor allem zur Freude der Wanderer. Schon nach wenigen Schritten steht dieser mittendrin in einem urzeitlichen Lorbeerwald, einer Wildnis aus jahrhundertealten Krüppelbäumen, meterhohen Farnen, vermoosten Erikabüschen – einem leibhaftigen Bergdschungel.
Besser mit Begleitung
„Wandern Sie mit!“ Ein Plakat im Hotel macht auf die Tageswanderungen aufmerksam. Nach dem Frühstück war der Kleinbus losgefahren. Vorn neben dem Fahrer der Guide: Die Österreicherin Christa Dornfeld lebt seit mehr als 20 Jahren auf der Insel und ist staatlich geprüfte Bergführerin und Kartenzeichnerin. Die Rabacal-Wanderung gehört zu den Klassikern auf der Insel. Dass es außer Bequemlichkeit noch andere Gründe gibt, besser mit Führer loszuziehen, merkt die kleine Gruppe bald. Der Weg ist fest, aber glitschig. Rechts fließt die Levada. Und links ahnt man nur den Abgrund, von dem gnädigerweise die Nebel das Meiste verbergen. Zwar sind die ausgesetztesten Stellen durch Handläufe gesichert, und Schilder gibt es auch. Aber die Angaben darauf sind so wenig zuverlässig wie der Wetterbericht auf Madeira. Farne, Moose, feinzerstäubter Nebel – der Brautschleier des Risco-Wasserfalls rauscht in mehreren Etappen 220 Meter über den Fels. Das Wetter wechselt im Minuten-Rhythmus. Gerade noch war die Feuchtigkeit mit Händen zu greifen, da huschen schon wieder Sonnenstrahlen über die Farne wie ein Insektenschwarm.Der Weg wird breiter, führt in den dunklen Talschluss zur „Madre del Agua“. Ein beeindruckender Felskessel markiert den Beginn der Levada. Im Halbrund rieseln die Wasserfälle in ein natürliches Wasserbecken, türkisgrün schimmert das Nass unter rostrotem Felsüberhang hervor. Einen prächtigen Platz fürs Picknick bieten die rund geschliffenen Felsen unter riesigen Farnblättern allemal. Eine gute Stunde nach dem Picknick ist der Tunnel am Ende der Wanderung erreicht. Christa teilt Taschenlampen aus. Die Schritte hallen. Auf der anderen Seite strahlt die Sonne, tief unten liegt das Meer, und wie bestellt liegt am Weg ein flaches Stück Fels, auf den sich alle setzen und den Blick in sich aufsaugen.


Madeira
Wanderung Die Tageswanderung wird von mehreren Agenturen auf Madeira als Ausflug angeboten.
Kontakt Christa Dornfeld www.madeirawandern.com
Anreise Derzeit wird bei der Einreise auf Madeira ein negativer PCR-Test verlangt, der maximal 72 Stunden alt sein darf.