Auf den Spuren Orwells in Burma

Höhepunkt unserer Ayeyarwady-Kreuzfahrt angepriesen – und war es dann auch zweifellos.
Burma – oder Myanmar, wie sich die Nation seit Mai 1989 offiziell bezeichnet, ist ein exzentrisches Land von bestechend exotischem Zauber, unendlich sanft und doch von sporadisch aufbrechender, erschreckender Brutalität. Der Ayeyarwady ist, wie der Nil für Ägypten, die Lebensader Burmas, der an den wichtigsten Städten des Landes vorbeiströmt. Keine bessere Art, dieses faszinierende Land zu bereisen, als an Bord eines komfortablen Schiffes wie der „Anawrahta“ geräuschlos an Pagoden vorbeizugleiten, die wie goldene Schmuckstücke im üppigen Dschungel an steilen Berghängen schimmern. Durch dramatische Felsschluchten, vorbei an archaisch anmutenden, ländlichen Szenen mit Ochsengespannen, riesigen Bambusflößen und Frauen, die im Fluss ihre Wäsche waschen. Täglich stehen Exkursionen auf dem Programm, immer zu lohnenden Zielen abseits der bekannteren Touristenrouten.
Wie große Meeresfische von kleinen Fischen eskortiert werden, schwimmt ein winziges Schiff stets treu an unserer Seite und bringt uns jeweils an Land. In Minuten befinden wir uns auf quirligen Märkten mit Frauen, die ihre Ware wie seit alten Zeiten in zwei Körben auf den Schultern balancieren. Am Rand der von alten, zweistöckigen Häusern aus Teakholz gesäumten Straßen ziehen in Einerkolonne zwischen Rikschas und Pferdekarren die jungen Mönchsnovizen in ihren roten Roben und die Nonnen in Zartrosa, barfuß und in langer, streng der Körpergröße nach geordneter Einerkolonne, die Reisschalen in ihren ausgestreckten Händen: „Zeitlosigkeit“, hatte Rudyard Kipling schon vor mehr als einem Jahrhundert definiert, sei „die Essenz Burmas“. Heute trifft das nur noch teilweise zu.

Buchtipp
Tage in Burma
„Orwell kennen die meisten Leser nur als düsteren ‚Big Brother‘-Visionär – die wenigsten wissen, daß der Autor einige Jahre als Kolonialbeamter in Burma tätig war. Vor diesem Erfahrungshintergrund entfaltet er die Geschichte eines britischen Diplomaten in einem burmesischen Außenposten. Erhältlich bei „Das Buch“.
ISBN: 978-3-257-20308-0;
Preis: 12,40 Euro