Reise / 16.02.2018 • 08:36 Uhr
Besucher stehen staunend neben der leuchtenden Wasserblase, die als meterhohe Wassersäule nach oben steigt. Johannes Rinke (3)
Besucher stehen staunend neben der leuchtenden Wasserblase, die als meterhohe Wassersäule nach oben steigt. Johannes Rinke (3)

wir Siggi kennen. Der Isländer ist unser Guide für eine Schneemobil-Tour. Siggi ist erfahren und die Schneemobile sind auf dem neuesten Stand der Technik, trotzdem ist beim Fahren etwas Fingerspitzengefühl und Kraft gefragt. Das wird mir bewusst, als ich bemerke, dass uns das Pärchen aus Frankreich nicht mehr folgt und hinter einer Anhöhe verschwunden bleibt. Ich winke mit beiden Händen und signalisiere Siggi, dass etwas nicht stimmt. Der aber gibt den Daumen hoch und ist der Meinung, dass ich mich einfach euphorisch freue. Wenig später sammelt er die zwei, die das Gleichgewicht in einer Kurve verloren haben und samt Fahrzeug umgekippt sind, wieder auf. Keine große Affäre. Siggi, der ein rechter Abenteurer zu sein scheint, erzählt uns später bei einer Tasse Tee und Lakritze von einem frühen Wintersturm im September, der ganze Schafherden im Hochland einschneite. Viele Tiere wurden rasch geborgen, aber auch Tausende von ihnen dürften in den Schneemassen umgekommen sein. Die Schafe waren meist zu ermattet, um sich selbst aus den Schneemassen zu befreien, ließen sich aber widerstandslos über das Schneefeld ziehen und von Siggi per Schneemobil ins Tal transportieren. Noch heute bringt der dankbare Bauer jedes Jahr einen großen Weihnachtsbraten vorbei. Der Zusammenhalt bei einer relativ kleinen Bevölkerung ist seit jeher überlebenswichtig und prägt den Charakter der Isländer.

Wieder zurück im Appartement tauen wir unsere kalten Zehen im Hot Pot auf unserer Terrasse auf. Der kleine Pool wird mit wenig Energieaufwand von natürlichen Mineralquellen mit heißem Wasser gespeist. Kein Luxus, sondern alltäglich in Island. Währenddessen wandert unser Blick ständig in den Himmel, denn die berühmten Nordlichter fehlen noch auf unserer Liste. Wir lassen gegen Mitternacht den Lärm und die Lichter der Stadt hinter uns und fahren Richtung Passstraße los, wo im dahinterliegenden Tal die Chance auf die Sichtung von Nordlichtern hoch sein soll – das behauptet zumindest unsere Aurora-App. Leider haben wir den Vollmond unterschätzt, der alles taghell ausleuchtet und damit die magischen Lichter versteckt. Ein Grund mehr, bald wieder in dieses faszinierende Land zurückzukehren. Ulrike Winsauer