Kunstmetropole Fort Kochi

Fort Kochi im südindindischen Bundesstaat Kerala entwickelt sich von der Gewürzhauptstadt zur Kunstmetropole.
Hier hat Sarah immer gesessen und gestickt“, erzählt Thaha Ibrahim und deutet auf den Stuhl neben dem Fenster. Während die alte Dame Taschentücher und Deckchen bestickte, nähte Thaha mit ihrer alten Nähmaschine Kippas. Heute arbeitet er allein. Im August vergangenen Jahres ist Sarah Cohen mit 96 Jahren gestorben. Sie war die älteste der wenigen verbliebenen Paradesi-Juden. Diese Nachfahren der seit dem 16. Jahrhundert aus Europa und dem Nahen Osten eingewanderten Juden hatten sich in der Hafenstadt Cochin – heute Kochi – an der Malabar-Küste im Südwesten Indiens niedergelassen. In der Nähe des Maharadscha-Palastes fanden sie Schutz und betrieben ihre Handelsgeschäfte.
Über Jahrhunderte zog die auf einer Landzunge in einer riesigen Lagune gelegene Stadt Eroberer aus aller Welt an: Araber, Portugiesen, Holländer und Briten balgten sich um die Herrschaft, um den lukrativen Gewürzhandel unter ihre Kontrolle zu bekommen. Kochi war stets ein Schmelztiegel der Kulturen. Ein Spaziergang durch die engen Gassen mit ihren alten portugiesischen Herrenhäusern und imposanten christlichen Kirchen gleicht noch immer einer Zeitreise. Vasco da Gama lebte und starb hier, er wurde in der St. Francis-Kirche begraben, der ersten europäischen Kirche auf indischem Boden. An der Spitze der Landzunge zeugen die bis zu 30 Meter hohen hölzernen Gestelle der chinesischen Fischernetze von den Handelsbeziehungen zu China.
Friedliches Zusammenleben
„Hier leben noch heute alle Religionen friedlich zusammen“, erzählt Balagopal beim Besuch einer kleinen syrisch-orthodoxen Kirche, die eher an einen Hindutempel erinnert. Die Juden allerdings verschwinden zunehmend. Bis zur Staatsgründung Israels 1948 lebten rund 2000 von ihnen in Jew Town. Danach wanderten die meisten nach Israel aus. Jew Town gehört heute zu den beliebten Attraktionen von Fort Kochi. Ein Souvenir- und Antiquitätengeschäft reiht sich ans andere, oftmals betrieben von Muslimen aus Kaschmir. Hauptattraktion ist die alte Synagoge. „Die
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