Kulturhauptstadt 2020: Rijeka

Reise / 06.12.2019 • 11:25 Uhr
Kulturhauptstadt 2020: Rijeka

Neben Galway präsentiert sich 2020 auch das kroatische Rijeka als europäische Kulturhauptstadt.

Es ist schwer, Rijeka auf den ersten Blick schön zu finden. Wer sich dem 130.000-Einwohner-Ort vom Wasser aus nähert, dem präsentiert sich keine harmonische Silhouette mit hübschen Häusern, Kirchtürmen und Stadtmauern – so wie in vielen anderen kroatischen Orten. Stattdessen stechen an den Hängen des Uckca-Gebirges hohe Plattenbauten sowie nicht wenige Bausünden aus der Nachwendezeit ins Auge. Der Altstadtkern mit seinen k.u.k.-Palästen und italienischen Neobarock-Palazzi versteckt sich diskret hinter dem Hafen und dem Damm, der wegen seiner ungewöhnlichen Länge von 1700 Metern auch Molo Longo genannt wird und die fehlende Uferpromenade ersetzt. Im Gegensatz zum nahen Opatija war Rijeka nie ein Seebad. Hier wurde nicht promeniert, sondern hart gearbeitet. Die Habsburger, die hier rund 400 Jahre bis zum Ersten Weltkrieg herrschten, ließen den Hafen ausbauen. Zeitweise war Rijeka der große Konkurrent Venedigs. Und selbst heute behauptet sich der Hafen immer noch als wichtiger Umschlagplatz für Waren Richtung Südosteuropa.

„Hafen der Vielfalt“

Als Europäische Kulturhauptstadt teilt sich Rijeka ab Februar 2020 das Motto „Hafen der Vielfalt“ mit Galway. Kroatiens drittgrößte Stadt ist dabei klug genug, gar nicht erst zu versuchen, das industrielle Erbe zu verstecken. Stattdessen bietet der Kontrast zwischen Pracht und Industriebrache genug Reibungspunkte, um ein urbanes Zentrum vorzustellen, das als das liberalste im katholischen Kroatien gilt und Trends setzte. Hier wurde in den 60er-Jahren die erste jugoslawische Rockband „Uragani“ gegründet. Von hier aus fanden Punk und Hiphop den Weg nach Kroatien.Wie reich Rijeka einst war, lässt sich zu beiden Seiten des Korzo an den schmucken Fassaden ablesen. Der Laufsteg der Stadt verläuft parallel zur Küste. Zentral markiert der Stadtturm den Eingang zur Altstadt. Elegante Stadthäuser und Paläste aller Stilepochen erzählen vom einstigen Wohlstand. Wer entlang des Korzo bummelt, entdeckt kosmopolitische Traditionen.

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