Wie eine Kröte den Urwald rettete

Reise / 18.12.2015 • 11:23 Uhr
Wie eine Kröte den Urwald rettete

Costa Rica hat sich zum Vorzeige-Gastgeber in Sachen Öko-Tourismus gemausert.

reise. (srt/Mona Contzen) Das laute Kreischen der Brüllaffen lässt die Köpfe der Männer nach oben fahren. Wie Schatten bewegen sich die Tiere in den Baumkronen. Wenn doch nur die Goldkröte in dem undurchdringlichen Dickicht ebenso leicht auszumachen wäre. Seit einer Woche schon schlagen sie sich Tag für Tag durch den Busch, immer auf der Hut vor Spinnen und giftigen Schlangen. Ein Bild, das Nery Gomez auch 40 Jahre später noch zum Lachen bringt. „Den Einwohnern von Monteverde war es ein Rätsel, was die ersten Touristen in ihren Wäldern trieben“, erinnert sie sich. Die Goldkröte, eine einzigartige Spezies in Costa Rica, konnten die Biologen nicht mehr vor dem Aussterben bewahren. Doch das seltene Tier war die Rettung für den Urwald. Noch bis in die Sechziger-Jahre hinein hatte die Regierung die Abholzung der Wälder gefördert, um mehr Platz für die Landwirtschaft zu gewinnen. Mit der Entdeckung der Goldkröte kam die Wende: Wissenschaftler aus aller Welt machten sich für den Naturschutz stark, sammelten Gelder für das erste Reservat in Monteverde und initiierten schließlich die Wiederaufforstung. Heute trennt eine 20 Kilometer lange Schotterpiste die Region im Herzen des Landes von der Zivilisation. Feuchter Nebel hängt wie festgezurrt zwischen den üppig grünen Hügeln. Die Kraft der Natur entlädt sich hier in nicht enden wollenden Wassermassen, die vom Himmel strömen. Durchschnittlich drei Liter Regen fallen jährlich auf jeden Quadratmeter des undurchdringlichen Dickichts zwischen Atlantik und Pazifik – und schaffen so einen Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen.

„Der Öko-Tourismus hat hier mit den Biologen angefangen“, erklärt Gomez. Die resolute kleine Frau steht hinter dem Tresen ihres einfachen Restaurants. Anfang der Achtziger-Jahre hat sie gemeinsam mit anderen Frauen aus der Gemeinde eine Künstlerinnen-Kooperative gegründet – und schnell gelernt, was die Biologen anlockte. Die Frauen fingen an, die Natur zu beobachten und Motive aus Flora und Fauna für ihre künstlerischen Arbeiten zu verwenden. „So haben wir den ökonomischen Nutzen der Natur erkannt und begonnen, sie zu schützen“, sagt Gomez. Costa Rica ist heute führend in Sachen nachhaltigem Tourismus, 30 Prozent des Landes – mehr als in jedem anderen Staat – stehen unter Naturschutz. Inzwischen lebt ganz Monteverde von dieser natürlichen Vielfalt, in einer Symbiose von ökonomischem Zwang und ökologischer Verantwortung. Nachtwanderungen, Canopy-Touren, bei denen Besucher an Stahlseilen durch die Baumkronen sausen, und Ausflüge hoch zu Ross laden die Touristen in das Reich der Tiere ein –