Herbstzeit in Kitzbühel

Reise / 05.09.2020 • 10:00 Uhr
Herbstzeit in Kitzbühel
KITZBÜHEL TOURISMUS

Die nächsten Wochen eignen sich wunderbar für eine Wanderung auf dem Kitzbüheler „Gamsroas 9 Gipfel“-Weg.

Kitzbühel Kleiner Gipfel, großes Kino, so könnte man den Laubkogel beschreiben, der eigentlich ganz unscheinbar den Eckpunkt eines kilometerlangen Graskammes bildet. Ein grüner Hügel inmitten der grünen Kitzbüheler Grasberge, die sich im Winter in ein perfektes Skigelände verwandeln. Im Sommer dagegen zeigen sich die Kitzbüheler Alpen als charmantes Wandergebiet, wobei selbst Gipfel wie der gerade einmal 1760 Meter hohe Laubkogel grandiose Ausblicke ermöglichen. Auf der einen Seite faszinieren das Kitzbüheler Horn und der benachbarte Wilde Kaiser, auf der anderen Seite reiht sich über dem Talschluss der Kelchalm Gipfel an Gipfel. Insgesamt sind es neun, die alle noch auf dem Plan stehen, der Laubkogel ist nur der Auftakt eines überaus sportlichen Wandertags. Im Rahmen der 9-Gipfel-Tour werden alle Berge über der Kelchalm überschritten, wobei dies bisher kaum einer machte. Grundsätzlich ist die Wanderung natürlich nicht neu, die Gipfel gab es schon immer, doch seit vergangenem Sommer wird die Runde unter dem Namen „Gamsroas – Das 9 Gipfel Erlebnis“ in einer Wanderbroschüre ausführlich beschrieben. Dahinter steht der Gedanke, dass die Kitzbüheler Alpen, die eher für Grasberge und damit leichte Wanderungen bekannt sind, auch für sportlich ambitionierte Bergwanderer ein lohnendes Ziel bieten.

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KITZBÜHEL TOURISMUS

Der Auftakt ist vielversprechend, wenn man auf der steilen Schotterstraße zur Kelchalm schnell auf Betriebstemperatur kommt. Vorbei an Relikten des ehemaligen Kupferbergbaus, der vor mehr als 3000 Jahren begann und im Jahr 1926 eingestellt wurde, kann man nach rund eineinhalb Stunden Gehzeit mit dem Laubkogel bereits Gipfel Nummer 1 abhaken. Der Weiterweg schaut einladend aus: Ein sanfter Wiesenrücken gibt die Richtung vor, ein schwach ausgeprägter Pfad mit einzelnen Markierungen führt über das Hahnenkampl und den Rauber zum ersten Zweitausender, den 2008 Meter hohen Saalkogel. Knapp zwei Stunden sollte man für die Strecke bis zum vierten Gipfel veranschlagen, doch wer länger braucht, macht alles richtig – und sieht mehr. Im Frühsommer sind die üppig blühenden Almrauschfelder ein Traum, im Herbst verwandelt sich der Kamm in ein Blaubeerparadies. In kleinen Tümpeln spiegeln sich die Grasberge, endlose Wiesen aus Wollgras entzücken den Naturfreund, dazwischen sucht ein Bergmolch ein schattiges Plätzchen.

Alpiner und anspruchsvoller

Nach dem Saalkogel wird die Landschaft alpiner, der Weg kurzzeitig anspruchsvoller. Deutlich zeigt sich das am Tristkogel, auf den ein steiler und am Grat auch etwas luftiger Steig führt. Für trittsichere Geher kein Problem, allerdings kann man den Gipfel auch bequem südseitig queren und so auf direktem Weg zur Toralm wandern. Die liegt auf einem ausgedehnten Hochplateau mit saftig grünen Weiden, ein Paradies für Kühe und eine willkommene Einkehr für durstige Wanderer. Zumindest im Hochsommer, denn die Toralm wird nur rund einen Monat bewirtschaftet. Eine Etage weiter oben wartet mit dem kleinen Torsee der schönste Rastplatz der Tour. Glasklar das Wasser und zahlreich die lauschigen Wiesenliegen im Umfeld.

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Kitzbühel Tourismus/Michael Werlberger

„Wandern in den Kitzbüheler Alpen ist abwechslungsreich“, schwärmt David Widauer von seinem Hausgebiet, „man hat die Grasberge und gleichzeitig einen superschönen Blick in die Hohen Tauern.“ Wie zum Beweis folgt nach dem kurzen Anstieg auf den Teufelssprung eine aussichtsreiche Promenade über einen grünen Wiesenkamm zum Gamshag und als Kulisse begeistern die Gletscher der Venedigergruppe. Spätestens am Gamshag spürt man langsam seine müden Beine, immerhin steht man hier bereits auf dem siebten Gipfel. „Je nach Kondition und Wetter kann man an mehreren Stellen abbrechen“, beruhigt David, „oder ich lasse einfach mal einen Gipfel aus.“ Die Flexibilität ist ein weiter Trumpf dieser großartigen Runde, die mit jeweils kurzen, aber knackigen Gegenanstiegen auf Kleinen Schütz und Schützkogel endet, ehe man endgültig absteigt, satt an Eindrücken und hungrig auf mehr Bergerlebnisse in den Kitzbühelern. Stefan Herbke (srt)

Kitzbühel

Bundesland Tirol

Einwohner 8225 (1. Jänner 2020)

Infos herbst.kitzbuehel.com

9-Gipfel-Tour Die Wanderung ist für sehr Sportliche prinzipiell auch in einem Tag machbar. Für alle anderen gibt es aber unterwegs genügend Ausstiegsmöglichkeiten oder Abkürzungen.